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Fußball-Kommentar Harter Weg zum Gipfel

16.05.2008 ·  Bundestrainer Joachim Löw hat 26 Spieler für den vorläufigen Europameisterschafts-Kader nominiert. Da noch drei Spieler bis zum Turnierbeginn rausfliegen, herrscht Konkurrenzdruck innerhalb der Fußball-Nationalmannschaft.

Von Michael Horeni
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Jürgen Klinsmann dürfte der Auftritt seines Nachfolgers auf der Zugspitze gefallen haben: Hildebrand raus, Adler und Marin rein – und das Trainingslager auf Mallorca als Qualifikationsturnier für die Wackelkandidaten. Mit dem harten Weg, den Joachim Löw in Richtung Europameisterschaft eingeschlagen hat, überraschte der Bundestrainer nicht nur Spieler, Experten und Fans.

Löw sendete mit der vorläufigen Nominierung von 26 Profis, von denen sich drei noch ganz kurz vor der Ziellinie am 28. Mai von ihrem sportlichen Traum verabschieden müssen, vor allem ein eindeutiges Zeichen an seine Mannschaft: Der Konkurrenzkampf, der in dieser Saison durch Löws Freifahrtscheine für Ersatzspieler, Verletzte und Rekonvaleszenten schon fast einzuschlafen drohte, ist durch den Nominierungs-Coup neu entfacht worden. Spät zwar, aber vielleicht nicht zu spät.

Mit Blick auf die Zukunft

An guten Argumenten fehlt es Löw bei all seinen Entscheidungen nicht. In der Torwartfrage belohnt er die außergewöhnliche Leistung des jungen Leverkuseners René Adler auch mit dem Blick auf die Zukunft – so bitter das auch für die langjährige Nummer zwei, Timo Hildebrand, sein muss. Der dribbelstarke Mönchengladbacher Marko Marin, mit außergewöhnlichem Talent gesegnet, erweitert die Optionen des Teams während des Turniers – genauso wie es Klinsmann vor zwei Jahren mit David Odonkor vormachte.

Vor seinem ersten Turnier als Chef hat Löw mit der Kadernominierung auch die Chance genutzt, sich seiner Rolle als der „nette Herr Löw“ zu entledigen. Auf der Zugspitze signalisierte der Bundestrainer seinem Team von oben herab, dass auch er selbst vor der „härtesten EM aller Zeiten“ nicht vor der notwendigen Härte zurückschrecke.

Konkurrenzdruck durch Außenseiter

Das war in dieser Spielzeit bisher meist anders. Torwart Lehmann konnte gewiss sein, dass der Bundestrainer auch die Ersatzbank bei Arsenal als geeigneten Platz zur Europameisterschafts-Vorbereitung ansah. Auch ein Langzeitverletzter wie Christoph Metzelder musste sich nicht sorgen, nach langer Pause bis zum Saisonhöhepunkt körperlich wieder in Topzustand zu kommen. Löw genügt es, dass sein Abwehrchef wenigstens gesund ist.

Da kann es für die Spannung innerhalb des Teams nicht schaden, wenn in der kommenden Woche Jermaine Jones, Oliver Neuville, Piotr Trochowski, David Odonkor, Patrick Helmes, Simon Rolfes oder Tim Borowski das Trainingslager als persönliche EM-Prüfung verstehen. Es war höchste Zeit, dass Löw dem Eindruck entschieden entgegentrat, dass alte Verdienste den Ausschlag für künftige große Ziele geben. An diesem Samstag geht die Bundesligasaison zu Ende, der Kampf um die Europameisterschaft hat aber erst jetzt richtig begonnen.

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