Weißwein oder Weißbier? Die Frage des Züricher „SonntagsBlick“ entsprach offensichtlich genau Franz Beckenbauers Tagesform zu der Zeit, als er sich mit Joseph Blatter zum Interview traf. Es wurde ein feines Fläschlein Fendant, das die beiden älteren Herren mit dem Boulevardblatt köpften, und das ambrosische Getränk sei ihnen vergönnt - sie sind nicht die Ersten, die im Wein Vergessen gesucht und gefunden haben. Besonders beim Kaiser scheint das Bild im sanften Licht des Frühherbstes zusehends verschwommen zu sein: Beckenbauer schenkte Blatter ein Kompliment nach dem anderen ein.
Die Fifa, postulierte unsere Fußball-Ikone, sei nie besser aufgestellt gewesen als heute, und Blatter sei der beste Präsident. Selbst den Bayern-Chef Uli Hoeneß stellte er lieber als einen Ignoranten dar, als dass er auch nur eine kleine Trübung in seinem Verhältnis zum Sepp zugelassen hätte. Hoeneß habe seine Breitseiten gegen Blatter höchstens „aus Unkenntnis der Fifa-Fakten“ abgefeuert, war Beckenbauers süffiger Kommentar. Was ja - nüchtern betrachtet - ein interessantes Stichwort ist.
Zum Fendant gab’s Raclette
Wie würden wir alle wohl in voller Kenntnis der „Fifa-Fakten“ über Blatters Amtsführung urteilen? Schade, dass die beiden Intimwisser sich darüber nicht näher ausließen. Bisher sind ja nur bruchstückhafte Informationen über das jahrzehntelang gut geölte Korruptionssystem Fifa in Umlauf gekommen, für das Blatter die Verantwortung nicht übernehmen will.
Und in dessen glitschiger Mechanik sich Beckenbauer und seine Freunde mit der Bewerbung um die WM 2006 durchgesetzt haben. Wie sie das geschafft haben? Wer will’s schon wissen? Ist doch ein Kas. Und wirklich: Zum Fendant gab’s Raclette.
Kaiser und Grosswesire sind...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 04.09.2012, 10:00 Uhr
Beckenbauer hat ja vollkomen Recht bzw. Kritiker meist gar kein Argument
Nils Kuhs (N.Holgerson)
- 04.09.2012, 09:30 Uhr
Ist Blatter amtsmüde ?
Thomas Meyer (meyerstom)
- 03.09.2012, 19:54 Uhr