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Fußball-Kommentar Heuschreckenplage in Manchester

14.01.2010 ·  Die Furcht, die viele Anhänger von Manchester United gegen die Übernahme ihres Klubs durch den Amerikaner Malcolm Glazer protestieren ließ, stellt sich spätestens jetzt als berechtigt heraus. Nicht jeder hat so viel Glück wie Chelsea.

Von Christian Eichler
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Wie kommt man zu einem kleinen Vermögen? Indem man ein großes Vermögen in einen Fußballklub steckt. Dieser alte Satz aus England ist nicht mehr ganz aktuell. Das beweisen die Berichte über die Finanzentwicklung von Manchester United, aus denen ein neuer Satz abzuleiten ist: Wie kommt man zu einem großen Vermögen? Indem man einen großen Fußballklub auf Pump kauft und dann aussaugt.

Die Heuschrecken-Furcht, die viele Anhänger vor fünf Jahren heftig gegen die Übernahme des damals reichsten Klubs der Welt durch den Amerikaner Malcolm Glazer protestieren ließ, stellt sich spätestens nun als berechtigt heraus. Die Schulden von mittlerweile rund 700 Millionen Pfund, die Glazer mitbrachte, kosten United seitdem Jahr für Jahr 67 Millionen Pfund an Zinsen. Trotz eines hohen operativen Profits des Fußballbetriebs hat nur der Weltrekordtransfer von Cristiano Ronaldo einen hohen Verlust verhindert - dies und der Verzicht auf Spielerkäufe, der nun den einst stärksten Profikader Europas mehr und mehr ausdünnt.

Besondere Empörung bei Fans löst aus, wie ungehemmt sich die Geschäfts-Amerikaner an der englischen Fußball-Passion bereichern. Glazer hat im Klub seine sechs Kinder installiert. Diese haben sich ihre eher symbolische Anwesenheit mit insgesamt zehn Millionen Pfund an „Management- und Verwaltungsgebühren“ bezahlen lassen - und sich überdies ein Darlehen von weiteren zehn Millionen Pfund aus der Klubkasse genehmigt. Im Gegenzug sind die Eintrittspreise im Old Trafford in den letzten vier Jahren fast verdoppelt worden.

Konstrukt der kurzfristigen Geldbeschaffung und langfristigen Ruinierung

Schon prophezeien englische Fußballexperten den Niedergang des Klubs, der zwei Jahrzehnte lang die stärkste Liga der Welt dominiert hat. Verlässliches Zeichen dafür ist das zunehmende Umschichten von Geldern und Geldlücken. So soll zur abermaligen Umschuldung eine Anleihe über 500 Millionen Pfund ausgegeben werden. Aus einem erst in der nächsten Saison beginnenden Trikotvertrag wurden 36 Millionen Pfund vorzeitig einkassiert. Und das moderne Trainingsgelände soll verkauft und zurückgemietet werden - dieses unter dem Namen „sell and lease back“ bekannte Konstrukt der kurzfristigen Geldbeschaffung und langfristigen Ruinierung, das auch in der Bundesliga schon manche dem finanziellen Exitus gefährlich nahe brachte.

Natürlich ist ManUnited kein unschuldiges Opfer. Der Klub hat in den neunziger Jahren die Turbo-Kapitalisierung des Profifußballs vorangetrieben. Und er lieferte sich mit seinem lukrativen Börsengang sehenden Auges der Gefahr der Übernahme. Nun zahlt man die Zeche, denn die Krise belohnt jene Kaufleute, die vorsichtig gewirtschaftet und sich nicht abhängig gemacht haben, wie Arsenal, Barcelona oder der FC Bayern - oder die, die wenigstens Glück haben mit dem neuen Besitzer. So einen wie Roman Abramowitsch beim FC Chelsea wünschte man sich nun auch in Manchester, einen vom alten Schlag: der ein großes Vermögen mit einem Fußballklub ein bisschen verkleinern will.

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