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Fußball-Business : „Ohne Investoren könnten viele Klubs gar nicht überleben“

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Martin Kind: Private Investitionen bringen Innovation in die Vereine Bild: dpa

Seine Position ist eindeutig: „Bundesligaklubs sind Wirtschaftsunternehmen.“ Martin Kind, Präsident von Hannover 96, im Gespräch über verkaufte Seelen, falsche Fußball-Romantik und HSV-Mäzen Kühne.

          Freuen Sie sich schon auf den HSV-Investor Klaus-Michael Kühne als neuen Mitstreiter in der Bundesliga für Ihre Position?

          Er liebt den Verein, möchte helfen und sich beim HSV engagieren. Ich kann das nur begrüßen. Aber in Hamburg müssen die Bedingungen für eine Professionalisierung ja erst noch geschaffen werden.

          Fußball-Traditionalisten, auch beim HSV, behaupten, dass durch die Umwandlung der Profisparte aus dem Verein heraus in eine Kapitalgesellschaft und der Beteiligung eines privaten Geldgebers die Seele des Vereins verkauft würde.

          Andersherum: Investoren oder Gesellschafter, die sich bei einem Verein engagieren, erhalten seine Seele. Sonst könnten doch viele Klubs gar nicht überleben. Es gibt einige Beispiele in der Bundesliga, wie Augsburg, Hoffenheim oder wir hier in Hannover, wo das Engagement von Kapitalgebern der Entwicklung der Vereine deutlich zuträglich war. Auch die Traditionalisten wollen am Ende eines: sportlichen Erfolg. Und der kommt nur durch Professionalisierung.

          Wie sind Ihre Erfahrungen in Hannover, wo Sie spätestens im Jahr 2018 den Klub nach einer Sonderregel mit sieben Gesellschaftern ganz übernehmen wollen?

          Meine Position ist eindeutig: Bundesligaklubs sind Wirtschaftsunternehmen, bei denen es darum geht, ob sie wirtschaftlich stabil sind, ihre Traditionen pflegen und sportlichen Erfolg haben. Dafür müssen Gesellschafter oder Investoren auch Einfluss auf Prozesse und Entscheidungen bekommen können. Sie bezeugen ja dadurch eine hohe Identität zum Verein. Daraus wird auch Herr Kühne seine Überlegungen ableiten.

          Zu welchen Effekten führen denn private Investitionen in eine Fußball-Kapitalgesellschaft normalerweise?

          Es kommt Innovation rein, Veränderungsbereitschaft ist da, verkrustete Strukturen werden aufgebrochen. Damit sind auch wir in Hannover gut gefahren. Wir sind jetzt wirtschaftlich und sportlich stabil.

          In Hamburg wird noch über den richtigen Weg diskutiert.

          Es gibt keine Alternative. Die Umwandlung zu einem Wirtschaftsunternehmen mit allen Konsequenzen kann einen Verein nur weiterbringen. Er wird professioneller, stabilisiert die Bilanzstruktur und entwickelt seine Marke.

          Es gibt ja auch Negativbeispiele in England mit Heuschrecken oder sprunghaften Mäzenen, die Klubs in den Ruin treiben.

          Wir machen das bei uns nur mit Personen und Unternehmen aus dem Raum Hannover. Hier geht es darum, den Fußball über sieben Gesellschafter mit regionaler Verantwortung professionell abzusichern. Ich denke, Herr Kühne wird das in Hamburg ähnlich betrachten.

          Fürchten Sie mit dem frischen Geld eines Mäzens in Hamburg und starken Strukturen beim HSV keine neue Konkurrenz im Norden?

          Das hilft doch dem ganzen Fußball im Norden. Desto erfolgreicher lässt sich gemeinsam der Markt entwickeln. Darüber hinaus würde uns die Wettbewerbssituation alle weiterbringen.

          Die Fragen stellte Michael Ashelm.

          Quelle: F.A.S.

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