17.09.2008 · Deutsch-rumänische Tage im Europapokal: Die Bayern spielen bei Steaua Bukarest, Wolfsburg und Hamburg empfangen Klubs von dort. Mit resoluten Mitteln haben die Südosteuropäer aufgeholt. Doch Rumäniens Klubs fürchten um ihren Ruf.
Von Georg HemmerleAuf einer seiner zuletzt häufigen Deutschland-Reisen verlangte Constantin Zotta nach der Adresse der Deutschen Fußball-Liga. „Ich möchte um die Aufnahme meines Vereins in die Erste Bundesliga bitten“, sagte der Präsident des rumänischen Erstligavereins Rapid Bukarest. Es war nur ein Scherz, aber der Gedanke ist nachvollziehbar angesichts der jüngeren Geschichte des Klubs: In den vergangenen Jahren hat Rapid gegen den VfB Stuttgart, Hertha BSC Berlin, den Hamburger SV und den 1. FC Nürnberg gespielt, in den neunziger Jahren waren Eintracht Frankfurt und der Karlsruher SC die Gegner.
In dieser Woche kommt es nun schon zum nächsten Duell der Rumänen mit einer Bundesliga-Mannschaft. In der ersten Runde des Uefa-Cups tritt Rapid am Donnerstag beim VfL Wolfsburg an (19.00 Uhr im FAZ.NET-Liveticker). Und es ist nicht das einzige deutsch-rumänische Aufeinandertreffen: Der HSV empfängt am Donnerstag ebenfalls im Uefa-Cup Tabellenführer Unirea Urziceni (19.00 Uhr im FAZ.NET-Liveticker), und Bayern München tritt einen Tag zuvor in der Champions League bei Steaua Bukarest an (20.45 Uhr im FAZ.NET-Liveticker).
„Wir wollen die Champions League gewinnen“
Diese häufigen Duelle deutscher Teams mit rumänischen Mannschaften resultieren aus den Erfolgen der Südosteuropäer in den vergangenen Jahren. Vor allem Rapid und Steaua gehören mittlerweile zu den etablierten Vereinen im Europapokal. Steaua, das seine Blütezeit in den achtziger Jahren erlebte, als das Team 1986 den Europapokal der Landesmeister im Elfmeterschießen gewann und Steauas deutschstämmiger Torwart Helmuth Duckadam alle vier Elfmeter hielt, erreichte vor gut zwei Jahren das Halbfinale des Uefa-Cups, Rapid immerhin das Viertelfinale. „In absehbarer Zeit wollen wir die Champions League gewinnen“, sagt Steauas Eigentümer Gigi Becali.
Es sind Leute wie der einstige Schäfer und heutige Großgrundbesitzer Becali oder Rapids langjähriger Mäzen George Copos, die den rumänischen Fußball mit resoluten Mitteln in Europas erweiterte Spitze brachten. „Diese Investoren waren sehr wertvoll für den rumänischen Fußball, aber in Zukunft müssen sie sich ändern“, sagt Ioan Lupescu, Generalsekretär des rumänischen Verbandes und ehemals Spieler in Leverkusen und Mönchengladbach.
Fans fürchten um den Ruf und die Zukunft
Vor allem Becali schadet nämlich zunehmend dem Ruf seines Landes: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein neuer Skandal über ihn oder Steaua bekannt wird. In Fernseh-Sendungen beleidigt er Konkurrenten, beschuldigt Schiedsrichter oder beschimpft Journalisten. Im Endspurt um die Meisterschaft in der vergangenen Saison erwischte die Polizei einen von Becalis Getreuen, wie er sich mit einem Spieler einer anderen Mannschaft unterhielt und einen Koffer mit insgesamt zwei Millionen Euro bei sich hatte. Ein Jahr zuvor bezahlte Becali Millionen an Spieler anderer Vereine. Kürzlich bekannte er, Spieler und Schiedsrichter bestochen zu haben. Nationaltrainer Victor Piturca habe ihm gezeigt, wie das funktioniert.
Solange international Erfolge erzielt wurden, akzeptierten die Menschen derartige Machenschaften. Nun fürchten aber immer mehr Fans nicht nur um den Ruf, sondern auch um die Zukunft. Im Wahn um immer höhere Steigerungsraten bei der Anzahl der Erfolge und auch der Einnahmen setzen die Mäzene zunehmend auf ausländisches Personal.
Das Personal wird immer weiter personalisiert
Während etwa Rapid vor zwei Jahren nur einen einzigen ausländischen Spieler im Kader hatte, sind in dieser Saison kaum rumänische Spieler dabei. Der portugiesische Trainer José Peseiro hat drei Portugiesen, sechs Brasilianer, dazu zwei Afrikaner, einen Argentinier, einen Bosnier, einen Montenegriner und einen Spanier zu Rapid geholt. Steaua beschäftigt zwar immer noch mehr Rumänen als Ausländer, doch mittlerweile erlaubt Nationalist Becali den Kauf von Spielern aus anderen Ländern.
Einher mit der Internationalisierung des Personals gingen auch Steigerungen des Etats. Steaua kalkuliert mit etwa 15 Millionen Euro in der Saison, eventuelle Bestechungs- und Motivationsgelder nicht inbegriffen. Auch Rapid rechnet nicht mit weniger. Meister CFR Cluj dürfte mit einem noch höheren Budget in die Champions League gehen, wo der Verein gleich bei seiner ersten großen internationalen Teilnahme auf den FC Chelsea trifft und am Dienstag mit dem 2:1-Sieg beim AS Rom für einen Paukenschlag sorgte (Siehe auch: Champions League: Cluj blamiert den AS Rom - Agüero düpiert Stevens). Doch ob diese im internationalen Vergleich immer noch sehr bescheidenen Etats nicht nur für eine Überraschung ausreichen, werden schon die Spiele dieser Woche zeigen.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 21 | 32 | 46 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 21 | 35 | 44 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 21 | 22 | 43 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 21 | -1 | 33 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 21 | 0 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
Hamburger SV | 21 | -8 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 21 | -2 | 25 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Köln | 21 | -12 | 24 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 21 | -6 | 23 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 21 | -12 | 22 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 21 | -11 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 21 | -11 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 21 | -14 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |