Was haben die Bosse des FC Bayern dem Weltfußballverband und dessen Präsidenten Joseph Blatter nicht schon alles an den Kopf geworfen. Der Fifa-Präsident gehöre abgesetzt, schmetterte es aus München. Die Organisation sei ein „Korruptionsstadl“, geführt von „untragbaren Figuren“. Hinter der krachend-bajuwarischen Kritik steckt auch mehr als nur ein Funken Wahrheit. Doch ist die Kraftmeierei vor allem Ausdruck des wachsenden Anspruchs der großen Klubs, die mehr Einfluss gewinnen wollen auf die wichtigen Entscheidungen des Fußballs. Schließlich sehen sie sich als Zahlmeister des Starrummels.
Vorerst wird das Gezerre zwischen den beiden Machtpositionen nach den neuesten Entscheidungen des Weltverbandes weitergehen. Zwar geht die unter Reformdruck stehende Fifa auf die Vereine zu, akzeptiert den komprimierten Jahreskalender mit Doppelspieltagen für Nationalmannschaften und will die eingesetzten Klubspieler bei Länderspielen angemessen versichern. Aber bei der Frage nach einer höheren Beteiligung der Vereine an den Einnahmen der WM-Turniere hält der steinreiche Fußball-Konzern die Schatulle noch fest geschlossen.
Und der nächste große Krach steht bevor: Gerade wurde von der Fifa beschlossen, dass die Klubs verpflichtend U-23-Spieler bereitzustellen hätten für das olympische Turnier in London. Die Trainer werden nicht erfreut sein. Der olympische Termin fällt mitten in die Saisonvorbereitung der Topligen in Europa. Vor Peking 2008 hatten zahlreiche Klubs wie Schalke 04 (Rafinha), Werder Bremen (Diego) oder auch der FC Barcelona (Messi) vor dem Internationalen Sportgerichtshof gegen die Abstellverpflichtung geklagt - und recht bekommen. Im Machtkampf zwischen Vereinen und Dachverband geht es also garantiert in die nächste Runde.