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Fußball : Kölmels Comeback - eine böse Überraschung

Sorgt für Verunsicherung: Michael Kölmel Bild: dpa

Nachdem die Insolvenz gegen seine Sportwelt Beteiligungs-GmbH aufgehoben wurde, bringen die Millionenforderungen des Medienunternehmers Michael Kölmel einige Profiklubs im deutschen Fußball in Bedrängnis.

          Die Rückkehr des Medienunternehmers Michael Kölmel ins Fußballgeschäft sorgt für beträchtlichen Wirbel. Nachdem die Insolvenz gegen seine Sportwelt Beteiligungs-GmbH aufgehoben worden war, könnten auf einige Profiklubs erhebliche finanzielle Belastungen zukommen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          "Wir haben zwei, drei streitige Forderungen", sagt Bianca Krippendorf von der Sportwelt. In einem Fall, dem von Dynamo Dresden, scheint der Streit zu eskalieren. Der verschuldete Zweitligaaufsteiger weigert sich, die aus seiner Sicht unberechtigte Millionenforderung anzuerkennen. Aber da ist nicht nur Dresden: Die neue Gemengelage könnte andere Profiklubs in die Bredouille bringen. Zudem erschwert ein Konglomerat von gemeinsamen Spielbetriebs- oder Werbegesellschaften (zwischen Sportwelt und Vereinen) die Aufklärungsarbeit.

          DFL sorgt sich um Existenz von Klubs

          Die Deutsche Fußball Liga (DFL), die sich zum Ende des Jahres auf die Lizenzierung ihrer Profivereine für das nächste Spieljahr vorbereitet, fürchtet um die Existenz der betroffenen Klubs. "Nachdem uns von einigen Vereinen die Situation dargestellt worden ist, würden wir gerne in einem direkten Gespräch mit Herrn Kölmel die Unsicherheiten auf dem Markt ausräumen", sagt DFL-Geschäftsführer Christian Müller.

          Mit ihrer Filmhandelsgesellschaft Kinowelt gehörten die Kölmel-Brüder Michael und Rainer einst zu den Aufsteigern am Neuen Markt. Doch die Firma übernahm sich mit einem überteuerten Filmpaket aus Hollywood, die Folge war die Insolvenz der Kinowelt im Jahr 2001 und später auch der Sportwelt von Michael Kölmel.

          Der Volkswirt und Mathematiker hatte die Fußballvermarktungsagentur 1998 gegründet, damals mehr als ein Dutzend marode Traditionsvereine wie Dynamo Dresden, Fortuna Düsseldorf, Eintracht Braunschweig oder Carl-Zeiss Jena mit Darlehenszahlungen unterstützt und darauf spekuliert, später beim geplanten sportlichen Aufstieg über Beteiligungen an Fernseh- und Vermarktungsrechten eine lukrative Rendite zu erzielen. Doch Mißmanagement auf allen Seiten und der rasante Werteverfall der TV-Rechte im Fußball machten ihm einen Strich durch die Rechnung.

          Dynamo Dresden soll fünf Millionen zahlen

          Nun - mit Aufhebung der Insolvenz - pocht die Sportwelt auf Weiterführung der ursprünglichen Vereinbarungen. Womöglich hatte der eine oder andere Verein nicht mehr damit gerechnet. Im Fall von Dynamo Dresden türmt sich eine beängstigend hohe Summe auf: mehr als fünf Millionen Euro an Darlehensrückzahlungsansprüchen gegen den Verein und die gemeinsam betriebene Sportwerbegesellschaft, dazu der Anspruch auf den Anteil der seit dem Jahr 2000 erzielten TV-Einnahmen in Höhe von 2,3 Millionen Euro.

          Beim Zweitligaklub sieht man das anders. Weder Verbindlichkeiten noch andere Zahlungen seien zu leisten, heißt es in einem Kommunique der Sachsen, für das Darlehen bestünde eine "unbefristete Rangrücktrittserklärung".

          Meinung steht gegen Meinung. Würde sich die Sportwelt am Ende durchsetzen, könnte das den betroffenen Klubs im nächsten Frühjahr die Lizenzierung durch die DFL kosten. Bianca Krippendorf bestätigt, daß die Sportwelt auch von Alemannia Aachen und Rot-Weiß Essen "Millionenbeträge" einfordere. Vom Essener Vorstandsmitglied, dem Sportrechtler Markus Buchberger, ist zu hören: "Rückzahlungsansprüche bestehen erst, wenn der Verein Gewinne macht." Bei Alemannia Aachen, das seine TV-Rechte im Uefa-Pokal über den Verein und nicht die mit der Sportwelt einst begründete "Sportwerbegesellschaft" vermarktet, sieht man ebenfalls "keinen Handlungsbedarf", so Geschäftsführer Bernd Maas. Wie sicher sich die Vereine sein können, wird womöglich erst ein Rechtsstreit erweisen. Allerdings, in juristischen Auseinandersetzungen kann die Sportwelt Erfolge vorweisen (Borussia Mönchengladbach, SSV Ulm). Insider bescheinigen den Klubs deshalb "Blauäugigkeit".

          Weiterer Brennpunkt: WM-Stadion in Leipzig

          So weit will es die Liga erst gar nicht kommen lassen. "Herrn Kölmel kann nicht daran gelegen sein, die Konflikte öffentlichkeitswirksam auszutragen", sagt Müller. Doch hier und da ist zu vernehmen, daß der Unternehmer seine Sportwelt gar nicht mehr aufleben lassen, sondern auf Kosten der Vereine so schnell wie möglich abwickeln wolle. Dazu seine Vertreterin Bianca Krippendorf: "Nach derzeitigem Stand will die Sportwelt das operative Geschäft wiederaufnehmen und sich auf die Vermarktung von TV-Rechten im Fußball konzentrieren."

          Aber nicht genug der Brennpunkte: Auch über das neue WM-Stadion in Leipzig, das einer Kölmel-eigenen Immobiliengesellschaft zu hundert Prozent gehört, ist ein Streit entbrannt. Mit der Stadt gibt es noch keine gütliche Einigung über die Verteilung der Mehrkosten von 25 Millionen Euro. Deshalb sind die letzten vom Internationalen Fußball-Verband eingeforderten Baumaßnahmen ins Stocken geraten. Auch woanders könnte Kölmels plötzliches Comeback noch für böse Überraschungen sorgen.

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