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Fußball-Kommentar Beschämender Sommer

22.07.2010 ·  DFB-Präsident Theo Zwanziger hat es nicht einfach. Doch er soll froh sein. Gern würden benachbarte Funktionäre mit ihm tauschen! Die Franzosen sind mitten in einem beschämenden Fußball-Sommer. Hoffentlich ist Ribérys Einfluss auf die Bayern nicht allzu groß. „Les Bleus“ mutiert zum Schimpfwort.

Von Peter Heß
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Wieso hat Theo Zwanziger nur so traurig geschaut? Der Anlass war doch so erfreulich. Da konnte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Dienstag in Frankfurt dem Wunsch eines ganzen Volkes nachkommen und die Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw präsentieren, und alles, was ihm während der Pressekonferenz an positiver Körpersprache gelang, war - dann und wann - ein verkrampft-tapferes Lächeln.

Natürlich hat es Zwanziger schwer. Die Spannungen zwischen Sportdirektor Sammer und Nationalmannschafts-Manager Bierhoff werden sich nach der neuerlichen Unterschrift nicht in Luft auflösen und der Präsident weiter als Feuerwehrmann gebraucht werden. Auch die Kritik an seiner Haltung im Schiedsrichterskandal wird ihn noch einige Zeit begleiten. Die Auseinandersetzung Amerell/Kempter ist noch nicht endgültig geklärt.

An der Einschätzung, dass Zwanziger zu früh und zu blauäugig Kempters Darstellung gefolgt ist, wird sich jedoch nichts mehr ändern. Und auch den Vorwurf der Larmoyanz muss er ertragen, nachdem der DFB-Präsident gerade erst am vergangenen Sonntag wieder einmal mit seinem Rücktritt kokettiert hat.

„Les Bleus“ mutiert von einer Liebkosung zum Schimpfwort

Wie gerne würden die Spitzenfunktionäre des französischen Fußballverbandes mit ihm tauschen. Wie sehr würden sie Zwanzigers Ansehen genießen, wie gerne würden sie sich mit dessen Petitessen herumschlagen. Die Entscheidung von Untersuchungsrichter Andre-Yves Dando, ein Anklageverfahren wegen Unzucht mit einer Minderjährigen gegen die Nationalspieler Franck Ribéry und Karim Benzema zu eröffnen, war der letzte Höhepunkt eines beschämenden französischen Fußball-Jahres.

Nur zur Erinnerung: Henry erschwindelt mit einem Handspiel die WM-Qualifikation, eine Polizeiermittlung in einem Nachtclub bringt an den Tag, dass einige Nationalspieler Kontakte mit Callgirls haben, (woraus das Anklageverfahren gegen Ribery und Benzema entsprang), Gallas beschwert sich öffentlich, nicht Mannschaftskapitän geworden zu sein, Mittelfeldspieler Gourcuff wird aus dem Team gemobbt, Trainer Raymond Domenech durch fortwährende Kritik demontiert und dann durch den Stürmer Anelka schwerstens beleidigt.

Auf dessen Suspendierung reagiert die Mannschaft trotzig mit Streik, dann kommt die Politik ins Spiel. Staatspräsident Sarkozy und seine Sportministerin bestellen Trainer und Spieler zum Rapport, weil es der Verband nicht schafft, für Ordnung zu sorgen.

Da kann keinem französischen Fußballfunktionär mehr der Champagner schmecken. „Les Bleus“ mutierte von einer Liebkosung zum Schimpfwort. Und ganz nebenbei pulverisierte Ribéry auch noch die Legende vom vollendeten französischen Liebhaber. Der Fußball der Grande Nation, der Ort, an dem Dekadenz und Inkompetenz zusammentreffen. Hoffentlich ist Ribérys Einfluss auf die Bayern nicht allzu groß.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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