Wozu braucht man Fußballer, die über Fußball reden? Der Fußballfan braucht sie nicht. Das kann er selber. Früher wussten das die Fußballer auch. Wie etwa Paul Janes, der die fünf Fragen seines einzigen Interviews nach Rückkehr von der WM 1934 mit exakt fünf Wörtern beantwortete. Die letzte Frage hieß: „Wie war es in Italien?“ Die Antwort von Janes: „Warm.“
Die Kunst, zu schweigen, wo nichts zu sagen ist (oder nur das Selbstverständliche), ist seitdem in Vergessenheit geraten - nimmt man den Boxer Norbert Grupe aus, der seinen Nachruhm keinem K.o. verdankt, sondern jenem TV-Interview, in dem er minutenlang kein Wort sagte.
Nun ist ein früherer Fußballspieler, der mittlerweile seine Brötchen als Fußballredner im Fernsehen verdient und nebenher ein paar kleinere als Trainer der Bayern-Amateure, den wortkargen Vorbildern Janes und Grupe so nahe gekommen wie seit Jahrzehnten kaum jemand.
Jedenfalls kein Trainer, auch nicht Klaus Augenthaler, der einst in einer 42 Sekunden langen Pressekonferenz vier Antworten auf vier Fragen gab, die er selbst gestellt hatte. Nicht einmal Thomas Schaaf, der ein TV-Interview in Bremen folgendermaßen abwürgte. Reporter: „Dass Andi Reinke heute gespielt hat, ist ein Indiz wofür?“ Schaaf: „Dafür, dass er heute gespielt hat.“
Mehmet Scholl hat sich nun in die Ahnenreihe der Wortkargen eingereiht, indem er dem 0:1 seiner B-Bayern beim VfL Frohnlach sagte: „Das Spiel hat mir nicht gefallen. Mir ist heute vieles unangenehm aufgestoßen. Das muss ich erst einmal mit mir selber abmachen“, dann aufstand, eine Gurkenscheibe von einem Wurstbrot nahm und die Pressekonferenz nach 13 Sekunden mit dem Satz beendete: „Das muss ich erst einmal sacken lassen.“
Man kann das, je nach Blickwinkel, als Unverschämtheit verstehen. Oder als Höflichkeit. Sie besteht darin, niemandem Lebenszeit mit Geschwafel zu stehlen. Lieber ein nichts sagender Mensch als ein nichtssagender.