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Fußball-Glosse Dann lieber die Münze

Die Tordifferenz als erstes Entscheidungskriterium bei Punktgleichheit ist keine gute Wahl. Plateau United Feeders und FC Police Machine haben in Nigeria eine Aufstiegsrunde zur Farce gemacht: 67:0 reicht nicht.

© AP Vergrößern Fußball als Farce in Nigeria: 67 Tore hier, 79 Treffer da

Es gibt gute Gründe, warum die Europäische Fußball-Union (Uefa) bei Turnieren, die sie ausrichtet, im Falle der Punktgleichheit zweier Mannschaften den direkten Vergleich gegenüber der Tordifferenz vorzieht, wenn es um die Bestimmung der Tabellenposition geht. Bei der Europameisterschaft der Frauen zum Beispiel, die gerade in Schweden begonnen hat. Es ist die bestmögliche Übertragung des K.o.-Systems in die Gruppenphase, wenn als maßgebliches Kriterium für Wohl und Wehe der Ausgang des Duell zwischen den unmittelbar beteiligten Teams gilt - und nicht etwa eine Partie gegen einen vielleicht schon ausgeschiedenen und deshalb unmotivierten Dritten.

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Aber es soll ja auch noch Anhänger des guten, alten Kriteriums der Tordifferenz geben. Stürmer, zum Beispiel, auf der Suche nach dem persönlichen Kick. Wie es dann aber ausgehen kann, wenn die pure Quantität entscheiden soll und treffsichere Stürmer zur Verfügung stehen, haben dieser Tage exemplarisch die Klubs mit den klingenden Namen Plateau United Feeders und FC Police Machine gezeigt. Es stand der Aufstieg aus der obersten nigerianischen Amateurklasse der Provinz Bauchi in die Nationwide League Division 3, in den Profifußball auf dem Spiel. Schon in den ersten 45 Minuten konnte in den beiden Begegnungen der Eindruck entstehen, dass ihre jeweiligen Gegner nicht richtig bei der Sache waren. Die Feeders führten gegen den FC Akurba mit 7:0, die Police Machine lief gegen FC Babayaro (6:0) auf ähnlich hohen Touren. Sowohl Akurba, als auch Babayaro hatten ihre Auftaktspiele im Überkreuzvergleich zuvor nur 0:2 verloren - die Formkrise musste also plötzlich über die Akteure dieser Mannschaften gekommen sein.

Berechtigter Verdacht auf „Absprachen zwischen den Klubs“

Was sich dann in den Kabinen abspielte, ist bislang ungeklärt, doch der nigerianische Fußballverband hegt den nicht ganz unbegründeten Verdacht, dass es „Absprachen zwischen den Klubs gab“, wie Verbandssprecher Ademola Olyjire zitiert wird. Die Police Machine ballerte jedenfalls in den verbleibenden 45 Minuten aus allen Rohren und traf noch 61 Mal zum Endstand von 67:0. Doch das war noch nichts gegen das Geschehen im Parallelspiel: Die Feeders erreichten ein noch höheres Plateau und erzielten gleich 72 Tore in der zweiten Halbzeit. Endstand 79:0. Zwölf Tore mehr als der Konkurrent, die Spieler wähnten sich im siebten Himmel, oder zumindest in der dritten Liga.

Doch sie hatten ihre Rechnung ohne den Verband gemacht. „Wir werden den Fall untersuchen“, erklärte Olajire der Nachrichtenagentur AFP und zog schon vor dem Abschlussbericht sein persönliches Fazit: „Das ist eine irrsinnige Farce.“ Verbandschef Mike Umeh sprach sogar von einem „Skandal gewaltigen Ausmaßes“. Vorsorglich wurden alle vier Klubs, sämtliche Spieler und die Offiziellen suspendiert, und zwar umgehend und auf unbestimmte Zeit. Unschuldsvermutung hin, Unschuldsvermutung her, der Aufstieg wurde erst einmal ausgesetzt.

Doch was tun, um solche Vergehen in Zukunft zu verhindern? Der direkte Vergleich zwischen den beiden Aspiranten hatte 0:0 geendet. Womit klar wird: Die Uefa-Regel hätte in diesem Fall auch nichts gebracht. Vielleicht sollte man wieder über Münzwurf nachdenken.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 10.07.2013, 17:27 Uhr

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