Home
http://www.faz.net/-gtl-79mxs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Fußball Keine Lizenz für Kickers Offenbach

Den Offenbacher Kickers wird die Lizenz für die 3. Liga verweigert. Nun droht der Sturz ins Bodenlose. Allerdings will der Traditionsverein weiterkämpfen und das Ständige Schiedsgericht anrufen.

© picture alliance / dpa Dem Untergang geweiht: Offenbacher Kickers

Der Traditionsklub Kickers Offenbach steht vor dem endgültigen Aus. Der mit 9,1 Millionen Euro verschuldete Fußball-Drittligaverein bekommt trotz eines umfangreichen Sanierungsprogramms keine Lizenz für die kommende Saison, gab der Zulassungs-Beschwerdeausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Montag in Frankfurt am Main nach mehrstündiger Sitzung bekannt.

Zwar kündigten die Kickers umgehend an, weiterzukämpfen und das Ständige Schiedsgericht anrufen zu wollen. Sollte jedoch auch dieses Gremium den Beschluss bestätigen, droht dem Verein sogar die Insolvenz. „Das ist ein bitterer Tag für den OFC. Unsere Anstrengungen haben leider nicht zum Erfolg geführt“, erklärte Präsident Frank Ruhl betrübt. Geschäftsführer David Fischer gab sich direkt nach der Urteilsverkündung durch den Ausschuss-Vorsitzenden Rainer Koch aber weiter kämpferisch. „Da wir der festen Überzeugung sind, alle Lizenz-Auflagen zu erfüllen, werden wir nun die nächste höhere Instanz, das DFB-Schiedsgericht, ersuchen, den Sachverhalt neu zu beurteilen.“

Mehr zum Thema

Vor dem OFC war bereits dem Zweitligaklub MSV Duisburg die Lizenz für die kommende Spielzeit verweigert worden. Auch die Rheinländer haben angekündigt, das Schiedsgericht anrufen zu wollen. Sollten die Offenbacher auch in nächster Instanz scheitern, würde ausgerechnet der hessische Rivale SV Darmstadt 98 in der 3. Liga bleiben.

Nach Aussage von Koch haben die Offenbacher die wirtschaftlichen Bedingungen bis zum 28. Mai nicht erfüllt. „Insbesondere wurde eine geforderte Liquiditätsreserve in Höhe von zwei Millionen Euro weder als Guthaben auf einem Bankkonto des DFB eingezahlt noch eine unwiderrufliche Zahlungsgarantie unter Ausschluss jeglicher Einwendungen und Einreden durch eine Bank zu Gunsten des DFB vorgelegt“, erklärte der DFB-Vizepräsident.

Sparda-Bank-Hessen-Stadion in Offenbach © picture alliance / dpa Vergrößern „Der Berg bebt“: Aber wie lange noch?

Beim OFC sehen sie den Sachverhalt deutlich anders. Mehr als zwei Stunden lang hatten Ruhl und Fischer versucht, den zehnköpfigen Zulassungs-Beschwerdeausschuss zu überzeugen. Doch am Ende waren alle Mühen vergebens. Zumindest vorerst. Denn noch sei der Verein nicht am Ende, erklärte Ruhl. „Nach Zugang der offiziellen schriftlichen Ablehnung werden wir das Schiedsgericht des DFB kontaktieren, da für uns eindeutig feststeht, dass unsere Unterlagen sowie die geleistete Arbeit der vergangenen Wochen den Anforderungen des DFB entsprechen“, versuchte Fischer, den Fans Mut zu machen.

Insolvenz wäre wahrscheinlich

Die Anhänger hatten vor dem Internet mitgefiebert, die OFC-Homepage brach unter der großen Nachfrage phasenweise zusammen. In der schweren Stunde machten die Offenbacher Verantwortlichen noch einmal deutlich, wen sie für die Misere verantwortlich machen. „Eklatante, historische Managementfehler haben zu einer sehr ernsten Schieflage des Vereins geführt“, sagte Fischer und meinte damit in erster Linie die frühere Führung um Geschäftsführer Thomas Kalt.

Für den Fall, dass der DFB bei seiner Lizenzverweigerung bleibt, wäre der umfangreiche Sanierungsplan hinfällig. Die Vereinbarungen mit Gläubigern über den Forderungsverzicht in Höhe von über drei Millionen Euro und die Stundung der Stadionmiete durch die Stadt Offenbach wären nicht mehr gültig. Das Konsolidierungskonzept wäre somit gescheitert und der Gang in die Insolvenz wahrscheinlich, auch wenn die Offenbacher eine Lizenz für die Regionalliga beantragt haben.

Quelle: dpa

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Saisonauftakt in München Der Frauenfußball rüstet auf

Vor dem Start in die 26. Spielzeit befindet sich die Frauen-Bundesliga in einem Umbruch: Immer mehr Männerklubs entdecken den Frauenfußball - und bringen mehr Geld in die Liga. Für die Traditionsvereine wird es schwer. Mehr Von Sebastian Koch

28.08.2015, 10:47 Uhr | Sport
Der letzte Aalfischer Fischer Hell fischt für die Forschung

Der niederrheinische Aal gilt als ungenießbar. Den Hells macht das nichts aus, seit 300 Jahren jagen und essen sie den mysteriösen Fisch. Mehr

14.08.2015, 14:47 Uhr | Gesellschaft
Gabriel-Besuch in Heidenau SPD von Hass-Mails überflutet

Mit dem Besuch von Sigmar Gabriel in der Flüchtlingsunterkunft in Heidenau hat die SPD den Hass von Rassisten auf sich gezogen. Das Willy-Brandt-Haus spricht von einem rechtsradikalen Mob, der die Parteizentrale mit Anrufen und E-Mails überschwemme. Mehr

25.08.2015, 15:53 Uhr | Politik
Australien Fischer fangen 3500 Kilo schweren Riesenhai

Fischern in Australien gelang es, einen Riesenhai zu fangen. Riesenhaie können bis zu 12 Meter lang werden und ernähren sich von Plankton und Quallen. Mehr

24.06.2015, 16:35 Uhr | Gesellschaft
Gabriels Besuch in Heidenau Bombendrohung und Hass-Mails

Seit dem Besuch Sigmar Gabriels in Heidenau werden Mitarbeiter und Politiker der SPD in Mails und Anrufen beleidigt, beschimpft und bedroht. Am Nachmittag sorgte eine Bombendrohung gegen die Parteizentrale für Aufregung. Mehr

25.08.2015, 16:56 Uhr | Politik

Veröffentlicht: 03.06.2013, 16:27 Uhr

Das Sportgericht sollte sprechen

Von Michael Reinsch

Leichtathleten mit Prothesen dürfen nur noch außerhalb der Wertung starten – oder sie beweisen selbst, dass sie keinen Vorteil haben. Diese neue Regel ist eine Breitseite gegen Inklusion. Mehr 1 2