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Fußball Fußballklubs am Rande des finanziellen Zusammenbruchs

17.07.2006 ·  Vier italienischen Klubs drohen nach dem Fußballskandal empfindliche Strafen. Lazio Rom steht vor dem Konkurs, Juventus Turin drohen Verluste beim Kartenverkauf, den Fernsehrechten und der Wegfall großer Sponsoren. Weniger Sorgen machen sich der AC Milan und Florenz.

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Die nach den Fußballskandalen verurteilten vier italienischen Fußballklubs wollen nun den Weg in die Berufungsinstanz des Sportgerichts antreten und eventuell auch die normale Gerichtsbarkeit bemühen, um neben der Ehre und den sportlichen Titeln auch die Finanzen ihrer Klubs vor weiterem Schaden zu retten.

Der börsennotierte Fußballklub Juventus Turin, dessen Manager als die größten Bösewichte des Skandals gelten, wurde vom Sportgericht in der ersten Instanz am härtesten bestraft: mit der Zwangsrelegierung in die zweite Liga und einem Startkonto von minus 30 Punkten für die nächste Fußballsaison. Damit wären Hoffnungen auf eine baldige Rückkehr in die erste Liga illusorisch.

Kartenverkauf, Fernsehrechte, Sponsoren

Mit dem Zwangsabstieg sind aus der Sicht von Fachleuten auch gut 25 Prozent des Umsatzes in Gefahr. Im letzten Bilanzjahr, für die Fußballsaison 2004/2005 (Bilanzstichtag 30. Juni), hatte Juventus mit einem Umsatz von 229 Millionen Euro in etwa so viel Erlös erzielt wie die gesamte zweite Fußballiga Italiens. Von den bisherigen Erlösen werden Juventus zunächst einmal rund 20 Millionen Euro an Einnahmen aus Kartenverkäufen und Fernsehrechten in der europäischen Champions League fehlen.

Für die Fernsehrechte, die bisher die Hälfte der Erlöse ausmachten, haben die wichtigsten Vertragspartner, Rupert Murdochs Satellitensender "Sky" und Silvio Berlusconis Fernsehunternehmen Mediaset, das Recht, über eine Verringerung der Zahlungen zu verhandeln. Hauptsponsor Nike darf aus den bisherigen Verträgen aussteigen, wenn es Juventus nicht schaffen sollte, innerhalb von zwei Jahren wieder in die erste Liga zurückzukehren. Dagegen könnte der zweite Sponsor, das libysche Tankstellennetz unter der Marke "Tamoil", sofort den Vertrag kündigen. Allerdings sind die Libyer zugleich auch Aktionäre von Juventus.

Lazio gilt als akut konkursgefährdet

Insgesamt wird damit gerechnet, daß Juventus auf 50 bis 60 Millionen Euro seiner Erlöse verzichten muß. Zugleich wird der Verein einige seiner Spieler verkaufen wollen, wobei nicht klar ist, ob es zu "Schlußverkaufspreisen" kommt und damit außerordentliche Wertberichtigungen auf die Spieler nötig sind, die im Juni 2005 rund 147 Millionen Euro und Ende Dezember 2005 gut 155 Millionen Euro der Aktiva in der Juventus-Bilanz ausmachten. Juventus hat im Gegensatz zu anderen Mannschaften Mehrheitsaktionäre (62 Prozent Familie Agnelli, 7,5 Prozent Gaddafis Libyen) hinter sich, die zwar nicht besonders gerne frische Mittel in der Fußballbranche einsetzen wollen, aber dennoch gegenüber den Banken eine Garantie darstellen.

Demgegenüber gilt der Fußballklub Lazio Rom der Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" als akut konkursgefährdet. Der Fußballklub ist seit Jahren krisengeschüttelt. Doch selbst bei einem Verbleib in der ersten Liga hätte Lazio zu kämpfen gehabt. Die Saison 2004/2005 war mit einem Umsatz von 75 Millionen Euro und einem Nettoverlust von 24 Millionen Euro abgeschlossen worden. Für die kommenden 23 Jahre sind noch 140 Millionen Euro an Lohnsteuern nachzuzahlen. Zudem haben frühere mit überhöhten Werten für Fußballspieler aufgeblähte Bilanzen einen Abschreibungsbedarf von um die 150 Millionen Euro hinterlassen, für den eine Kapitalerhöhung bis 2007 geplant war.

Weniger Sorgen beim AC Milan und Florenz

Die dritte Mannschaft, die vom Sportgericht relegiert worden ist, der Florentiner Fußballklub im Besitz des Luxusunternehmers Diego Della Valle, muß dagegen keine finanzielle Schieflage fürchten. Doch für Della Valle, der nie einen Fehler gemacht hatte bei der Entwicklung seiner Luxusmarke "Tod's", wäre eine endgültige Verurteilung wegen unsportlicher Machenschaften vor allem ein Schatten auf seinem Image. Silvio Berlusconis AC Milan hat am wenigsten Finanzsorgen. Doch in den europäischen Wettbewerben war der Verein bisher auch ein interessanter Programmfüller für Berlusconis Fernsehunternehmen Mediaset.

Quelle: tp., F.A.Z., 17.07.2006, Nr. 163 / Seite 14
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