Home
http://www.faz.net/-gtl-771ik
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.02.2013, 11:36 Uhr

Fußball-Bundesliga „Da kollabiert das System“

BVB-Chef Watzke und Eintracht-Vorstandchef Bruchhagen warnen vor weiteren von Großunternehmen finanzierten Klubs. Sie könnten Traditionsvereine aus der Bundesliga verdrängen. Auch Leverkusen und Wolfsburg hätten eine Ausnahmestellung. Diese argumentieren dagegen.

© dpa Möchte keine weiteren Gastvereine mit nur 500 Zuschauern: BVB-Chef Hans-Joachim Watzke

„Wir können nicht noch drei Mannschaften gebrauchen, die vor 25.000 Zuschauern spielen und auswärts nur 500 Zuschauer mitbringen. Da kollabiert das System, da ist es vorbei mit der Roadshow im Ausland“, sagte der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung in einer Podiumsdiskussion des SpoBiS. Auf dem Kongress in Düsseldorf tagten bis Dienstag Marketing-, Medien- und Sportexperten sowie Sponsoren. Unter dem Motto „Clash der Kulturen: Was Werksclubs und Traditionsvereine eint und was sie auseinander bringt“ diskutierten Vertreter von Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg teilweise heftig und konträr.

„Wollen wir das?“

Traditionsvereine wie der 1. FC Kaiserslautern oder der 1. FC Köln, die immer ausverkaufte Stadien hätten, würden „durch Werksclubs um drei Plätze zurückgeschoben – bis in die zweite Liga“, meinte Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen. 1899 Hoffenheim mit Mäzen Dietmar Hopp habe eine Sonderrolle. Bruchhagen ging in seinen Überlegungen noch weiter und nannte Beispiele für seine Befürchtungen. Wenn jetzt etwa noch Audi sein Engagement in Ingolstadt intensivieren würde und Red Bull in Leipzig die Anstrengungen für einen Erstligaklub verstärke, könnten weitere Klubs aus der Bundesliga vedrängt werden, sagte er. „Wollen wir das?“

Mehr zum Thema

Watzke ergänzte mit Hinweis auf einen seiner Meinung nach besonderen Status, den schon jetzt Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg durch die Zuschüsse ihrer Mütter-Unternehmen genießen würde, dass er davor warne, „die Reihe noch auszuweiten.“ Einem gewissen Geldbetrag würde eine gewisse Leistung gegenüberstehen, sagte hingegen Thomas Röttgermann, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg. Der Deal mit dem VfL sei für VW ein genialer Deal. Wolfgang Holzhäuser, Sprecher der Geschäftsführung von Bayer 04, hielt dagegen, dass der Leverkusener Etat kleiner wäre, als die Beträge, die andere Klubs von Hauptsponsoren kassieren würden. Der Bayer Etat liege in der Liga auf Platz fünf oder sechs, dennoch mache der Verein „mit den 25,2 Millionen einen guten Job.“ Er bezweifle aber nicht, dass es Neider gebe.

Bild Bruchhagen © dapd Vergrößern Heribert Bruchhagen: Ingolstadt und Leipzig könnten die nächsten sein

Und Holzhäuser kehrte die Argumentation um: Eintracht Frankfurt würde seit Jahren Sponsorengelder vom Flughafenbetreiber Fraport kassieren, an dem die Stadt Frankfurt und das Land Hessen Anteile besitzen. „Das ist auch eine Art Finanzdoping durch die öffentliche Hand.“ BVB-Chef Watzke regte indes eine andere Verteilung der TV-Gelder, der Haupteinnahmequelle der Profivereine, nach neuen Kriterien an: Mindestens die Hälfte müsse weiter über sportlichen Erfolg vergeben werden. Doch auch andere Parameter wie Zuschauerzahl, TV-Quoten und landesweite Popularität sollten für die Verteilung an einzelne Verein maßgeblich sein. In Holland etwa würden diese Punkte mit berücksichtigt. Röttgermann argumentierte dagegen, es sei „immer eine Gefahr festzulegen“, ob ein Verein gut oder schlecht sei. Es sei „völlig unmöglich“, daraus ein Regelwerk abzuleiten.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eintracht Frankfurt Wochen der Wahrheit

Wer wird Nachfolger von Vorstands-Chef Bruchhagen? Im Aufsichtsrat der Eintracht existieren viele Ideen – von diesem Mittwoch an wird geklärt, welche am realistischsten ist. Mehr Von Marc Heinrich, Frankfurt

27.01.2016, 12:02 Uhr | Rhein-Main
Bundesliga Gladbach und Dortmund treffen sich zum Spitzenspiel

Zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde empfängt Borussia Mönchengladbach die Mannschaft von Borussia Dortmund. Mehr

22.01.2016, 20:22 Uhr | Sport
0:0 in Augsburg Frankfurt hat nicht immer einen Dreier-Meier

Nach seiner viel umjubelten Tore-Gala gegen Wolfsburg bleibt Eintracht-Stürmer Alex Meier gegen Augsburg blass und ohne Tor. Der FCA verliert zum siebten Mal in Folge nicht – auch wegen der starken Leistung eines Spielers. Mehr Von Ralf Weitbrecht, Augsburg

30.01.2016, 17:56 Uhr | Sport
Bundesliga FC Bayern nach Testspiel-Niederlage zurück im Alltag

Nach der Testspiel-Niederlage gegen den KSC schoben die Profis des FC Bayern München eine Trainingseinheit am Sonntag. Der Rekordmeister eröffnet die Rückrunden-Saison am Freitag mit dem Match gegen den HSV. Mehr

18.01.2016, 09:26 Uhr | Sport
Eintracht Frankfurt Lehrling fordert Meister

Die Begegnung der stabilisierten Eintracht mit den erstarkten Stuttgartern verspricht im Kampf gegen den Abstieg besonderen Reiz. Viele Plätze im Stadion bleiben trotzdem leer. Mehr Von Marc Heinrich, Frankfurt

06.02.2016, 08:12 Uhr | Rhein-Main
Umfrage

Wie weit kommt das DFB-Team bei der EM 2016?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Wann wird die Bundesliga wieder spannend?

Von Peter Penders

In England führt mit Leicester die De-Luxe-Ausgabe von Darmstadt 98. In Deutschland bietet auch ein Spieltag mit drei Spitzenpartien keinen besonderen Spannungsbogen. Hoffnung gibt es dennoch. Mehr 14 4