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Donnerstag, 23. Februar 2012
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Fußball-Kommentar Blatters Retourkutsche

24.01.2012 ·  Blatters Tritt vors Schienbein - Olympia sei wegen der Kritik der Bayern an der WM in Südafrika nicht nach München gegangen - zeigt nur eins: Wie zerrüttet das Verhältnis zwischen ihm und den Spitzenklubs ist.

Von Peter Heß
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© REUTERS „Ich verrate Ihnen jetzt etwas“: Blatter teilt aus

Genüsslich setzte Joseph Blatter im Interview mit dem „Kicker" an: „Ich verrate Ihnen jetzt etwas . . ." Das sei nur erwähnt, um auch dem letzten zu versichern: Dem Präsidenten des internationalen Fußballverbandes (Fifa) ist nicht irgendwie etwas herausgerutscht oder durch hartnäckiges Nachfragen aus den Rippen geleiert worden. Sein Vorwurf an Uli Hoeneß, seinetwegen sei die Münchner Olympiabewerbung für 2018 gescheitert, geschah aus voller Überlegung heraus. Der Schweizer hatte einfach eine Gelegenheit gefunden, nach vielen Schrammen, die er von Münchnern erhalten hat, auch dem Bayern-Präsidenten wieder einmal vors Schienbein zu treten.

Und so führte er aus: Weil Hoeneß die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika schlechtgeredet habe, "dass es kaum mehr zu steigern war", habe München bei der Wahl des Austragungsortes von keinem einzigen der zwölf afrikanischen Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) eine Stimme erhalten. Das sei Blatter von Issa Hayatou, dem Präsidenten des afrikanischen Fußballkontinentalverbandes und gleichzeitigen IOC-Mitglied, versichert worden.

Das kann gut stimmen, muss aber nicht. Vor allem interessiert es kaum noch jemanden, in Deutschland steht das Sportthema Winterspiele 2018 weit hinten auf der Agenda. Aber Blatters Retourkutsche zeigt, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen ihm und den Spitzenklubs und ganz besonders Bayern München ist.

Präsident Hoeneß und Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge (in seiner Eigenschaft als Präsident der europäischen Spitzenklubs) tun sich seit Jahren als scharfe Kritiker der Machenschaften im Weltverband hervor, für die sie - nicht abwegig - den Präsidenten verantwortlich machen.

Mit neuen Leuten wäre es leichter

Dabei geht es ihnen nicht vordringlich um Themen wie Bestechung, Bestechlichkeit, Untreue und undurchschaubare Machtstrukturen, die die Öffentlichkeit besonders interessieren, sondern um Dinge, die die Klubs direkt betreffen: Terminkoordination zwischen dem Klub- und Nationalmannschaftsfußball oder Abstellungsprämien für Spieler bei Weltmeisterschaften.

Erreicht haben sie noch nicht allzu viel, aus ihrer Sicht so gut wie nichts. Den Klubs fehlt es einfach an direkten Einflussmöglichkeiten, in der Fifa sind nur die Nationalverbände repräsentiert. Blieb in der Vergangenheit nur der indirekte Weg, über Lobbyarbeit, Schmeicheleien, Appelle an die Vernunft oder Solidarität.

Das alles verpuffte schon vor Jahren, längst sind Hoeneß und Rummenigge auf Konfrontations-, man kann sagen Kollisionskurs gegangen. Kaum ein Monat vergeht, dass sie ihn nicht zum Rücktritt aufforderten oder ihn beleidigten, wie zuletzt Rummenigge durch den Vergleich Blatters mit einem Aal. Dass der Fifa-Präsident dann mal zurücktritt, kann niemanden überraschen. Besser macht es das nicht. Und so kommt man auch in diesem Fall zur Erkenntnis: Mit neuen Leuten wäre ein Neuanfang in der Fifa leichter.

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