Noch gibt es sie in den Souvenirläden Dublins zu kaufen: T-Shirts, die der Weisheit des Giovanni Trapattoni huldigen und einige seiner markantesten Sätze zitieren. So wie jenen, mit dem er einst einen wechselwilligen Spieler warnte: „Je mehr Wälder du betrittst, desto mehr Wölfe wirst du treffen.“ Im Falle Trapattonis verhält sich das derzeit ein bisschen anders. Hier scheint Trapattoni die Zerfleischung eher für den Fall zu drohen, dass er zu lange in seinem Revier bleibt.
Der Bus mit der deutschen Mannschaft hatte das Aviva-Stadion in Dublin am Freitagabend schon lange verlassen, als Trapattoni mit viel Herzblut seine Arbeit mit der irischen Mannschaft verteidigte - und damit bei den Journalisten nicht mehr durchdrang. Er habe doch nur die Spieler, die ihm zur Verfügung stünden, versuchte Trapattoni immer wieder deutlich zu machen. Er war erregt. Er gestikulierte. Er schlug auf den Tisch.
Doch er schien nicht zu verstehen, dass es darum gar nicht ging. Sondern darum, wie diese Spieler sich gegen Deutschland nach dem 0:1 aufgegeben hatten. Was war nicht alles im Vorfeld über die einschüchternde Atmosphäre im Stadion an der Lansdowne Road gemutmaßt worden - ein Publikum, das zu seiner Mannschaft steht, komme, was da wolle.
Am Freitag spielten sich die letzten Minuten vor halbleerer Kulisse ab. Gesungen wurde nur in der deutschen Kurve. Trapattoni musste sich sogar Buhrufe gefallen lassen. Der „Irish Independent“ schrieb anderntags von einem „Albtraum“ und von „Traps verzweifeltem letzten Aufbäumen“. Die „Irish Times“ beklagte ein „verfrühtes Halloween“ und eine „Horrorshow“. Im Sportteil hieß es dann sinnigerweise: „Caught in a Trap“ - in der Trap-Falle.
Die Iren haben genug von Trapattoni. Sie trauen ihm nicht mehr zu, die Mannschaft in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Wenn eine irische Elf nicht mal bis zum Äußersten kämpft - wo soll dann der Sinn, wo soll dann die Hoffnung sein? Und die Art und Weise, Fußball zu spielen - aus einer vergangen geglaubten Zeit.
Trapattoni sprach in brüchigem Englisch viel vom Stolz auf seine Leute und auch von seinen vergangenen Erfolgen. Aber niemand schien es mehr hören zu wollen. Es mag auch mit seinen 73 Jahren zu tun haben - aber er wirkte beim besten Willen nicht wie einer, dessen Botschaft noch durchdringen könnte. Am Ende hatte er nicht mal mehr die Lacher auf seiner Seite.
Ein Reporter wollte wissen, warum er weiter mit diesen Spielern arbeiten möchte, wenn sie doch nicht seinen Ansprüchen genügten. Trapattoni konterte mit der Gegenfrage, warum der Journalist noch bei seiner Zeitung arbeite, die doch nicht die Nummer eins sei. „Weil ich das Geld brauche“, sagte der. „Und Sie?“ Trapattoni antwortete nicht mehr. Seine T-Shirts wird es demnächst im Ausverkauf geben.
"Wie Flasche leer"
Wulf Hermann (wuhe)
- 13.10.2012, 20:07 Uhr