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Fußball-Kommentar Der Traumjob Nationalmannschaft

05.09.2008 ·  Lippi, del Bosque, Hitzfeld, Brückner - viele Fußball-Nationalteams gehen mit neuen Trainern in die WM-Qualifikation. Der Mythos ist inzwischen vielmehr das Amt und weniger der austauschbare Amtsinhaber. Schnell heißt es: der Nächste, bitte.

Von Roland Zorn
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Es gibt keine Großen mehr im Fußball. Zu diesem Schluss mag bei der Europameisterschaft im Juni so mancher Italiener und Franzose gekommen sein, nachdem der Weltmeister und der WM-Zweite von 2006 schon früh im Turnier gescheitert waren. Doch da auch den größten Turnieren nur vergänglicher Zauber innewohnt, können die eben erst tiefenttäuschten Fußball-Majestäten von gestern nach der Devise „Neues Spiel, neues Glück“ von diesem Samstag an zu früherer Klasse zurückfinden.

Die kommende Weltmeisterschaft in Südafrika ist das nächste Reiseziel, zu dem sich die traditionellen und die neuen Fußballmächte des alten Europa ab sofort auf den beschwerlichen Qualifikationsweg machen.

Italien setzt auf Nostalgie - und WM-Coach Lippi

Sieben der 16 EM-Endrundenteilnehmer haben für ihre Unternehmung WM 2010 neue Lotsen gefunden, die allesamt bessere Zeiten verheißen oder die gewohnten Erfolge in Aussicht gestellt haben. Europameister Spanien will mit Vicente del Bosque statt des alten Meistertrainers Luis Aragones weiter Primus bleiben. Italien setzt auf Nostalgie und erhofft sich mit dem Weltmeistercoach Marcello Lippi anstelle des unglücklichen Roberto Donadoni ein goldglänzendes Comeback der Squadra Azzurra.

Die als EM-Mitausrichter schon in den Gruppenspielen gescheiterte Schweiz glaubt an die Magie von Ottmar Hitzfeld, der den altgedienten Jakob Kuhn beerbt hat; Nachbar Österreich, dem es bei der Europameisterschaft als Co-Gastgeber auch nicht besser erging, vertraut dem tschechischen Häuptling Silberlocke, Karel Brückner, dem sein Nationalmannschafts-Assistent Petr Rada gefolgt ist.

Von den Neuen werden Wunderdinge erwartet

Schließlich will der Portugiese Carlos Queiroz mit der Selecão seines Landes mindestens den hohen Standard halten, den der brasilianische Weltmeistertrainer Luiz Felipe Scolari vorgegeben hat. Ähnliches strebt mit den Holländern der aus der Bundesliga wohlbekannte Bert van Marwijk als Nachfolger von Marco van Basten an.

Vor den ersten Punktspielen der neuen Nationalmannschaftssaison werden von den neuen Fußballlehrherren – dazu gehören auch Altbundestrainer Berti Vogts als Übungsleiter in Aserbaidschan und der nimmermüde Italiener Giovanni Trapattoni in irischer Mission – mindestens Wunderdinge erwartet.

Und wenn das Siegen nicht klappt: der Nächste, bitte

Wenn es dann die ersten Niederlagen setzt, dürfen sich deren Möchtegern-Nachfolger schon mal warmlaufen. Nationaltrainer, das ist längst ein schnelllebiges Geschäft, nicht mehr vergleichbar mit der Herberger-Ära. Bundestrainer Joachim Löw, der die Deutschen zur WM führen soll, wäre in Südafrika schon vier Jahre im Amt – eine lange Strecke für heutige Verhältnisse.

Sollte er danach auch im Erfolgsfall etwas anderes vorhaben, es wäre ihm nicht zu verübeln. Der Mythos ist inzwischen das Amt und weniger der austauschbare Amtsinhaber. Das weiß auch der als Weltmeister zurückgetretene und nun zurückgekommene Lippi. Er muss ab sofort wie all seine hochgeschätzten Kollegen gewinnen, gewinnen, gewinnen. Das geht zwar nicht. Doch falls er einmal zu oft verliert, heißt es in Italien wie anderswo mitleidlos: der Nächste, bitte.

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