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Fußball-Kommentar Alles prima in Nordkorea

26.08.2010 ·  Ein Tribunal mit 400 Teilnehmern, der Trainer wegen „Verrats“ in Gefahr - die Meldungen über die Reaktion des nordkoreanischen Regimes auf die WM-Auftritte seiner Fußballspieler waren besorgniserregend. Alles in Ordnung, teilt jetzt die Fifa mit - und zeigt sich politisch blind wie eh und je.

Von Michael Horeni
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Auch wenn es sich beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) um eine einflussreiche Organisation handelt, kann man von den Herren des Fußballs kaum erwarten, dass sie sich ein realistisches Bild von den Zuständen in Nordkorea machen können. Mit ihren 208 Mitgliedern gehören der Fifa zwar mehr Staaten als den Vereinten Nationen an, aber mehr als eine Anfrage um Stellungnahme beim nordkoreanischen Verband zu den Vorwürfen westlicher Medien, wonach sich das Team nach der Rückkehr von der WM einem sechsstündigen Tribunal mit 400 Teilnehmern unterziehen musste und sich Trainer Kim Jong-hun wegen „Verrats“ in Gefahr befände, war nicht drin. Denn selbst wenn Blatter höchstpersönlich in Pjöngjang klingelte – Kim Jong-il macht nicht auf.

Also wurde ein Brief nach Nordkorea geschickt, der nicht sonderlich überraschend beantwortet wurde: Alle Mitglieder der Nationalmannschaft trainierten wie gewöhnlich, und das Team werde an den Asien-Spielen teilnehmen. Sanktionen gegen den Trainer wegen des 1:2 gegen Brasilien, des 0:7 gegen Portugal und des 0:3 gegen die Elfenbeinküste habe es nicht gegeben. Entsprechende Berichte entbehrten jeder Grundlage. Auch die Wahl des Verbandspräsidenten habe gemäß den Statuten stattgefunden und sei keinesfalls von den WM-Ergebnissen beeinflusst worden. So weit, so erwartbar.

Aber anstatt die Grenzen des eigenen Einflusses und Wissens im Umgang mit einer kommunistischen Diktatur anzuerkennen, und in dem Schreiben nichts weiter als eine protokollarische Notwendigkeit ohne Wahrheitsanspruch anzusehen, hat die Fifa die Post aus Pjöngjang umgehend testiert. „Angesichts der vorliegenden Informationen und nach einer eingehenden Prüfung ihrer Quellen entschied die Fifa, diese Angelegenheit abzuschließen“, erklärte der Verband.

Da würde man dann doch ganz gerne wissen, um welche Quellen es sich handelt – und wie man sich eine solche Prüfung vorstellen darf. Wenn die Fifa tatsächlich einen Weg gefunden hat, Vorgänge im Beton-Kommunismus zu überprüfen, dann würden sich für diese Meisterleistung ganz bestimmt auch Obama und Ban Ki-moon interessieren.

Klägliches Zeichen politischer Blindheit

Dass die Fifa die Sicht Nordkoreas übernimmt, gehört zur politischen Tradition eines Verbandes im Umgang mit Vorwürfen gegen Diktaturen und Unrechtsregimen. In den sechziger Jahren wurde der weiße Verband Südafrikas zwar vorübergehend suspendiert, weil die nicht-rassistische Gegenorganisation rund doppelt so viele Mitglieder hatte. Doch zwei Jahre später nach dem Besuch einer Fifa-Delegation unter Führung des damaligen Präsidenten wurde der Bann aufgehoben. Wenn Südafrika Rassentrennung im Fußball praktiziere, sei das Sache des Landes, nicht der Fifa, hieß es.

Ende der neunziger Jahre wurde die Fifa mit Hinweisen auf Folterungen von Spielern im Irak unter Saddam Hussein nach einer Niederlage gegen Kasachstan konfrontiert. Die Untersuchungskommission aber konnte die Vorwürfe bei einem Besuch in Bagdad nicht bestätigen. Die Vorwürfe der Folterungen im Fußball aber kehrten wieder – ohne Konsequenzen. Aus ihren Erfahrungen mit Diktaturen lernt die Fifa nicht. Nordkoreas billige Erklärung ohne Zweifel anzuerkennen ist klägliches Zeichen einer politischen Blindheit, die nicht verschwinden will.

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