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Fußball „Ich werde es zur Weltmeisterschaft schaffen“

23.05.2005 ·  Ihm gelang das Comeback des Fußballjahres: Dietmar Hamann wurde in die Nationalelf zurückgeholt und steht an diesem Mittwoch mit Liverpool im Champions-League-Finale.

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Ihm gelang das Comeback des Fußballjahres: Dietmar Hamann wurde in die Nationalelf zurückgeholt und steht an diesem Mittwoch mit Liverpool im Champions-League-Finale.

FC Liverpool gegen den AC Mailand - wird das Endspiel der Champions League eine Partie mit deutscher Beteiligung?

Ich hoffe, daß ich von Anfang an dabei bin. Mein Knie ist in Ordnung, und die Fitness ist auch von Tag zu Tag besser geworden.

Das Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Chelsea war Ihr erstes Spiel von Beginn nach einem Innenbandriß. Leiden Sie noch unter der Verletzung?

Nein, überhaupt nicht. Es geht wieder sehr gut, aber es hat insgesamt auch knapp über sechs Wochen gedauert, bis ich wieder soweit war.

"Angetrieben durch den wunderbaren Hamann, drängte Liverpool den Schwerlaster Chelsea von der Straße nach Istanbul. Hamann war superb", schwärmte die Zeitung "Telegraph" nach dem Halbfinalsieg von Ihnen. Sind Sie wieder in Topform?

Auf alle Fälle. Wenn man vier, fünf Wochen nicht mit der Mannschaft trainiert hat, merkt man das natürlich unmittelbar danach. Aber in so einem Spiel, wo es um so viel ging wie im Halbfinale gegen Chelsea, geht man über dieses Problem einfach hinweg. Davon darf man sich nicht beeindrucken lassen. Jetzt liegen noch einmal ein paar Wochen dazwischen, und ich bin ganz sicher, daß ich beim Finale gegen den AC Mailand in meiner Topform sein werde.

Für Liverpool ist es das erste Endspiel in der Champions League, das erste Finale im wichtigsten Cupwettbewerb seit der Tragödie von Heysel. Was spielt sich in diesen Tagen in Liverpool ab?

Für die Menschen in Liverpool bedeutet es unheimlich viel, daß wir 21 Jahre nach dieser Tragödie wieder die Chance auf den Titel haben. Man hat das auch schon an der unglaublichen Unterstützung gemerkt, die uns die Fans gegen Chelsea gegeben haben. Sie wollten unbedingt in dieses Finale. Nach dem letzten Saisonspiel in der Premier League am vergangenen Sonntag ist jetzt die ganze Stadt im Champions-League-Fieber.

Wäre der Gewinn der Champions League der größte Erfolg in Ihrer Karriere?

Ja, ganz sicher. Ich habe zwar schon einige Titel gewonnen, aber die Champions League ist die Königsklasse, da geht im Klubfußball einfach nichts drüber. Und da dieser Erfolg für die Leute hier enorm wichtig wäre, wäre es auch für mich großartig, Teil der Mannschaft zu sein, die an die großen Erfolge des Klubs aus den siebziger Jahren anschließt. In den vergangenen Jahren haben wir zwar mit Liverpool den FA-Cup und den Uefa-Pokal gewonnen, aber 21 Jahre nach Heysel die Champions League zu gewinnen, wäre für mich absolut überwältigend.

Was halten Sie für die größte Stärke des AC Mailand?

Ihr größter Vorteil wird sein, daß viele Spieler vor zwei Jahren die Champions League schon gewonnen haben. Sie wissen, daß sie ein Endspiel gewinnen können.

Auf welche Qualitäten kann sich Liverpool im Endspiel verlassen?

Wir haben auf dem Weg nach Istanbul viele sehr starke Mannschaften ausgeschaltet: FC Chelsea, Juventus Turin, Leverkusen, Deportivo La Coruna. Wir haben in den Halb- und Viertelfinals gegen Juve und Chelsea nur ein Gegentor kassiert. Wir sind defensiv sehr kompakt und verstehen es, als Mannschaft aufzutreten. Wenn wir so wie zuletzt spielen, haben wir berechtigte Hoffnungen, den Titel zu gewinnen.

Nimmt den deutschen Klubfußball, mit Ausnahme des FC Bayern, in England überhaupt noch jemand ernst?

Ich würde nicht sagen, daß sie nicht ernst genommen würden. Die deutschen Klubs haben gut begonnen in dieser Saison. Leverkusen, Bremen und die Bayern sind in der Champions League in die zweite Runde gekommen, das ist nicht selbstverständlich. Leverkusen hat sogar die sogenannte "Todesgruppe" überstanden. Vor zwei, drei Jahren waren die Spanier überragend in der Champions League. Sie haben drei Mannschaften ins Halbfinale gebracht, und es hieß, Spanien regiert Europa. In diesem Jahr haben sie keine Mannschaft unter den besten acht.

Ein Deutscher im Finale der Champions League - das hat nun auch Jürgen Klinsmann interessiert. Wie und wann haben Sie von Ihrer überraschenden Nominierung für den Confederations Cup erfahren?

Jürgen hat mich am Montag abend angerufen und mir mitgeteilt, daß ich dabei bin. Ich war gerade auf dem Golfplatz.

Und wie verlief das Gespräch?

Kurz und schmerzlos. Wir haben gar nicht über die Nationalelf und das Finale gesprochen. Er hat mir viel Glück für Istanbul gewünscht, und ich habe ihm gesagt, daß ich mich über die Nominierung freue, das war's.

Seit der Bundestrainer im Amt ist, waren Sie nicht mehr bei der Nationalmannschaft dabei.

Das ist richtig. In dieser Saison wollte der Bundestrainer den Weg fortführen, den er mit den jungen und neuen Spielern begonnen hat. Ich war schon überrascht, daß ich nun beim Confederations Cup dabei bin.

Ihre Rolle ist nicht ohne Ironie: Klinsmann schwärmt vom Tempofußball in England, sie jedoch wurden nach der EM als Symbolfigur für behäbigen Fußball dargestellt, aber in England werden Sie hoch geschätzt und stehen im Finale der Champions League. Erklären Sie mal den Widerspruch?

Das muß ich nicht erklären. Nach der mißglückten Europameisterschaft wurden Sündenböcke gesucht. Das ist immer so - und dann trifft es manchen eben härter. Aber deswegen stecke ich den Kopf nicht in den Sand. Ich habe in Liverpool und in der Nationalmannschaft immer versucht, mein Bestes zu geben. Daß es bei der EM nicht so lief, das wissen wir alle. Wir waren einfach nicht in der richtigen Verfassung. Aber ich habe mich von diesem Erlebnis nicht beeindrucken lassen. Ich habe in Liverpool ein sehr ordentliches Jahr gehabt - das möchte ich am Mittwoch krönend abschließen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Nationalelf unter Klinsmann?

Die Ergebnisse sind vielversprechend. Die Mannschaft hat nur ein Spiel verloren und dabei gegen ein paar starke Mannschaften gespielt. Mit der Distanz, die ich jetzt habe, muß ich sagen: Es sieht ganz ordentlich aus, was die Mannschaft da macht.

Wie sehen Sie Ihre Chancen, bei der WM dabeizusein?

Ich bin guter Dinge. Durch die Nominierung hat sich meine Situation sicher nicht verschlechtert. Wenn ich in der kommenden Saison wieder gut spiele, werde ich es zur WM schaffen. Davon bin ich überzeugt.

Sie können nach dieser Saison ablösefrei den Klub verlassen. Es hieß, Sie wollen noch zwei Jahre in Liverpool bleiben, der Verein bietet Ihnen nur einen Einjahresvertrag. Außerdem sind die Bolton Wanderers an Ihnen interessiert.

Das ist richtig, aber es gibt auch noch einige andere Anfragen. Entscheiden werde ich mich aber erst nach dem Finale, vorher mache ich mir darüber keine Gedanken. Das Finale ist zu wichtig.

Welche Rolle spielt bei Ihrer Entscheidung die WM 2006?

Viele fragen mich, ob es nicht besser wäre, in der kommenden Saison in Deutschland zu spielen, damit ich auf mich aufmerksam machen kann. Ich denke nicht, daß es erforderlich ist, in Deutschland zu spielen, um bei der WM dabeizusein. Ich suche aber einen Klub, bei dem ich international zum Einsatz komme. Das wird überall geschätzt und geachtet - wie man jetzt gesehen hat.

Das Gespräch führte Michael Horeni.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.05.2005, Nr. 20 / Seite 20
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