Home
http://www.faz.net/-gtm-px25
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fußball Klinsmann schwört Spieler auf die WM ein

22.03.2005 ·  Der Konkurrenzkampf ist eröffnet: Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat vor dem Testspiel gegen Slowenien einen harten Verdrängungswettbewerb um die 23 WM-Plätze angekündigt.

Artikel Bilder (12) Lesermeinungen (0)

Rund 15 Monate vor ihrem Auftritt beim Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft hat für die deutsche Nationalmannschaft endgültig das „Unternehmen Titelgewinn“ begonnen. In einer Grundsatzrede schwor Jürgen Klinsmann am Montag abend eine erweiterten Auswahl von 36 Spielern mit Nachdruck auf das große Ziel ein.

Im 21. Stock des Hotels Interconti in Frankfurt machte der Bundestrainer Mannschaft und Betreuerstab klar, was bis zum 9. Juni 2006 zu tun ist, „damit wir die Zielvorgabe, hoffentlich Weltmeister zu werden, erreichen können“.

„Der Titel ist möglich“

Knapp eine Stunde lang erläuterten Klinsmann, sein Assistent Joachim Löw, Torwarttrainer Andy Köpke und Manager Oliver Bierhoff mit Power-Point-Präsentationen und Video-Sequenzen die „Bausteine“, die das Fundament für den Titelgewinn bilden sollen. „Wir wollten die Mannschaft einstimmen. Wir wollten ihr verdeutlichen, warum wir diese Zielvorgabe haben und worauf sich das begründet“, berichtete der Bundestrainer.

Seine eigene Schlußfolgerung: Der WM-Titel ist möglich, weil „die Mannschaft das Potential hat“. Er erklärte aber auch: „Ein Rad muß ins andere greifen“.

Fitnesstests

Als ersten Schritt auf dem langen Weg ins Endspiel am 9. Juli 2006 beraumte Klinsmann vor dem Länderspiel am Samstag in Celje gegen Slowenien (20 Uhr im ZDF und im FAZ.NET-Liveticker) deshalb zweitägige Fitnesstests am Frankfurter Riederwald an. Der Bundestrainer möchte wissen, welche körperlichen Grundvoraussetzungen seine Auserwählten für die nächsten Monate mitbringen, ob sie bei der WM in der Lage sein werden, seine Vorstellungen von Tempofußball über 90 oder auch 120 Minuten in die Tat umzusetzen:

„Die Mannschaft hat schon vieles aufgebaut, aber es kommt noch viel Arbeit auf uns zu.“ Zugleich hat Klinsmann den Konkurrenzkampf um die 23 Plätze im WM-Kader für eröffnet erklärt. Inklusive Dietmar Hamann, der wegen eines Innenbandanrisses am Montag abend nicht erscheinen konnte, hat der Bundestrainer sich nun 37 Spieler ausgeguckt, die sich für die hohe Aufgabe empfehlen sollen.

Das Schicksal in der Hand

Alle, so Klinsmann, hätten von nun an ihr Schicksal selbst in der Hand: „Jeder muß mit der Überzeugung in die nächsten Monate gehen, daß er 2006 dabei ist. Jeder wird seine Höhen und Tiefen haben, aber jeder hat die Möglichkeit, sich in die Mannschaft zu bringen.“

So darf sich auch ein Rückkehrer wie Markus Babbel Hoffnungen machen. Die Philosophie von Klinsmann hatte der Stuttgarter, der sein bisher letztes von 51 Länderspielen bei der Euro 2000 bestritt, bereits am Tag nach dessen Grundsatzrede verinnerlicht. „Es ist eine große Ehre und auch ein großer Erfolg, daß ich wieder dabei bin“, sagte der 32 Jahre Abwehrspieler. Doch damit will er sich nicht zufrieden geben: „Es ist nur ein Teilerfolg. Ich bin ehrgeizig, ich werde um diesen Platz kämpfen.“

Gerangel um 23 Plätze

Klinsmann hört so etwas gerne und sagt dennoch: „Ob er in den engeren Kreis kommt, liegt an ihm.“ Geht es nach dem Bundestrainer, werden seine WM-Kandidaten sich nach seiner Grundsatzrede und dem Startschuß zum Gerangel um die 23 WM-Plätze in den nächsten Monaten wohl förmlich zerreißen, um 2006 im eigenen Land dabei zu sein.

„Wir haben den Spielern deutlich gemacht, daß sie jetzt selbstverantwortlich sind für die nächsten Schritte. Die Initialzündung muß nun von den Spielen selbst kommen. Wir haben ihnen gesagt: Wir haben euch die Türe aufgemacht, aber ihr müßt selbst durchgehen.“ Klinsmann wünscht sich von jedem Spieler, „daß er mehr aus sich herauskitzelt“.

Charakterlich reifen

Die Grundlagen dafür wollen der Bundestrainer und sein Stab schaffen. „Es ist enorm wichtig, daß die Spieler wissen, daß wir ihre Helfer sind und sie mitformen für den weiteren Verlauf ihrer Karriere. Wir werden in den nächsten Monaten viel arbeiten im Bereich Tempo, Schnelligkeit, mentale Stärke.“ Darüber hinaus will Klinsmann ein Augenmerk „auf die Persönlichkeitsentwicklung auf dem Platz und außerhalb“ richten, schließlich müsse die WM-Mannschaft „auch charakterlich“ zusammenpassen.

Damit es auch keiner vergißt, hat er seinen Vortrag auch als CD-Rom verteilt. Fehlt zur uneingeschränkten Konzentration auf die kommenden Monate noch die Einigung bei den Prämienverhandlungen.

Prämienverhandlungen

Am Mittwoch wollen DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt ein zweites Mal mit dem Mannschaftsrat verhandeln: Die Funktionäre bieten bis zu 250.000 Euro für den WM-Titel, 50.000 Euro mehr wollen die Spieler.

„Die Nationalmannschaft ist der größte Geldgeber des deutschen Fußballs, deshalb sollten die Spieler ihren Anteil bekommen“, sagt Klinsmann, ist in erster Linie aber „happy, daß man so früh darüber redet“. Für Babbel ist diese Diskussion eher nebensächlich. „Das größte Geschenk, das man als Fußballer erreichen kann, ist, diesen Pokal hochzuhalten.“

Auch der Bundestrainer wird am Mittwoch beim Treffen mit der DFB-Spitze seine Forderungen für die WM und darüber hinaus deutlich machen. Dabei geht es auch wieder um Berti Vogts, der nach Klinsmanns Willen Technischer Direktor werden soll. „Berti würde diese Position optimal besetzen“, erklärte Klinsmann, der davon ausgeht, daß man nach dem Confederations Cup im kommenden Juni eine Lösung finden wird.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche

Ein Renner

Von Michael Wittershagen, Monte Carlo

Mit 43 Jahren beschleunigt Michael Schumacher noch einmal - sich und andere. Doch die Maschine zeigt ihm immer wieder Grenzen auf. Die Führung des Teams steht nun in der Verantwortung. Mehr

Ergebnisse, Tabellen und Statistik