Home
http://www.faz.net/-gtl-771ik
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Fußball-Bundesliga „Da kollabiert das System“

BVB-Chef Watzke und Eintracht-Vorstandchef Bruchhagen warnen vor weiteren von Großunternehmen finanzierten Klubs. Sie könnten Traditionsvereine aus der Bundesliga verdrängen. Auch Leverkusen und Wolfsburg hätten eine Ausnahmestellung. Diese argumentieren dagegen.

© dpa Möchte keine weiteren Gastvereine mit nur 500 Zuschauern: BVB-Chef Hans-Joachim Watzke

„Wir können nicht noch drei Mannschaften gebrauchen, die vor 25.000 Zuschauern spielen und auswärts nur 500 Zuschauer mitbringen. Da kollabiert das System, da ist es vorbei mit der Roadshow im Ausland“, sagte der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung in einer Podiumsdiskussion des SpoBiS. Auf dem Kongress in Düsseldorf tagten bis Dienstag Marketing-, Medien- und Sportexperten sowie Sponsoren. Unter dem Motto „Clash der Kulturen: Was Werksclubs und Traditionsvereine eint und was sie auseinander bringt“ diskutierten Vertreter von Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg teilweise heftig und konträr.

„Wollen wir das?“

Traditionsvereine wie der 1. FC Kaiserslautern oder der 1. FC Köln, die immer ausverkaufte Stadien hätten, würden „durch Werksclubs um drei Plätze zurückgeschoben – bis in die zweite Liga“, meinte Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen. 1899 Hoffenheim mit Mäzen Dietmar Hopp habe eine Sonderrolle. Bruchhagen ging in seinen Überlegungen noch weiter und nannte Beispiele für seine Befürchtungen. Wenn jetzt etwa noch Audi sein Engagement in Ingolstadt intensivieren würde und Red Bull in Leipzig die Anstrengungen für einen Erstligaklub verstärke, könnten weitere Klubs aus der Bundesliga vedrängt werden, sagte er. „Wollen wir das?“

Mehr zum Thema

Watzke ergänzte mit Hinweis auf einen seiner Meinung nach besonderen Status, den schon jetzt Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg durch die Zuschüsse ihrer Mütter-Unternehmen genießen würde, dass er davor warne, „die Reihe noch auszuweiten.“ Einem gewissen Geldbetrag würde eine gewisse Leistung gegenüberstehen, sagte hingegen Thomas Röttgermann, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg. Der Deal mit dem VfL sei für VW ein genialer Deal. Wolfgang Holzhäuser, Sprecher der Geschäftsführung von Bayer 04, hielt dagegen, dass der Leverkusener Etat kleiner wäre, als die Beträge, die andere Klubs von Hauptsponsoren kassieren würden. Der Bayer Etat liege in der Liga auf Platz fünf oder sechs, dennoch mache der Verein „mit den 25,2 Millionen einen guten Job.“ Er bezweifle aber nicht, dass es Neider gebe.

Bild Bruchhagen © dapd Vergrößern Heribert Bruchhagen: Ingolstadt und Leipzig könnten die nächsten sein

Und Holzhäuser kehrte die Argumentation um: Eintracht Frankfurt würde seit Jahren Sponsorengelder vom Flughafenbetreiber Fraport kassieren, an dem die Stadt Frankfurt und das Land Hessen Anteile besitzen. „Das ist auch eine Art Finanzdoping durch die öffentliche Hand.“ BVB-Chef Watzke regte indes eine andere Verteilung der TV-Gelder, der Haupteinnahmequelle der Profivereine, nach neuen Kriterien an: Mindestens die Hälfte müsse weiter über sportlichen Erfolg vergeben werden. Doch auch andere Parameter wie Zuschauerzahl, TV-Quoten und landesweite Popularität sollten für die Verteilung an einzelne Verein maßgeblich sein. In Holland etwa würden diese Punkte mit berücksichtigt. Röttgermann argumentierte dagegen, es sei „immer eine Gefahr festzulegen“, ob ein Verein gut oder schlecht sei. Es sei „völlig unmöglich“, daraus ein Regelwerk abzuleiten.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Saisonauftakt in München Der Frauenfußball rüstet auf

Vor dem Start in die 26. Spielzeit befindet sich die Frauen-Bundesliga in einem Umbruch: Immer mehr Männerklubs entdecken den Frauenfußball - und bringen mehr Geld in die Liga. Für die Traditionsvereine wird es schwer. Mehr Von Sebastian Koch

28.08.2015, 10:47 Uhr | Sport
Bundesliga-Vorschau Für Bayern zählt nicht Bayer, sondern Barca

Der Meistertitel ist sicher, der Pokal verspielt: Das Spiel in Leverkusen ist für den FC Bayern nur eine Zwischenstation vor dem Halbfinale in der Champions League in Barcelona. Für Bayer indes geht es um viel. Mehr

01.05.2015, 18:04 Uhr | Sport
Bayer Leverkusen 20 Millionen Euro für einen Sieg

Im Rückspiel der Champions-League-Playoffs muss Leverkusen ein 0:1 gegen Lazio Rom wettmachen. Der Geldsegen, den ein Einzug in die Gruppenphase verspricht, käme Bayer sehr gelegen. Mehr Von Richard Leipold, Leverkusen

26.08.2015, 14:30 Uhr | Sport
Bundesliga Bayern gegen Bayer

In der Tabelle liegen Bayern München und Bayer Leverkusen vor dem dritten Spieltag nebeneinander auf Platz zwei und drei. Die Gäste aus dem Rheinland geben sich vor der Partie am Samstagabend bescheiden. Des weiteren präsentierte die Werkself ihren Neuzugang Kevin Kampl aus Dortmund. Mehr

28.08.2015, 16:35 Uhr | Sport
Eintracht Frankfurt Hübners Vertrag bis 2019 verlängert

Die Eintracht ordnet ihre Führungsspitze neu: Der Sportdirektor bleibt bis 2019, im Vorstand gibt Bruchhagen Einfluss ab. Zudem ist Inui sich mit dem SD Eibar einig und Kadlec darf nicht weg. Mehr Von Marc Heinrich, Frankfurt

25.08.2015, 20:42 Uhr | Rhein-Main

Veröffentlicht: 19.02.2013, 11:36 Uhr

Schweigen und denken

Von Achim Dreis

Leben und arbeiten – ohne Handy, ohne Internet, ohne Fernsehen. Die deutschen Volleyballer absolvieren ein besonderes Trainingslager. Doch dahinter steckt eine Idee. Und der Höhepunkt folgt zum Schluss. Mehr 0