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Fußball Der FC Sevilla krönt sich glanzvoll

11.05.2006 ·  Für den FC Sevilla ist ein Fußball-Märchen wahr geworden: Durch das 4:0 im Uefa-Pokalfinale über den FC Middlesbrough sicherten sich die Spanier ihren ersten Titel seit 1948 - und die erste Trophäe auf der europäischen Fußball-Bühne.

Von Roland Zorn, Eindhoven
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58 Jahre nach dem letzten größeren Erfolg, dem Gewinn des spanischen Pokals, hat der FC Sevilla im hundertsten Jahr seines Bestehens seinen größten Erfolg gefeiert. Das wie aufgedreht agierende Team von Trainer Juande Ramos gewann auf überzeugende Art und Weise am Mittwoch abend im mit 31.000 Zuschauern ausverkauften Eindhovener Philips-Stadion den Uefa-Pokal mit einem 4:0-Endspielsieg über den FC Middlesbrough.

Die Treffer erzielten der Brasilianer Luis Fabiano (27. Minute), der Italiener Enzo Maresca mit einem Doppelschlag (78. und 84.) sowie der Malier Frederic Kanoute (89.) für die eindeutig bessere Mannschaft. Sevilla imponierte mit einer variablen Spielweise und einem hohen Maß an Entschlossenheit bei seinen Kontern nach der Pause gegen die tapferen, aber letztlich biederen Briten. Erstklassig war an diesem Abend auch die Leistung des deutschen Schiedsrichters Herbert Fandel, der die Partie jederzeit sicher leitete.

Leidenschaftlich und stolz

Die Farbe Rot hatte an diesem hochsommerlichen Tag das Bild von Eindhoven beherrscht. Die gleichermaßen leidenschaftlichen wie stolzen Fans beider Endspielklubs bekennen sich zu dieser Couleur wie die des PSV aus der Stadt des holländischen Meisters. Hier, fernab der niederländischen Kapitale Amsterdam und Rotterdam, war der passende Schauplatz für dieses Gipfeltreffen der internationalen Fußballprovinz. Von Titeln nämlich konnten sie sowohl in der nordostenglischen Gemeinde Middlesbrough, sieht man von einem Ligapokalgewinn 2004 ab, als auch in der andalusischen Hauptstadt Sevilla seit Jahren nur träumen.

Immerhin: Der FC, Fünfter der Primera Division nach einer starken Saison, galt von vornherein als Favorit, da die Engländer als Vierzehnte der Premier League in der Punktrunde nicht gerade eine aufregende Erfolgsgeschichte geschrieben haben. Andererseits imponierte die Elf des kommenden englischen Nationaltrainers Steve McClaren mit ihren unwiderstehlichen Endspurtqualitäten im Verlauf der Uefa-Pokalkonkurrenz, als sie sowohl das Halbfinale als auch das Endspiel auf den letzten Drücker erreichte.

Altenglisch-antiquierter Fußball

In Eindhoven demonstrierten die Andalusier von vornherein ihre spielerische Überlegenheit gegen ein Team, dessen Fußball altenglisch-antiquiert wirkte. Gegen die immer wieder von den Außenverteidigern Alves und David in Schwung gesetzten Aktionen einer harmonisch aufeinander abgestimmten Mannschaft fand Middlesbrough 45 Minuten lang kein Mittel. Sevilla kombinierte und faszinierte mit einem modernen Tempofußball, bei dem der Ball meist flach gehalten und die Spielzüge raumgreifend über die Flügel inszeniert wurden. Das sah nicht nur gut aus, sondern führte auch zum Erfolg. Der überragende Rechtsverteidiger Daniel Alves hob den Ball in der 27. Minute derart gefühlvoll auf den Kopf des unbedrängten Luis Fabiano, daß der Brasilianer wuchtig und mühelos das 1:0 erzielen konnte. Von da an ging die Fiesta bei 10.000 hüpfenden und singenden andalusischen Aficionados richtig los. Die Briten konnten von Glück reden, daß der FC Sevilla nicht mit letzter Entschlossenheit nachsetzte, denn sonst hätte die Partie vielleicht schon bei Halbzeit entschieden sein können.

So aber schickte McClaren seinen Talisman Maccarone aufs Feld. Der Italiener, dessen Last-minute-Treffer in den Runden davor Middlesbrough die Traumreise nach Eindhoven beschert hatten, ersetzte Morrison; bei Sevilla mußte der enttäuschende argentinische Star Saviola zur Halbzeit Platz machen für den früheren Tottenham-Profi Kanoute. Die vorher einseitige Begegnung gewann nun an Offenheit und legte damit an Spannung und Attraktivität zu. Viduka hätte für den endlich mutigen FC Middlesbrough den Ausgleich schießen müssen, scheiterte aber überhastet an Torhüter Palop (52.). Auf der anderen Seite boten die Engländer nun ideale Angriffsflächen für Konter, die sich dem enorm zügigen Navas (52./73.) oder seinem Pendant auf der linken Seite, Adriano (50.), boten.

Andalusische Fiesta

Mit wachsender Spieldauer erhöhten die Engländer zwar den Druck, doch Sevilla beschränkte sich nie auf die schlichte Verteidigung des knappen Vorsprungs - dafür hat dieses elastische Team ein zu großes spielerisches Potential. Und damit belohnten sich die Spanier, ole, in der 78. Minute, als der Italiener Maresca einen weiteren brandgefährlichen Konter über den nach der Pause unaufhaltsamen Navas zum entscheidenden 2:0 abschloß. Maresca (84.) und Kanoute (89.) legten in dieser schließlich einseitigen Partie noch zwei Tore nach. Als die Sieger des FC Sevilla den großen Silberpokal endlich zu fassen bekamen, wurde im Philips-Stadion längst eine große andalusische Fiesta in dieser ganz und gar spanischen Nacht gefeiert.

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