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Fußball-Globetrotter Berti Vogts „Man darf afrikanischen Spielern nicht die Phantasie nehmen“

17.01.2007 ·  Fußball-Globetrotter Berti Vogts erklärt im Interview mit der F.A.Z. wie er sich den Job in Nigeria vorstellt und warum er keine Angst vor Sonnenbrand hat. Was Vogts vermitteln will: die Balance zwischen afrikanischer Spielfreude und deutscher Disziplin.

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Berti Vogts wandelt auf den Spuren von Rudi Gutendorf. Nach den Jobs in Deutschland, Kuweit und Schottland wechselt der letzte, der mit der DFB-Auswahl einen Titel gewann (die EM 1996), nun auf seinen dritten Trainer-Kontinent. Im März übernimmt er das nigerianische Team. Während die Nachricht darüber durch die Presse lief, war Vogts schon auf dem Weg zum Gulf Cup in Dubai, wo er für das kuweitische Fernsehen in dieser Woche Spiele kommentiert.

Herr Vogts, warum Nigeria?

Es ist eine tolle Herausforderung, mit einer afrikanischen Mannschaft zu arbeiten, sie vorzubereiten auf den Africa Cup und vor allem die Qualifikation für die Weltmeisterschaft auf dem eigenen Kontinent. Man spürt schon jetzt, wenn man mit den Leuten redet, die Euphorie, die die WM 2010 dort auslösen wird.

Wie gut kennen Sie die Mannschaft?

Ich kenne nur einzelne Spieler. Das Team war ja nicht für die WM in Deutschland qualifiziert. Aber ich habe mit Schottland gegen Nigeria gespielt, mit Deutschland auch. Die U-21-Junioren wurden 2005 WM-Zweiter, sie verloren nur knapp gegen Argentinien. Das ist schon ein interessantes Potential. Das Problem wird sein, diese Mannschaft zu organisieren. Auf dem Spielfeld und außerhalb.

Kann man ein afrikanisches Team so trainieren wie ein europäisches?

Der Vorteil ist, dass alle Topspieler heute in Europa leben und arbeiten. Sie wissen, was von einem Profi erwartet wird. Allerdings darf man ihnen nicht die Phantasie nehmen. Sie haben diese große Spielfreude. Das Problem ist: Was passiert bei Ballverlust? Wenn man es schafft, dass man dann gleich sieben oder acht Spieler hinter dem Ball hat, dann macht man sie stark. Daran muss ich arbeiten, ohne ihnen die Spielfreude zu nehmen. Man muss die Balance finden.

Was offenbar sehr schwer ist. Nach der Furore, die Kamerun bei der WM 1990 machte, erwarteten Fans und Experten, dass Afrika schon bald die Fußballwelt erobern würde. Sie warten noch heute.

Es war aber auch noch nie eine Weltmeisterschaft in Afrika. 2010 in Südafrika wird das anders sein. Dort wird man mit den Afrikanern rechnen müssen.

Mit Berti Vogts auch?

Das Schwierigste wird es sein, überhaupt die Teilnahme zu schaffen. Wenn man sieht, dass sich Kamerun, Senegal, Nigeria nicht für die letzte WM qualifizieren konnten, dann weiß man, wie hart die Qualifikation ist. Und wie viele gute Mannschaften es inzwischen in Afrika gibt.

Trainerjobs in Afrika sind bekanntlich immer noch ein Abenteuer. Mal hat man es mit Hexenmeistern zu tun, die im Strafraum Knochen verbuddeln, mal mit Präsidenten, die den Koffer mit den Prämien vergessen. Haben Sie sich schon mit anderen deutschen Kollegen wie Winfried Schäfer oder Otto Pfister über deren Erfahrungen ausgetauscht?

Nein, das mache ich auch nicht. Ich kümmere mich nur um meine Aufgabe, und die besteht darin, vor allem neue Strukturen zu schaffen. Ich werde nicht nur für die A-Mannschaft verantwortlich sein, auch für die U 21. Und ich baue ein „Challenge Team“ auf, aus Spielern der nigerianischen Liga, mit dem wir Freundschaftsspiele bestreiten wollen, um ihnen internationale Erfahrung zu geben. Denn die A-Nationalspieler sind ja alle nicht in Nigeria, sondern in Europa tätig.

Das heißt, auch Ihr Lebensmittelpunkt bleibt Europa, denn dort sind Sie Ihren Nationalspielern am nächsten?

Ja, denn es geht nicht nur darum, die Spieler zu beobachten, auch darum, einen sehr guten Draht zu ihren Vereinstrainern zu haben; in England und Frankreich vor allem, aber auch in Russland oder Israel. Da muss man viel Kontaktpflege betreiben.

Die erste Gelegenheit dazu gibt es in drei Wochen, wenn Nigeria in London gegen Ghana spielt.

Dort werde ich mich mit Spielern treffen. Doch das Spiel selber schaue ich mir nur von der Tribüne aus an. Mein Vertrag beginnt erst am 1. März. Ich werde Ende Januar nach Nigeria fliegen und den Vertrag unterzeichnen.

Im März wird es dann ernst, wenn Sie in der Qualifikation zum Africa Cup auf Uganda treffen. Es ist laut Statistik der heißeste Monat in Nigeria. Haben Sie schon eine gute Sonnencreme?

Wissen Sie, wer neun Monate in Kuweit verbracht hat, den kann da nichts mehr erschüttern.

Die Fragen stellte Christian Eichler.

Quelle: F.A.Z. vom 18. Januar 2007
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