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Fußball-Geschäft FC Bayern stürmt auf den japanischen Markt

29.07.2005 ·  Manchester United und Real Madrid verdienen sich schon seit Jahren in Fernost mit Freundschafts-, Show- und Galaspielen eine goldene Nase. Nun zieht der deutsche Rekordmeister nach: Zwei Spiele, vier Tage, zwei Millionen Euro.

Von Stephan Finsterbusch, Tokio
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Cash-flow schießt keine Tore, er bereitet sie bestenfalls vor - vorausgesetzt er ist im Plus und gut gemanagt. "Dafür sorgen wir, dafür sind wir hier in Japan." Uli Hoeneß sitzt am Frühstückstisch eines Tokioter Hotels. Das Rührei ist dottergelb, der Schinken rot, die Würstchen fettig. Draußen hat die Quecksilbersäule gerade die Marke von 33 Grad genommen. Es ist neun Uhr morgens. Drinnen kontert der Manager des FC Bayern den Jetlag mit Kaffee. Gestern flog er ein, morgen ist er wieder weg. Er zeigt sich gut gelaunt. Kein Wunder, beziffert er doch die Gage für die beiden Spiele seiner Truppe in Fernost auf 2 Millionen Euro. Das wollte er sich und dem Verein nicht entgehen lassen.

„Wer sind wir, daß wir so ein Angebot ausschlagen“, fragt er. Die Antwort gibt er selbst: Manchester United (ManU) und Real Madrid verdienen sich schon seit Jahren in Fernost mit Freundschafts-, Show- und Galaspielen eine goldene Nase. Nun zieht der deutsche Rekordmeister nach. Es geht um große Summen. Real soll für seine saisonvorbereitende Gastspielreise nach Amerika, China und Japan knapp 30 Millionen Euro kassiert haben. Die Japan-Gage für ManU wird auf 10 Millionen Euro geschätzt. "Wir kommen spät, doch wir kommen", meint Hoeneß. „Wenn man heute was erreichen will, muß man dorthin gehen, wo die Märkte sind.“ Marketing ist die halbe Miete, vor allem in Nippon.

Kontakte zu Nippon-Ham

Zu den 180 Millionen Euro Jahresumsatz des deutschen Nobel-Clubs trägt der Stadioneintritt bestenfalls noch 20 Prozent bei. Ein Drittel der Erlöse kommt von Sponsoren. Die lukrativste Sparte scheint die der Fanartikel zu sein: T-Shirts, Jacken, Hosen, Schuhe, Bälle und alles, auf was sich das Logo der Bayern drucken läßt. Der Verkauf ist profitabel. Unter dem Strich stehen seit anderthalb Jahrzehnten schwarze Zahlen im Geschäftsbericht des Vereins. Nach deutschen Autos, deutschem Bier und deutscher Kultur will Hoeneß nun den deutschen Vereinsfußball zum Exportschlager machen. Dafür läßt er sein Starensemble unter Tokios glutheißer Sommersonne schwitzen, knüpft neue Kontakte und frischt alte auf. Er kennt Japan aus seiner Zeit als Spieler des FC Bayern in den siebziger Jahren.

Heute haben die Münchner eine Partnerschaft mit dem J-League-Club Gamba Osaka. Hoeneß hält Kontakte zum Management der Baseball-Mannschaft Nippon-Ham. Der Verein Urawa Reds bittet die Bayern um eine Kooperation. Oliver Kahn ist eine millionenschwere Ikone der japanischen Werbeindustrie, Michael Ballack auf dem besten Weg, eine zu werden. Die Münchner sehen sich in den Tagen ihres Aufenthalts in Tokio stark umworben. Der FC Bayern sei ein großer Name, meint Hoeneß, und nichts lieben die Japaner so sehr wie Marken - ob Handtaschen, Autos oder Fußball. Sie wollen alles, was Mode ist, gepflegt und teuer aussieht.

So war die Mannschaft des deutschen Rekordmeisters gleich nach dem Abpfiff des Ligapokal-Spiels gegen Stuttgart am Dienstag auf den Münchner Flughafen gefahren, hatte sich auf den zwölfstündigen Flug nach Tokio gemacht und ging dort nach einer kurzen verschwitzten Nacht ins morgendliche Training.

„Fußball ist Globalisierung“

Am Abend hatten sie ihr erstes Spiel. Ballack, Makaay & Co. schenkten dem FC Tokyo vier Tore ein. Am Freitag drehten sie zwei Übungsrunden. An diesem Samstag steht ihnen Jubilo Iwata gegenüber. Dann geht es zurück nach Deutschland. Fußball nonstop. In einer Woche startet die Bundesliga. Die Münchner haben einen Titel zu verteidigen. "Die vier Tage in Japan sind schwer, doch sie sind wichtig", meint Hoeneß.

„Fußball ist Globalisierung.“ Das spiegle sich nicht nur im spielenden Personal. Das könnte sich bald auch in veränderten Anstoßzeiten der Bundesliga zeigen. Zwar rollte der deutsche Fußball auf dem lukrativen Werbemarkt in Fernost vergangene Saison erstmals live über die grasgrüne Fernsehbühne. Doch nach japanischer Ortszeit lag der Schlußpfiff stets weit nach Mitternacht. Das ließ die Kicker aus Hamburg, München und Berlin zwar präsent sein, aber nicht zur Hauptsendezeit auftreten. Engländer, Italiener und Südamerikaner sind da weiter. Sie verlegen ihre heimischen Anstoßzeiten, um sich auch dem Publikum am anderen Ende der Welt live, in Farbe und zur Prime-Time zu zeigen. Das zahlt sich aus.

Die britischen Spitzenclubs verdienen allein an der Auslandsvermarktung ihrer Premier-League 150 Millionen Euro im Jahr; die deutschen kommen auf 15 Millionen Euro. Italienische Vereine wie Mailand und Turin erzielten vergangene Saison aus TV-Einnahmen mehr als 130 Millionen Euro; der FC Bayern erhielt 15 Millionen Euro. Daher würde er gern die Latte für die im Herbst anstehenden Preisverhandlungen der neuen TV-Rechte etwas höher hängen. „Für die Rechte werden momentan 310 Millionen Euro im Jahr gezahlt“, sagt Hoeneß. „Wir müssen aber auf einen Betrag von 500 bis 600 Millionen Euro kommen.“ Der Preis der Premier-League-Rechte liegt bei 1 Milliarde Euro.

Auf Münchner Großsponsoren ist Verlaß

„Dennoch haben wir immer ganz oben mitgespielt“, sagt Hoeneß. Dabei konnten sich die Münchner auf ihre Großsponsoren verlassen. Im Aufsichtsrat der Bayern sitzen Top-Manager aus der deutschen Wirtschaft. „Diese Runde würde jedes Dax-Unternehmen schmücken“, meint Hoeneß.

Langzeitpartner Adidas hatte gar beim Aufbau der Aktiengesellschaft der Bayern vor vier Jahren einen 10 Prozent umfassenden Anteil übernommen. Im Gegenzug zahlte er 75 Millionen Euro. An einen Börsengang denkt Hoeneß nicht. "Das mag seinen Reiz haben, doch wir sehen, was in Dortmund und in Manchester passiert." Während dem schwarz-gelben Konkurrenten Borussia Dortmund durch eine laxe Finanzpolitik fast der Schlußpfiff seiner Vereinsgeschichte in den Ohren geklingelt hätte, ist der englische Rivale gerade durch den amerikanischen Milliardär Malcom Glazer von der Börse gekauft worden.

"Glazer liebt nicht den Verein", meint Hoeneß, "er liebt das Geld. Er will aus einer Milliarde zwei machen. Mit einem richtigen Fußballfan ist das nicht zu machen", meint er. So sucht Bayern im ganz großen Geschäft mitzumischen. Doch es will nach seinen Regeln spielen. Denn Geld allein schießt keine Tore, allenfalls hält es den Ball im Spiel.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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