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Fußball-Kommentar Bayrische Wundertüte

26.02.2009 ·  Der FC Bayern München ist unter seinem neuen Cheftrainer Jürgen Klinsmann zu einer Art Fußball-Wundertüte geworden: Es steckt viel in ihr drin, aber manchmal kommt nur wenig raus.

Von Roland Zorn
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5:1 in Stuttgart, 0:1 in Hamburg, 3:1 gegen Dortmund, 1:2 in Berlin, 1:2 gegen Köln, 5:0 in Lissabon – der FC Bayern München ist die unberechenbare Übergröße im deutschen Vereinsfußball. Gefürchtet in Europa ob seiner nahezu makellosen Erfolgsgeschichte in der Champions League – und daheim ein Rätsel wegen seiner Anfälligkeit im Bundesliga-Alltag. Der zu Ottmar Hitzfelds Zeiten vor allem konstante, aber selten aufregende Serienmeister ist unter seinem neuen Cheftrainer Jürgen Klinsmann zu einer Art Fußball-Wundertüte geworden. Viel steckt in ihr drin, aber manchmal kommt nur wenig raus. Die Diskrepanz zwischen nationaler und internationaler Konkurrenz erklärt sich Klinsmann so: „In der Champions League werden wir angegriffen, in der Bundesliga nicht. Das ist ein großer Unterschied.“

Neue Münchner Geschlossenheit

Tatsächlich klappen die europäischen Herausforderer der Bayern ihr Visier schneller hoch, wenn sie zur Güteklasse B wie etwa Steaua Bukarest in der Gruppenphase oder der Achtelfinalgegner Sporting Lissabon gehören. Diese Teams erwecken den Eindruck, die Münchner nicht gründlich genug analysiert oder sich in ihren eigenen Möglichkeiten überschätzt zu haben. Die Rivalen aus heimischen Gefilden aber wissen genau, wie sie dem Meister sein Spiel verderben können, und spekulieren manchmal mit Erfolg auf dessen Momente des Frusts und der Unachtsamkeit. In Lissabon haben sich die Bayern nicht nur ihres 5:0-Triumphs über einen letztlich schmalbrüstigen Widersacher erfreut, sie haben sich mit neuer Geschlossenheit auf die Hausaufgaben in der Bundesliga präpariert.

Vielleicht wiegt die zurückeroberte Ausgewogenheit in den Mannschaftsteilen, wie sie in der Begegnung mit Sporting offenbar wurde, am Ende schwerer als der achtunggebietende Tageserfolg auf dem Weg ins Viertelfinale der Champions League. Denn erstmals seit dem November des Vorjahres – damals gab es ein 2:0 in Leverkusen – stand auch bei den Bayern wieder die Null, was zu früheren Zeiten eher die Regel denn die Ausnahme war. Zwar steht die Verstetigung von Zu-null-Spielen noch aus, doch war in Lissabon zumindest ein Lernprozess erkennbar. Klinsmann, wie bei der Nationalmannschaft mit einem Projekt angetreten, das zunächst wenig Raum für reines Ergebnisdenken bot, scheint den Blick wieder frei zu haben für das Nötige, um erfolgreich zu sein.

Fitness allein ist kein konstitutiver Wert für eine wertbeständige Erfolgsgeschichte in diesem Sport, Powerfußball nur dann möglich, wenn eine stabile Abwehr als Kraftspender hinter der Offensive steht. Klinsmann ist, das hat auch die Vergangenheit in der Nationalmannschaft und in seinen ersten Trainermonaten beim FC Bayern gezeigt, lernfähig.

Ein neues Aufbruchsignal auf dem Weg zur Titelverteidigung?

Er hat als Bundestrainer von einem auf zwei defensive Mittelfeldspieler umgestellt und damit Erfolg gehabt, er hat den Rat der Münchner Vereinsoberen erhört, nicht mehr wie zu Saisonbeginn ständig Personal und Spielsysteme zu wechseln, und er wird nun auch die Neujustierung im Zusammenspiel von Abwehr und Angriff hinzubekommen versuchen. Dafür sind sein Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen zu groß – gerade dann, wenn er aus krisenhaften Zeiten herausfinden muss. Deshalb könnte das Fanal von Lissabon auch ein neues Aufbruchsignal auf dem Weg zur Verteidigung der deutschen Fußball-Meisterschaft gewesen sein. Muss aber nicht, wie die 5:1-Pokalgala in Stuttgart mit anschließender Niederlagenserie in der Bundesliga gezeigt hat.

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