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Fußball in den Niederlanden Meister zu verkaufen

24.10.2009 ·  Am Dienstag spielte AZ Alkmaar mit blanker Brust in der Champions League. Nach der Pleite der Bank von Sponsor Scheringa steht der AZ Alkmaar vor einer ungewissen Zukunft. Das Schicksal des Vereins liegt in Händen der Insolvenzverwalter.

Von Michael Stabenow
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Wenn die Hoffnung schwindet, muss die Statistik ran. Auch beim in dieser Saison zunächst sportlich und nun auch finanziell leidgeprüften niederländischen Fußballmeister AZ Alkmaar ist es so weit. An diesem Sonntag empfängt der Tabellensechste im Nachbarschaftsduell Ajax Amsterdam, das derzeit an dritter Stelle der „Eredivisie“ steht. Der AZ-Website ist immerhin zu entnehmen, dass Chefcoach Ronald Koeman, einst selbst in Diensten von Ajax, auf seinen bisherigen weiteren Trainerstationen (Vitesse Arnheim und PSV Eindhoven) in der niederländischen Liga eine beruhigende Bilanz von vier Siegen und einer Niederlage gegen den Rekordmeister aufweist.

Das ist aber auch so ungefähr alles, was Anlass zu Zuversicht in der 50 Kilometer nördlich von Amsterdam gelegenen Käsemetropole gibt. Sicher, am Dienstag hat sich AZ in der Champions League mit einem 1:1 gegen Arsenal London achtbar geschlagen. Was aber außer dem Siegtreffer vor allem fehlte, war das Logo des Hauptsponsors DSB auf den Trikots der Heimmannschaft. Das Kürzel steht für die tags zuvor für zahlungsunfähig erklärte Dirk Scheringa Bank.

Mit dem Namen des 59 Jahre alten Scheringa sind Aufstieg und Fall von AZ Alkmaar eng verbunden. Seit 1993 war der frühere Polizist Hauptsponsor und Vereinspräsident. Durch die Weigerung der Regierung, der nach einem plötzlichen Run verärgerter und verängstigter Kunden auf die Zweigstellen in Zahlungsnot geratenen Bank mit Beihilfen unter die Arme zu greifen, steht Scheringa vor einem Scherbenhaufen. 1400 der 2000 Bankangestellten stehen schon auf der Straße. Aus dem „Scheringa Museum für Realismus“ im nordholländischen Ort Wongum wurden inzwischen 1300 Kunstwerke geholt. Sie sollen als Verfügungsmasse für einen Schuldenberg von 32 Millionen Euro der Dachgesellschaft DSB Beheer dienen, zu der auch AZ Alkmaar gehört.

Wird Alkmaar arabisch?

Nun liegt auch das Schicksal des Vereins in den Händen der Insolvenzverwalter. Seit Tagen machen illustre Namen möglicher Interessenten an AZ die Runde. Dazu sollen die führende niederländische Einzelhandelskette Albert Heijn, der in Abu Dhabi beheimatete Energiekonzern Taqa sowie der beim FC Schalke 04 engagierte russische Geldgeber Gasprom zählen. Im Fernsehsender „Nederland 3“ durfte zudem Nico Vinck, Manager des belgischen Drittligavereins Racing Mecheln, das Interesse des mexikanischen Klubeigentümers bekunden.

In der Presse tauchten ferner Berichte auf, wonach Scheringa kurz vor der sich abzeichnenden Bankpleite noch versucht habe, den Verein für mehr als 100 Millionen Euro zu verkaufen. Der international bestens vernetzte niederländische Spielervermittler Rob Jansen, zu dessen Kundenkreis auch heutige und frühere Bundesligaprofis wie Mark van Bommel und Roy Makaay zählen, mahnte freilich zu Besonnenheit. Bis auf Feyenoord Rotterdam, den PSV Eindhoven und Ajax Amsterdam hätten niederländische Vereine „wenig internationale Ausstrahlung“, sagte Jansen der Zeitung „De Volkskrant“. Ein Aus des Klubs kann sich Jansen indes schon allein wegen eines dann in Alkmaar losbrechenden „Volksaufstands“ nicht vorstellen. Zudem seien alle Spieler in diesem Fall ablösefrei auf dem Markt. „Und der Insolvenzverwalter hat doch nur ein Ziel: Geld zurückzubekommen“, erläuterte Jansen.

Der Ausverkauf droht

So ungewiss die Zukunft von AZ Alkmaar ist, so deutlich zeichnet sich für die Transferperiode im Winter ein kräftiger Aderlass beim Mannschaftskader ab. In der Vergangenheit hatte sich AZ-Chef Scheringa noch damit gebrüstet, welche Vereine Beobachter zu Spielen in Alkmaar entsandt hätten, die unverrichteter Dinge wieder heimgekehrt seien. Nun bangen die Fans, dass Stars wie die Stürmer Mounir El-Hamdaoui und Moussa Dembélé oder der argentinischen Torhüter Sergio Romero so oder so AZ bald verlassen könnten.

Im Sommer war es dem frisch gekürten Meister gelungen, nicht zuletzt dank der Aussicht auf die Spiele in der Champions League die meisten Stammspieler zu halten. Lediglich Nationalspieler Demy de Zeeuw, der im AZ-Mittelfeld die Richtung angegeben hatte, war zum Nachbarn Ajax Amsterdam gewechselt. Martin Jol, in der vergangenen Saison noch in Diensten des Hamburger SV und seit Saisonbeginn Ajax-Trainer, bestritt vor dem Spiel bei AZ am Sonntag, dass sein neuer Verein in Alkmaar auf Schnäppchenjagd gehen wolle. „Das habe ich nicht geplant. Und selbst wenn ich das beabsichtigen sollte, würde ich es nicht sagen“, verriet Jol, zeigte aber auch Mitleid mit dem Nachbarn: „Was nun mit AZ passierte, das gönnt man seinem ärgsten Feind nicht.“

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Jahrgang 1955, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in Brüssel.

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