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Fußball-Kommentar Erfolg geht über Emotionen

24.10.2007 ·  Für Trainer Arsene Wenger ist die Personalie Jens Lehmann keine allzu wichtige. Über kurz oder ganz kurz wird der Deutsche das Arsenal-Tor verlassen. Eine Trennung im Winter wäre die logischste und vor allem für alle Seiten vernünftigste Lösung, meint Peter Heß.

Von Peter Hess
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Ist Jens Lehmann ein Blödmann? Das hat das englische Boulevardblatt „The Sun“ behauptet, weil der deutsche Nationaltorhüter sich in einem Fernsehinterview über die Behandlung beschwert hat, die ihm sein Vereinstrainer Arsène Wenger bei Arsenal London widerfahren lässt.

„Man sollte einen Spieler nicht zu lange demütigen“, hatte Lehmann gesagt und dabei das „man“ direkt mit Wenger in Verbindung gebracht. Dann fügte er noch eine Drohung hinzu: „Es kann sein, dass ich mich irgendwann einmal danach fühle, dass ich zu dieser ganzen Thematik etwas sagen muss.“

Das war weder elegant noch geschickt formuliert, das war schon ein Satz zu viel zur ganzen Thematik. Was hat sich Wenger eigentlich erlaubt? Er hat Lehmann nach zwei grotesken Fehlern in den beiden ersten Punktspielen, die zu Gegentoren führten, durch die Nummer zwei, Almunia, ersetzt. Dann wurde des Deutschen Kampf zurück ins Tor der „Gunners“ durch eine langwierige Ellbogenverletzung und durch kleinere Beschwerden behindert. Für die deutsche Nationalelf lieferte Lehmann zwischendurch ein gutes Länderspiel gegen Irland und ein befriedigendes gegen Wales ab – zu wenig für Wenger, um ihn wieder ins Tor von Arsenal zu befördern.

Was würde Lehmann wohl sagen?

Im Gegenteil, in einem Match setzte er seine frühere Nummer eins sogar auf die Tribüne. Womöglich eine Reaktion auf andere Interviews, in denen sich Lehmann wenig selbstkritisch mit seinen Missgeschicken auseinandergesetzt hatte. Die Fehler seien aus einem Übermaß an Selbstbewusstsein entstanden und so grotesk, dass er sich keine Gedanken darüber mache, schlechter geworden zu sein.

So eine Aussage bewegt kaum einen Fußballlehrer dazu, einem gestrauchelten Profi eine neue Bewährungschance zu geben. Zumal Ersatzmann Almunia auch keinen Anlass bietet, ihm das Vertrauen zu entziehen. Mit dem Spanier im Tor gewann Arsenal alle zehn Pflichtspiele und kassierte gerade einmal vier Gegentreffer. Was würde Lehmann wohl sagen, wenn er nach solch einer Bilanz seinen Stammplatz räumen müsste?

Nicht der erste Fall

Wenger ist – objektiv gesehen – überhaupt nichts vorzuwerfen. Dem Elsässer geht der Erfolg über Emotionen. Und weil das so ist, reagierte er immer gelassen auf alle Anwürfe Lehmanns. „Natürlich hat Jens eine Zukunft bei Arsenal“, sagte er noch am Dienstag. Aber dessen Zukunft dürfte zeitlich eng begrenzt sein. Im November wird Lehmann 38 Jahre alt, und im Sommer läuft sein Vertrag aus. Wie bei allen Arsenal-Profis über 30 war der Kontrakt des Deutschen nur für zwölf Monate verlängert worden. Wenger achtet sehr darauf, Spieler nicht über ihren sportlichen Zenit hinaus an seinen Klub zu binden. Das haben in jüngster Vergangenheit Viera, Ljungberg, Pires und auch Henry erfahren.

Für Wenger, seit elf Jahren bei Arsenal, ist die Personalie Lehmann keine allzu wichtige. Über kurz oder ganz kurz wird der Deutsche das Arsenal-Tor sowieso verlassen. Eine Trennung in der Winterpause wäre die logischste und für alle Seiten vernünftigste Lösung. Und vernünftigen Lösungen standen Wenger und Lehmann schon immer aufgeschlossen gegenüber. Sie sind schließlich keine Blödmänner.

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