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Fußball-Kommentar Chance auf besseren HSV

30.04.2010 ·  Nach dem Ausscheiden im Europa-League-Halbfinale steht der HSV mit leeren Händen da. Erstmals seit 2006 ist er nicht im internationalen Geschäft vertreten. Die Misere bietet nun aber auch die Chance für einen Neuanfang mit neuem Coach und aufgefrischter Mannschaft.

Von Frank Heike
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Der Ruud van Nistelrooy, den der Hamburger SV im Januar glaubte, gekauft zu haben, hätte in der zweiten Minute der Nachspielzeit den umjubelten Ausgleich und den HSV ins Finale der Europa League geschossen. Doch der wahre Ruud van Nistelrooy dieser Tage hat sich dem kollektiven Formtief der Kollegen angeschlossen und schoss in der 92. Minute neben das Tor - dahin war die letzte Chance der Hamburger auf den Einzug ins Finale am 12. Mai.

1:2 verlor der HSV am Donnerstagabend im Europa-League-Halbfinale durch die späten Tore von Davies und Gera nach Petrics Führungstreffer aus der 22. Minute beim FC Fulham, einem tapferen, aber auch biederen, durchschnittlichen Gegner aus der englischen Premier League.

Van Nistelrooy hat sich beim HSV bislang unter Wert verkauft, Trainer Bruno Labbadia war doch nicht der Konzepttrainer mit Erfolgshändchen, Zé Roberto tanzte nur im September, der Neun-Millionen-Euro-Schwede Marcus Berg blieb eine einzige Enttäuschung: die vier spektakulärsten Transfers, mit Millioneneinsatz von Vorstand Bernd Hoffmann gestemmt, haben den HSV keinen Schritt weitergebracht, im Gegenteil: Aller Voraussicht nach werden die Hamburger in der nächsten Saison zum ersten Mal seit 2006 ohne internationale Spiele auskommen müssen.

Ein Jahr ohne Europa League ist machbar

Viel schlimmer fühlte sich am bitteren Freitag nach dem Ausscheiden aber die Gegenwart an - dass das Finale im eigenen Wohnzimmer verpasst wurde. „Wir haben in sieben Minuten eine ganze Saison kaputt gemacht“, sagte Horst Becker, der Aufsichtsratsvorsitzende. Irgendwie hatte es dieser HSV mit seinen schwachen Auftritten in der Liga und den besseren im Europapokal aber auch nicht verdient, für seinen überschaubaren Mitteleinsatz noch belohnt zu werden.

Der neue Trainer, der der Zwischenlösung Ricardo Moniz nun bald folgen soll, wird „veränderte Vorzeichen“ vorfinden, wie Hoffmann schon Minuten nach dem Spiel sagte. Das heißt: Der HSV wird nicht jeden Cent sparen müssen, ein Jahr ohne Europa League ist machbar, doch wird die aggressive Einkaufspolitik der letzten Spielzeiten nicht fortgesetzt werden können. Auch dürften die Profis, die mit besseren Angeboten kokettieren wie Zé Roberto oder Boateng, den Verein verlassen. Wie sich van Nistelrooy, Petric, Trochowski oder der verletzte Elia ohne die Aussicht auf Spiele auf europäischer Bühne verhalten, ist noch völlig offen.

Neuanfang ohne Doppelbelastung

Wenn sich Vorstand und Kontrolleure am 10. Mai treffen um die verpatzte Saison aufzuarbeiten, wird es um das Personal für eine Serie gehen, in der der HSV sich ganz auf die Liga konzentrieren kann. Profis mit mehr Biss und Willen müssen her, Spieler, die Gegentore wie den fatalen Ausgleich von Fulham wehrhafter zu verhindern suchen als Demel am Donnerstagabend. Räte-Chef Horst Becker ist ein Hoffmann-Befürworter; daran wird sich nichts ändern. Hoffmann wird auch nicht von sich aus zurücktreten, dafür ist er zu sehr von sich überzeugt und auch zu kämpferisch. Doch der nächste Trainer, der muss passen, und zwar länger als ein Jahr. Sonst hat Hoffmann keine Zukunft als HSV-Chef.

Wenn man es positiv sehen will, sind die Vorzeichen nach dieser peinlichen Saison mit dem Tiefschlag von Fulham gar nicht so schlecht: Ein Neuanfang mit einem neuen Coach und einer aufgefrischten Mannschaft um Rost, Mathijsen, Jansen und Petric ohne die Belastung von Donnerstagspielen, vielleicht ist das die Konstellation für einen besseren HSV als in den vergangenen fünf Jahren.

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