Von den Fans angehimmelt, von den Medien gar mit einem Heiligenschein versehen: Bernd Schuster hat mit seinem FC Getafe Fußball-Geschichte geschrieben und greift nun nach seinem ersten Titel als Trainer. Mit einem sensationellen 4:0 über Meister FC Barcelona zog der bescheidene Madrider Vorstadtklub erstmals seit seiner Gründung 1983 ins Finale des spanischen Pokals ein. Dort trifft er am 23. Juni auf den FC Sevilla.
Entgegen allen Prognosen schaffte es das Team des 47-jährigen Augsburgers am Donnerstagabend, im Halbfinal-Rückspiel in Madrid die 2:5-Niederlage aus der ersten Begegnung wettzumachen. „Dies ist der glücklichste Tag in meiner Trainerlaufbahn“, freute sich Schuster, der am Freitag in der Presse gar als „Der Heilige Bernd“ (San Bernardo) gefeiert wurde.
Frech und respektlos
„Er hat ein Wunder vollbracht“, meinte passend dazu Getafe-Präsident Ángel Torres. Zumal der Club auch auf eine Teilnahme am Uefa-Pokal hoffen kann, falls der FC Sevilla es bis in die Champions League schafft. Allerdings weiß Torres auch, dass Schuster mit der Pokal-Sensation seine beste Empfehlung an die großen Vereine abgegeben hat. Bei Real Madrid gilt er seit langem als Favorit für die Nachfolge von Fabio Capello. „Wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, dass er geht“, ergänzte der Klubchef. „Schuster, bleib!“, skandierten indes tausende Getafe-Fans, die nach der Partie jubelnd auf das Spielfeld rannten und dann bis in die Nacht in den Straßen des südlich der Hauptstadt gelegenen Ortes feierten.
Im Volksmund wird der FC Getafe „Geta“ genannt, was auch „Schnauze“ bedeutet. Frech und respektlos spielte das Schuster-Team auch gegen den FC Barcelona auf. Die Katalanen wurden regelrecht überrollt und waren trotz Ronaldinho und Eto'o machtlos. Nach dem Führungstreffer durch Casquero (38.) sorgten Güiza (43./73.) und Dorado (70.) für Getafes Pokal-Wunder. „Der FC Barcelona schien nicht in einer Fußball-Partie, sondern im Friseursalon zu sein“, urteilte die Zeitung „El País“, während das katalanische Fachblatt „Sport“ über eine „unerträgliche Blamage“ des Meisters wetterte.
„Ist Ihnen das nicht peinlich?“
Wie ein begossener Pudel trat Trainer Frank Rijkaard vor die Presse. „Als erstes möchte ich mich bei den Fans entschuldigen“, sagte er. Und er gestand ein: „Es gibt keine Ausreden. Dies war eines der schlimmsten Spiele in meiner Trainerkarriere.“ Die katalanischen Reporter kannten aber kein Pardon: „Ist Ihnen das nicht peinlich?“, fragten sie den niederländischen Coach, dem unter anderem angekreidet wurde, nicht den argentinischen Jungstar Lionel Messi aufgestellt zu haben. Im Hinspiel war dem 19-Jährigen eines der schönsten Tore der Fußball-Geschichte gelungen. „So schön wie wertlos“ sei dieser Treffer letztendlich gewesen, befand die Presse.
Für „Barça“ war es eine der schmerzlichsten Niederlagen der Club-Historie. Die bange Frage der Fans lautet nun, wie stark diese Blamage dem Tabellenführer auf der Zielgeraden der Primera División zugesetzt hat - bis Saisonende sind es nur noch fünf Spieltage, und der Vorsprung auf Verfolger Real Madrid ist auf zwei Punkte zusammengeschmolzen.