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Fußball „Das ist bitter“: Du-Ri Cha fühlt sich abgeschoben

11.05.2006 ·  Die erwartete Botschaft erreichte ihn auf Umwegen. Sie hat ihm nicht gefallen. Und: Es war nicht Dick Advocaat, der Du-Ri Cha am Donnerstag morgen anrief, um den Koreaner über das Ende seiner Weltmeisterschaftsträume zu informieren.

Von Ralf Weitbrecht
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Die erwartete Botschaft erreichte ihn auf Umwegen. Es war nicht Dick Advocaat, der Du-Ri Cha am Donnerstag morgen anrief, um den Koreaner über das Ende seiner Weltmeisterschaftsträume zu informieren. Es war die Mutter aus Seoul, die dem für die Frankfurter Eintracht spielenden Fußballprofi mit der neuesten Meldung aus Fernost versorgte. Natürlich reagierte Cha „auf jeden Fall enttäuscht“ darüber, daß er neben vier weiteren Landsleuten lediglich auf Abruf für das global umspannende Ereignis zur Verfügung stehen darf - also de facto wohl zum Zuschauen verdammt ist.

Advocaat ist nicht Chas Liebling, und Cha ist nicht Advocaats Liebling. Selbst das Traumtor in der Vorwoche, als Cha mit einem Treffer aus annähernd dreißig Metern für die Eintracht zum 1:0 bei der Dortmunder Borussia traf und den letzten Schritt zum Klassenverbleib ebnete, vermochte den zuschauenden Nationalcoach der koreanischen Auswahlmannschaft nicht nachhaltig zu beeindrucken. „Wenn man nach fünf Jahren Nationalteam so abgeschoben wird, ist das schon bitter“, sagte der 25 Jahre alte Cha. Was ihn besonders schmerzt: „Advocaat spricht deutsch, und ich spreche auch deutsch.“ Doch der Holländer und der in Frankfurt geborene Koreaner haben nie so recht zueinander gefunden.

Schwieriges Verhältnis zum Nationalcoach

Schon zu Beginn des Jahres, als Cha das Trainingslager der Eintracht in Portugal als Ausgangspunkt dazu nutzte, um sportlich den hohen Erwartungen Advocaats gerecht zu werden, äußerte er sich zurückhaltend über das schwierige Verhältnis zu seinem Nationalcoach. „Ich habe bislang kaum mit ihm geredet. Kein Spieler ist gesetzt. Jeder muß sich anbieten, und ich denke, daß ich Stürmer bleibe.“ Eine Einschätzung, die sich im Blick zurück wohl als Irrtum erweist. Denn mittlerweile ist aus dem gelernten Stürmer Cha ein Verteidiger geworden. Eine Rolle, die ihm Trainer Friedhelm Funkel zugewiesen hat und die Cha selbst nun auch so sieht.

Natürlich spielt Cha, einer der Frankfurter Publikumslieblinge, auch mit dem Herzen Fußball. Doch mehr als bei anderen ist sein Spiel kopfgesteuert und lebt weniger von der Intuition. „Bei mir ist es so, daß immer viel vom Kopf abhängt.“ 78 Bundesligaspiele und fünf Tore sprechen eine deutliche Sprache. Daß zwischen Cha und einigen koreanischen Medien kein inniges Verhältnis mehr zustandekommen wird, ist die eine Seite.

So ignorierte der Koreaner aus gutem Grund am Donnerstag die Versuche von vier Reportern, während (!) des Trainings ein Fernsehinterview mit ihm zu führen. Nein, Schuld an seiner Nichtnominierung seien nicht die Medien, sagte er später. „Schuld bin alleine ich.“ Doch Cha ist klug genug, die Lehren aus diesem Tiefschlag zu ziehen. „Ich werde gucken, daß ich mir viele Spiele bei der Weltmeisterschaft in Deutschland anschaue. Ich will als Zuschauer etwas lernen.“

Einsatz beim Schur-Abschied

Cha wird spielen, wenn die Eintracht an diesem Samstag mit der Partie gegen Borussia Mönchengladbach die Saison beschließt und sich anschließend in der Arena gebührend von den Fans verabschieden will. Ob aber auch Alexander Schur zum Einsatz kommt, ließ Funkel am Donnerstag unbeantwortet. Nur soviel: „Die Wahrscheinlichkeit, daß ich ihn einsetze, ist groß. Er ist fähig, der Mannschaft in bestimmten Situationen zu helfen.“ Eine Dankeschönaktion soll es also nicht geben für den ersten Kapitän, der am Samstag seine Karriere bei der Eintracht beendet. „Ich verteile keine Geschenke“, so Funkel. Im Gegenteil: Schon an diesem Freitag muß Schur seinen Mann stehen und soll mithelfen, daß die nach wie vor akut abstiegsbedrohten Amateure der U 23 in der Oberliga in Vellmar erfolgreich sind.

Zum Finale wollen die Profis Gladbach schlagen, „weil es ein werthaltiges Spiel ist“, wie Vorstandschef Heribert Bruchhagen abermals betonte. Der mögliche Tabellensprung um bis zu vier Plätze nach oben würde der Eintracht eine „Summe klar oberhalb einer Million“ in die Kassen spülen. Doch es geht auch darum, sich beim Anhang für „Kreativität und Konstruktivität“ zu bedanken. Und auch Petra Roth wird zur großen Eintracht-Familie sprechen. Die Oberbürgermeisterin, die eigentlich die Eintracht nach der Partie in den Römer eingeladen hatte, entspricht dem Wunsch des Klubs, von der Terrasse des Business-Clubs aus saisonabschließende Worte an die Frankfurter Fußballgemeinde zu richten.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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