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Fußball Der FC Bayern macht das Pokal-Dutzend voll

29.05.2005 ·  Der FC Bayern München hat den DFB-Pokal zum zwölften Mal gewonnen. Vor 74.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion besiegte der Rekordmeister den FC Schalke 04 2:1 und machte damit zum fünften Mal das Double perfekt.

Von Roland Zorn, Berlin
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Beim 62. Endspiel um den DFB-Vereinspokal haben ausnahmsweise nicht die Spieler im Blickpunkt gestanden. Schiedsrichter Florian Meyer zog beim 2:1-Sieg des deutschen Meisters FC Bayern München über den FC Schalke 04 alle Blicke auf sich, weil er mit vier krassen Fehlentscheidungen den Verlauf der Begegnung nachhaltig mitbestimmte. Immerhin gewann am Ende die bessere Mannschaft durch Tore von Makaay (42.) und Salihamidzic (76.) gegen die tapfer kämpfenden Westfalen, für die Lincoln das Tor zum 1:1 per Elfmeter schoß (45.).

Fünftes Double

Die Bayern gewannen damit im Berliner Olympiastadion zum zwölften Male den goldenen Pott, den ihnen Bundespräsident Horst Köhler am späten Samstagabend überreichte. Es war zugleich das fünfte Double für die in dieser Spielzeit überragende deutsche Mannschaft. „Es wäre ja ein Wahnsinn gewesen, wenn wir dieses Spiel nicht gewonnen hätten, nachdem wir schon zur Halbzeit 3:0 hätten führen müssen“, sagte Bayern-Manager Hoeneß.

Bayern macht Pokal-Dutzend voll

Das hat es in der Geschichte der Berliner Pokalendspiele noch nie gegeben: einen Tag, der so heiß war, und einen Tag, an dem sich die Nummer eins und die Nummer zwei der Bundesliga zum finalen Countdown trafen. 35 Grad im Schatten zeigte das Thermometer unter der glühenden Sonne tagsüber an, immer noch 30 Grad, als es um 20.45 Uhr zwischen den Königsblauen aus Gelsenkirchen und den Roten aus München endlich losging. 74 349 Zuschauer bildeten zu diesem Festspiel auf dem Tropenübungsplatz im ausverkauften Olympiastadion die stimmungsvolle Kulisse. Alles war angerichtet zu einer Megaparty des deutschen Fußballs, in der sich zeigen sollte, ob Bayern-Manager Uli Hoeneß mit seiner These recht gehabt hatte, die da lautete: „Es ist undenkbar, daß eine Mannschaft wie Schalke 04 den FC Bayern München dreimal in einer Saison schlägt.“ Was nach den zwei 0:1-Niederlagen in der Ligasaison zu beweisen war.

Meyer liegt immer wieder schief

Wäre nach der ersten Halbzeit alles so gekommen, wie es hätte entschieden werden müssen, den Münchnern wäre wohler zumute gewesen. Die Bayern nämlich bestimmten die Partie, besaßen genügend Torgelegenheiten und gingen doch nur mit einem 1:1 in die Kabine. Dabei entlud sich der Zorn der Münchner Meisterspieler vor allem gegen Schiedsrichter Meyer, der ihnen einen unzweideutigen Handelfmeter - Vermant hatte einen Distanzschuß von Ballack mit dem Arm pariert - verweigerte (24. Minute) und dazu einen einwandfreien Treffer von Pizarro (38.) wegen einer angeblichen Abseitsposition aberkannte. So viel Ungerechtigkeit war schwer zu ertragen. Deshalb schien Makaays Treffer zum 1:0 für die Münchner im zweiten Versuch nach vorangegangenem Pfostenschuß von Zé Roberto (42.) die Gemüter zunächst beruhigt zu haben. Das bessere Team lag in Führung, und die 25 000 Münchner Fans waren's zufrieden.

Ailton taucht ab

Dann aber fiel der bis dahin unauffällige Ailton doch einmal auf, als er plötzlich, kaum erkennbar von Kovac touchiert, am Boden lag. Der Unparteiische, dem auch in dieser Szene der große Durchblick fehlte, entschied trotzdem kurzentschlossen auf Strafstoß. Kahn und alle anderen Münchner Spieler protestierten vergeblich. Lincoln, in dieser sehr intensiv geführten Auseinandersetzung bis dahin der feinste Fußballspieler unter vielen manchmal rustikalen Kämpfernaturen, nutzte die Gelegenheit zum prompten Ausgleich (45.).

Für die nächste kalte Dusche sorgte dann die Sprinkleranlage der Arena, die angesichts des hüben wie drüben nachlassenden Spielflusses nach einer Stunde plötzlich zu sprudeln begann. „Ein bißchen Spaß muß sein“, hieß der dazu eingespielte Stimmungshit zum Berliner Showact. Die Partie dagegen, vor der Pause überaus heißblütig und verbissen geführt, verlief sich von Minute zu Minute mehr ins Ungefähre. Von der erhofften Werbeveranstaltung für den deutschen Fußball konnte längst keine Rede mehr sein. Immerhin hatten die Schalker auf den Rängen längst ein phonetisches Übergewicht, während auf dem neu verlegten Rasen nach wie vor die Bayern, wenn auch nicht mehr so zwingend wie vor der Pause dominierten. In der 76. Minute zeigte der eben eingewechselte Salihamidzic, was es bedeutet, wenn einer von sich sagt, er habe sofort ins Spiel gefunden. Leider war sein von Meyer anerkannter Treffer zum 2:1 nach einem Paß von Makaay aus einer Abseitsstellung heraus erzielt - die vierte krasse Fehlentscheidung des Burgdorfer Referees, der schon bessere Tage im schwarzen Trikot erlebt hat.

So endete das 45 Minuten lang rassige, danach ziemlich zähe Endspiel mit einem Mißklang, den nicht die Spieler, sondern der Unparteiische zu verantworten hatte. Schade für diesen großen deutschen Fußballfeiertag.

Schalke 04 - Bayern München 1:2
Schalke: Rost - Oude Kamphuis (46. Altintop), Bordon, Krstajic, Kobiaschwili - Poulsen (82. Rodriguez), Vermant - Lincoln - Asamoah, Sand, Ailton (71. Hanke)
München: Kahn - Sagnol (90.+2 Deisler), Lucio, Kovac, Lizarazu - Demichelis - Schweinsteiger (75. Salihamidzic), Ballack, Ze Roberto (82. Frings) - Makaay, Pizarro
Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
Tore: 0:1 Makaay (42.), 1:1 Lincoln (45., Foulelfmeter), 1:2 Salihamidzic (76.)
Zuschauer: 74.349 (ausverkauft)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29. Mai 2005
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