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Fußball Die Fans lassen nicht locker

16.01.2012 ·  Die Kluft zwischen der Kurve und den Verbänden ist groß. Doch der Blick über die Grenzen zeigt, dass sich andere Länder deutsche Verhältnisse geradezu wünschen.

Von Michael Horeni
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Der große Fankongress, den deutsche Fußballanhänger am Wochenende in Berlin organisiert und finanziert haben, hat keine revolutionären Forderungen gestellt, den Verbänden nicht den Kampf angesagt - und die Fangruppen haben sich darüber auch nicht in Selbstmitleid aufgelöst. Der Kongress hat also nicht für große Schlagzeilen gesorgt. In den beiden Tagen ist aber immer wieder die große Kluft deutlich geworden, die sich zwischen der Kurve und den Verbänden auftut.

Diese seit Jahren wachsende und nach Einfluss strebende Fußballbewegung von unten unterscheidet sich aber nicht nur in ihren Zielen und Wünschen - die vor allem im Umgang mit Pyrotechnik weiter aufeinanderprallen - vom Deutschen Fußball-Bund und der Deutschen Fußball Liga. Die Fanbewegung ist auch dem organisierten Fußball mit seinen ausgeprägten Hierarchien und den mitunter kaum transparenten Entscheidungswegen wesensfremd. In der Fanbewegung sucht man, wie in so vielen der jüngeren Protestbewegungen, vergeblich nach einem führenden Kopf, der den Ton an- und die Richtung für alle vorgibt.

In Berlin hat sich gezeigt, dass die Fans in der Lage sind, den Führungskräften von Verbänden und Vereinen in Diskussionen locker auf Augenhöhe zu begegnen. Es ist eine Generation von reflektierenden Anhängern herangewachsen, die auf den verschiedensten Themenfeldern Kompetenz besitzt und ihre Sache professionell vorantreibt. Sie wird auch künftig nicht lockerlassen. Das ist ihre Botschaft an Verbände und Vereine.

Der Kongress war nicht zuletzt ein Angebot der Anhänger, mit dem organisierten Fußball im Gespräch zu bleiben, auch wenn die Basta-Politik der Verbände in der Frage der Legalisierung von Pyrotechnik zu einem Vertrauensverlust geführt hat. Es liegt nun auch an DFB, DFL und den Klubs, auf die Fanbewegung eine organisatorische Antwort zu finden. Es genügt auf Dauer nicht, Fanbeauftragte in die Kurve abzukommandieren, wenn ihren Worten dort die Verbindlichkeit fehlt, weil sie über die Fragen, die sie mit Fans verhandeln, nicht entscheiden dürfen.

Immerhin kann tagelang geredet werden

Beim Reizthema Pyrotechnik zeigte sich mit Blick aufs Ausland, dass andere Länder andere Lösungen gefunden haben. In Norwegen etwa ist das Abfackeln von Bengalos unter bestimmten Umständen möglich. Mit dem Verbot, das DFB und DFL zu Jahresende bekräftigten, wird das Problem der Pyrotechnik aber auch zu Beginn der Rückrunde nicht einfach aus den Bundesligastadien verschwinden.

Der Blick über die Grenzen machte in Berlin aber auch deutlich, dass sich andere Länder deutsche Verhältnisse in ihren Stadien geradezu wünschen. Es ist in Europa eben keine Selbstverständlichkeit, dass man, wie hierzulande, selbst über die Dinge, die im deutschen Fußball schieflaufen, noch tagelang miteinander reden kann.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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