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Fußball in Ägypten „Einfach wieder spielen - das wäre verantwortungslos“

Am Freitag soll in Ägypten die Fußballsaison wieder starten. Der Auftakt steht nach neuerlichen Auseinandersetzungen aber in Frage. Der Präsident der Spielervereinigung spricht im F.A.Z.-Interview über einen Boykott und seinen Rat an die Spieler.

© REUTERS Vergrößern Nach den Todesurteilen feiern die Fans von Al Ahly den Richterspruch

Als Präsident der ägyptischen Spielervereinigung vertritt Magdy Abdel Ghani die professionellen Fußballer seines Landes. In den Achtzigern bestritt der 53 Jahre alte frühere Mittelfeldspieler 400 Partien in der heimischen Liga für den alles dominierenden Klub Al Ahly aus Kairo und gehörte zu den Stützen der Nationalmannschaft, mit der er auch an der Weltmeisterschaft in Italien 1990 teilnahm.

Abdel Ghani gehört auch zum Präsidium des ägyptischen Fußballverbandes. Nach dem Blutbad von Port Said am 1. Februar vor einem Jahr, bei dem mehr als 70 Al-Ahly-Fans getötet wurden, steht die Liga still. Am kommenden Freitag sollte eigentlich die neue Saison beginnen, doch nach den Todesurteilen vom Samstag und den neuerlichen Auseinandersetzungen steht der Start in Frage.

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Die Todesurteile gegen die mutmaßlichen Täter von Port Said haben zu neuer Gewalt auf den Straßen geführt. Sind unter diesen Umständen Fußballspiele in Ägypten überhaupt möglich?

Niemand in diesem Land kann derzeit Sicherheit garantieren - schon gar nicht für Spieler und Zuschauer bei Fußballspielen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mannschaften da hinausgehen und einfach wieder spielen. Unmöglich. Das wäre verantwortungslos. Wir wollen ja nicht wieder Tote haben bei einem Fußballspiel. Es ist wirklich fürchterlich.

Haben Sie den Spielern schon geraten, den Ligastart zu boykottieren?

Auch den Vereinsverantwortlichen steht nicht der Sinn danach, das Leben von Menschen beim Fußball zu riskieren. Aber viele Klubchefs sind jung und unerfahren. Da sehe ich ein Risiko. Und die Politik interessiert sich sowieso nicht für uns. Es wird gerade beraten, was am Wochenende gemacht wird. Es kann nur eine Entscheidung geben - nicht spielen. Aber wir wissen nicht, was passiert.

Sie haben selbst als Spieler viele Jahre für Al Ahly gespielt. Wie beurteilen Sie die Reaktion vieler Fans des Klubs, die die Todesurteile mit Freudenfeiern und einem Gefühl der Rache aufgenommen haben?

Ich habe selbst einen jungen Mann gekannt, der in Port Said umgebracht worden ist. Die Urteile sind der erste Schritt zu einer gewissen Gerechtigkeit. Die Täter, die ja gemordet haben, mussten bestraft werden. Deshalb verstehe ich die Genugtuung. Schlimm ist, dass es jetzt überall wieder Kräfte gibt, die Gruppen aufhetzen. Das wird politisch ausgenutzt. Schrecklich. Eigentlich sind wir Ägypter freundliche und friedliche Menschen.

Es gab jetzt ein Jahr lang keinen Ligabetrieb. Was haben die Spieler die ganze Zeit gemacht?

Die Vereine haben trainiert, einige Freundschaftsspiele gemacht und wieder trainiert. Immer so weiter, für die Spieler und ihre Familien ist das eine ziemliche Belastung, weil die Klubs auch weniger Geld an sie gezahlt haben. Einige Spieler konnten im Ausland einen Vertrag bekommen. Aber das war die absolute Minderheit. Ich habe schon Briefe an die Fifa (Internationaler Fußball-Verband) geschrieben und darauf aufmerksam gemacht, dass einige Vereine selbst die Minimalfürsorge gegenüber den Spielern nicht mehr einhalten. Aber da kommt nichts.

Was raten Sie den Spielern jetzt?

Sucht euch einen Job im Ausland. Hier gibt es keine Zukunft für euch. Hier herrscht Chaos. Aber ich weiß ja auch, dass nicht alle der 500 Profispieler einfach mal schnell einen Vertrag bei einem ausländischen Klub bekommen.

Ihre Nationalmannschaft gewann 2010 den Afrika Cup zum dritten Mal in Folge. Der Klub Al Ahly holte siebenmal den Titel in der afrikanischen Champions League. Welche Perspektive sehen Sie unter den aktuellen Bedingungen für den Fußball in Ihrem Land?

Eine sehr schlechte. Wir rücken immer mehr ins Abseits. Aber ich hoffe, dass unser Volk irgendwann zur Ruhe kommt.

Die Fragen stellte Michael Ashelm.

Quelle: F.A.Z.

 
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