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Fußball in Italien „Habemus Scudetto“

09.05.2005 ·  In Italien ist der Titelkampf noch spannend. „Wer hier siegt, wird Meister“, hatte der Vizepräsident des AC Mailand vor der Partie gegen Juventus Turin gesagt. Trezeguet entschied mit seinem Tor das Duell und wohl auch die Meisterschaft für Juve.

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Die Aufschrift auf dem von „Juve“-Tifosi entrollten Transparent störte die erfolgsverwöhnten Fans des AC Mailand fast mehr als die 0:1-Heimpleite gegen den Erzrivalen Juventus Turin. „Weiß-Schwarzer Rauch: Habemus Scudetto!“, stand da in Anlehnung an das Prozedere bei der Papst-Wahl zu lesen.

Und der Rekordmeister aus der italienischen Automobil-Metropole steuert jetzt eindeutig in Richtung Scudetto, der italienischen Fußball-Meisterschaft. Es wäre Titelgewinn Nummer 28 für „Juve“.

„Wer hier gewinnt, wird Meister“, hatte Milans Vizepräsident Adriano Galliani vor dem Spitzenspiel im ausverkauften Giuseppe Meazza Stadion prophezeit. Entsprechend tief saß die Enttäuschung beim geschlagenen Champions-League-Finalisten.

„Milan seit einem Monat nicht mehr in Topform“

Drei Runden vor Schluß hat die „alte Dame“ drei Zähler Vorsprung auf den Titelverteidiger, der schon in der Champions League am vergangenen Mittwoch beim 1:3 nach Verlängerung in Eindhoven nur haarscharf am überraschenden K.o. in der Königsklasse vorbeigeschliddert war.

„Milan ist seit einem Monat nicht mehr in Topform, die Mannschaft ist unter Druck geraten und müde. Schewtschenko allein genügt nicht mehr“, kommentierte die italienische Sporttageszeitung „Gazzetta dello Sport“. „Juventus mit dem Titel in der Tasche“, schrieb „Tuttosport“.

Den Sieg der Gäste sicherte der Franzose David Trezeguet per Kopfball (28.). Alessandro Del Piero hatte mit einem Fallrückzieher eine sehenswerte Vorlage gegeben. Milan-Keeper Dida gab dabei eine ebenso unglückliche Figur ab wie acht Minuten später bei einem 18-Meter-Schuß von Del Piero, den er erst im Nachfassen festhielt.

Bei Punktgleichheit folgt Entscheidungsspiel

Milan verlor erstmals seit April 1997 wieder ein Heimspiel gegen den Erzrivalen. Turin war in der „Königsklasse“ bereits im Viertelfinale an Mailands Champions-League-Finalgegner FC Liverpool gescheitert.

Juventus hielt sich auch nach dem Prestigesieg in der lombardischen Metropole beim zuletzt verhängten Presseboykott. Die Klubführung der Turiner hatte auf die Veröffentlichung eines sechs Jahre alten Videos, in dem ein Arzt Juventus-Abwehrspieler Fabio Cannavaro (damals AC Parma) ein Kreatinmittel spritzte, mit einer „silencio stampa“ reagiert.

Sollte Milan den Rückstand in den verbleibenden drei Spielen doch noch wettmachen und die Kontrahenten nach dem letzten Spieltag gleichauf liegen, wird die Meisterschaft - unabhängig von der Tordifferenz - in zwei Entscheidungsspielen entschieden. Zuletzt war der Meister in Italien 1964 in einem Entscheidungsspiel gekürt worden.

Berlusconi nimmts gelassen

Juve war in der ersten Halbzeit bei strahlendem Sonnenschein im frühsommerlichen Mailand die klar bessere Mannschaft. In der zweiten Halbzeit machte Milan vor den Augen von Club-Besitzer Silvio Berlusconi mehr Druck und kam durch den eingewechselten Filippo Inzaghi und Stürmerstar Andrej Schewtschenko auch zu guten Torchancen. In der 75. Minute forderten die Mailänder einen Foulelfmeter, weil Gianlucca Zambrotta Cafu im Strafraum am Trikot gehalten habe. Italiens Star-Schiedsrichter Pierluigi Collina verweigerte den Elfmeter jedoch.

Immer wieder blieben die offensiven Mailänder in der sicheren Juve-Abwehr hängen, die den Sieg souverän über die Zeit brachte. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi nahm die Niederlage seines Clubs gelassener hin als viele Milan-Fans. „Die Meisterschaft wird hier ohnehin nicht entschieden“, hatte Berlusconi schon auf dem Weg auf die Tribüne gesagt.

Hinter dem uneinholbaren Spitzenduo sicherte sich Inter Mailand (65) mit einem 3:0-Auswärtssieg in Brescia durch zwei Tore von Obafemi Martins und einen Treffer von Christian Vieri den dritten Tabellenplatz vor Sampdoria Genua (59). Die Genueser besiegten zu Hause US Lecce ebenfalls mit 3:0. Über die torreichste Partie des 35. Spieltags durften sich die Fans des Aufsteigers aus Siena freuen. Der Fünftletzte der Serie A (39) siegte in Livorno mit 6:3 und sammelte damit wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/sid
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