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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Fußball-Kommentar Ein Fall von Rückzieher

 ·  Er steht für das vorherrschende Bild von Fußball-Funktionären: die sich mehr für persönliche Vorteile interessieren als um den Fortschritt im Sport. Dennoch bekam Issa Hayatou zwei neue Posten.

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© picture alliance / dpa Am Dienstag hatte er noch zwei Posten, am Mittwoch nicht mehr: Issa Hayatou (l., daneben Joseph Blatter)

Am Dienstag war der Kameruner Issa Hayatou der neue Organisator der olympischen Fußballturniere in London und Leiter des Entwicklungshilfebüros des Internationalen Fußballverbandes (Fifa). Am Mittwoch war er das nicht mehr, von den beiden neuen Posten wollte niemand mehr etwas bei der Fifa wissen. Bösartig betrachtet, stellt diese Peinlichkeit sogar eine Verbesserung dar. Bis vor kurzem wäre es dem Verband niemals eingefallen, eine Personalentscheidung wegen der Öffentlichkeitswirkung zurückzunehmen.

Schon am Dienstag, als sie dem Branchendienst „Around The Rings“ Hayatous neue Spitzenpositionen bestätigte und sie dann auf ihrer Internetseite auch publik machte, wusste die Fifa natürlich, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) derzeit gegen den Fifa-Vizepräsidenten und Präsidenten des afrikanischen Kontinentalverbände wegen Bestechungsvorwürfen ermittelt. Aber den Schluss, den man daraus ziehen muss, erkannte sie erst mit ein paar Stunden Verzögerung.

Nämlich, dass es der Fifa nicht ernst sein kann, mit aller Kraft von innen gegen die Korruption vorzugehen, so wie es Präsident Blatter nach den Skandalen um seine Wiederwahl im vergangenen Juni versprochen hatte. Sondern dass der Verband immer noch auf die alten Fahrensleute seines Systems setzt. Hayatou steht für das vorherrschende Bild von Fußball-Funktionären: die sich mehr für ihre persönlichen Vorteile interessieren als um den Fortschritt im Sport.

Der Rückzieher der Fifa am Mittwochabend war an Unverfrorenheit kaum zu überbieten. Wegen eines technischen Fehlers sei eine interne Ankündigung auf die Homepage geraten. Hayatou sei weder zum Leiter der olympischen Fußballturniere noch zum Nachfolger des wegen nachgewiesener Korruption auf Lebenszeit gesperrten Mohamed Bin Hammam als Vorsitzender des Goal-Büros ernannt worden.

Was heißt das? Dass die Fifa ihren Mitgliedern etwas ankündigt, was nicht stimmt? Dass die Fifa eine IT-Abteilung besitzt, die es zulässt, dass Emails ohne weiteres auf die Homepage geraten können? Dass die Fifa auf Nachfrage (Around the Rings), eine Personalentscheidung bestätigt, obwohl sie nicht getroffen wurde?

Auf keine Frage gibt es eine ehrenvolle Antwort. Und so hat der Internationale Fußballverband wieder einmal bewiesen, welch weiten Weg er noch zurückzulegen hat, bis er den Mindestanforderungen an Transparenz und Glaubwürdigkeit gerecht wird. Dass sich der Verband mit Präsident Blatter an der Spitze wirklich von innen heraus reinigen will, ist noch lange nicht erwiesen – nur dass die Fifa erkannt hat, dass ihr dabei von außen genau auf die Finger geschaut wird.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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