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Für Robert Deutsche Nationalmannschaft verfasst Abschiedsbrief

18.11.2009 ·  Acht Tage nach dem Selbstmord Robert Enkes haben sich die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit einem Brief von ihrem gestorbenen Kollegen verabschiedet. Der DFB erwägt zudem die Gründung einer Robert-Enke-Stiftung.

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Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat ihre Trauer um den wegen seiner Depressionserkrankung freiwillig aus dem Leben geschiedenen Nationaltorwart Robert Enke in einem Abschiedsbrief zum Ausdruck gebracht.

„Dein Tod ist für uns immer noch allgegenwärtig. Er hat uns alle sprachlos gemacht, fassungslos, hilflos. Wir waren wie gelähmt, als wir die unerträgliche Nachricht bekommen haben. Wir waren nicht in der Lage, unsere Trauer in Worte zu fassen. Wir waren nicht in der Lage, ein paar Tage später Fußball zu spielen. Wir konnten nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen“, heißt es in dem von der kompletten Nationalmannschaft unterzeichneten Schreiben, das vor dem Länderspiel am Mittwoch gegen die Elfenbeinküste in Gelsenkirchen bekannt wurde. Auf dem Stadionheft zum Spiel war ein Schwarzweißfoto von Enke mit Trauerrand zu sehen.

„Und Du wirst immer ein Teil dieses Teams bleiben“

Wie zuvor auch DFB-Präsident Theo Zwanziger stellten die Nationalspieler nach dem Selbstmord von Enke am Dienstag vor einer Woche in dem Brief immer wieder die Frage nach dem Warum. „Wir haben zusammen geschwiegen, zusammen geweint und zusammen nach Antworten gesucht, aber eigentlich immer nur neue Fragen gefunden. Quälende Fragen nach dem Warum. Warum konnten wir Dir nicht helfen? Warum konntest und wolltest Du uns nicht von Deinen Problemen erzählen? Warum ist es in unserem Leistungssport, in unserer Leistungsgesellschaft nicht möglich, Angst und Krankheit auszusprechen?“

Noch immer unbegreiflich scheint für die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes, dass Enke oftmals das Gefühl gehabt haben muss, viel mehr verlieren zu können als ein Fußballspiel. „Dein Tod ist so trostlos. Aber wir werden alles dafür tun, in Deinem Sinn weiterzumachen, guten Fußball zu spielen, erfolgreich zu sein. Und uns dafür einzusetzen, dass Vorurteile und Stigmatisierungen im Fußball keinen Platz haben. Wir sind ein Team. Und Du wirst immer ein Teil dieses Teams bleiben.“

„Es ist grundsätzlich gut, dass er in diese Richtung denkt“

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erwägt die Gründung einer Robert-Enke-Stiftung. Über ein Abschiedsspiel für den verstorbenen Nationaltorwart Anfang 2010 gibt es noch keine Entscheidung. Wie Theo Zwanziger sagte, könnte eine Enke-Stiftung mit einer bereits existierenden Institution zusammenarbeiten, die sich mit Forschung und Therapie im Bereich Depressionserkrankungen beschäftigt. Ziel sei es, in der Öffentlichkeit ein noch größeres Bewusstsein für diese Erkrankung zu schaffen, die noch immer ein Tabu-Thema sei, so Zwanziger gegenüber „Sport Bild“. Voraussetzung sei das Einverständnis von Enkes Familie.

Robert Enkes Berater und Freund Jörg Neblung hat die Idee einer Stiftung mit dem Namen des toten Torhüters begrüßt. „Es ist grundsätzlich gut, dass er in diese Richtung denkt“, sagte Neblung. Solche Dinge werde er mit der Witwe Teresa Enke in den kommenden Wochen besprechen. Er bat aber auch um „Zeit für Besinnlichkeit“, andere Dinge stünden derzeit noch im Vordergrund.

Hannover läuft bei Schalke mit einem speziellen Trikot auf

Neblung war nicht nur als Berater für den Torwart tätig, er ist auch ein Freund der Familie Enke. „Wir müssen in Ruhe überlegen, was ist gut und was nicht“, sagte Neblung. Das gelte auch für verschiedene Vorschläge wie Abschiedsspiel oder einen Robert-Enke-Platz in Hannover. Über eine Stiftung habe er mit Enke selbst gesprochen, denn der Torwart hatte viel für Organisationen gespendet, die sich um herzkranke Kinder kümmern. Enke und seine Frau hatten eine herzkranke Tochter verloren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte gegenüber der „Zeit“, der Selbstmord des Torwarts habe deshalb so viele Menschen berührt, „weil sich an einem berühmten Beispiel etwas zeigt, wovor viele Angst haben und was viel öfter passiert, als wir es uns vor Augen führen. Da machen wir uns in der Gesellschaft etwas vor“, sagte die Politikerin. Die Bundeskanzlerin sagte, dass auch in Politik und Wirtschaft Erkrankungen wie Depressionen tabuisiert würden. „Wenn man krank ist oder etwas nicht kann, sollte man es ruhig sagen.“ Sie hoffe, so Merkel, dass nun „Mitmenschen Verständnis für diese Krankheit entwickeln und sie nicht stigmatisieren“.

Zum Gedenken an ihren verstorbenen Kapitän werden die Profis des Fußball-Bundesligavereins Hannover 96 im Punktspiel bei Schalke 04 am kommenden Samstag mit einem speziellen Trikot auflaufen. Im Brustbereich prangt auf jedem Hemd eine kleine „1“ in einem schwarzen Kreis. Robert Enke trug diese Ziffer als Rückennummer.

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