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Frust in der Halle „In Fußball-Deutschland kennt man Futsal überhaupt nicht“

23.03.2009 ·  Futsal ist wie Hallenfußball - nur ohne Bande, mit einem kleineren, schwereren Ball und auf Handballtore. Während der Sport etwa in Südamerika große Tradition hat, ist er in Deutschland weitgehend unbekannt. Das verwundert nicht.

Von Thorsten Eisenhofer, Mülheim/Ruhr
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„In Fußball-Deutschland kennt man Futsal überhaupt nicht“, gibt Georg von Coelln zu, Präsident des UFC Münster und hierzulande einer der Ziehväter der Hallen-Variante (die ohne Bande, mit einem kleineren, schwereren Ball und mit Handballtoren gespielt wird). Deutschland gilt als Entwicklungsland in Sachen Futsal, führend sind Südamerika sowie Süd- und Osteuropa. 1952 wurde in São Paulo die erste offizielle Institution, die für die Disziplin letztlich namensgebende Liga „Futebol de Salao“ gegründet.

Die missliche deutsche Lage ist nicht verwunderlich. Es gibt weder einen deutschlandweit geregelten Liga-Betrieb noch eine Nationalmannschaft. 40 von 53 Mitgliedsländern der Europäischen Fußball-Union (Uefa) stellen dagegen schon eine Landesauswahl, der Internationale Fußball-Verband (Fifa) hat bereits vor zwei Jahrzehnten Futsal als offizielle Wettkampfdisziplin anerkannt. Der Deutsche Fußball Bund (DFB) führt Futsal im Bereich Freizeit- und Breitensport.

Die Vereine wollen sich weiterentwickeln, nicht stehenbleiben

Die Situation behagt niemandem. Die Vereine und der DFB streben professionellere Verhältnisse an. Nur über das Realisierungstempo herrscht Uneinigkeit. Konsens besteht darüber, dass der DFB für eine Verbesserung der Lage Geld in die Hand nehmen muss. Doch dies scheint selbst für den reichen Dachverband nicht so einfach zu sein: „Die Frauen Fußball-WM 2011 bindet momentan viele finanzielle Mitteln, da bleibt für Futsal nicht viel übrig“, sagt Klaus Jahn, Vorsitzender des DFB-Ausschusses für Freizeit- und Breitensport. Immerhin soll dem DFB-Präsidium im Sommer ein Futsal-Entwicklungsplan vorgelegt werden. Die Vereine wollen sich weiterentwickeln, nicht stehenbleiben. Jahn sagt, man müsse sich zwischen „Power- oder Standby-Futsal“ entscheiden.

Der Entwicklungsplan beinhaltet, den Ligen-Betrieb von unten nach oben aufbauen: „Erst einmal muss Futsal in allen 21 Landesverbänden etabliert werden. Wir können ja nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen“, sagt Rolf Hocke, Vizepräsident des DFB und für Freizeit- und Breitensport zuständig, zur Marschroute. Die Futsal-Basis fordert hingegen die sofortige Gründung einer Bundesliga. Dies könnte verhindern, dass sich der Rückstand zu anderen Nationen weiter vergrößert: „Wenn wir mit dem UFC Münster an internationalen Turnieren teilnehmen, merken wir, wie Vereine aus immer mehr Ländern an uns vorbeiziehen“, berichtet von Coelln.

„Ich kann die Verbitterung der Vereine verstehen“

Die Landesverbände Niederrhein, Mittelrhein und Westfalen haben 2003 unter dem Dach des Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverbandes mit der Westdeutschen Futsal-Liga immerhin eine Spielklasse auf Landesniveau realisiert - einmalig in Deutschland. Im Ausland existieren schon Profiligen mit Gehältern auf dem Niveau von deutschen Zweitliga-Spielern. Der Vorstoß an Rhein und Ruhr hat dafür gesorgt, dass Klubs aus anderen Regionen kaum mehr wettbewerbsfähig sind.

„Ich kann die Verbitterung der Vereine verstehen“, sagt Jahn. Beim DFB-Futsal-Cup, der inoffziellen deutschen Meisterschaft, am Wochenende in Mülheim/Ruhr unterlag Titelverteidiger Münster im Halbfinale dem späteren Gesamtsieger Futsal Panthers Köln 1:3. 2006 wurde der Cup erstmals ausgetragen, zweimal schon hieß der Sieger Münster.

Ohne Zuschauer, Sponsoren, Medien und Ligabetrieb

Von Fifa und Uefa wird Futsal als die Hallenfußball-Form mit Zukunft gefördert, weil sie schneller, fairer und attraktiver ist als der altbekannte Kick unter dem Dach und deshalb eine technische gute Grundausbildung fördert. Diese Vorzüge belegen mehreren unabhängige Studien. Im DFB und in den Landesverbänden fehlen Fürsprecher, dort wird eher dem DFB-Hallenpokal nachgetrauert. Für die neue Form des Indoor-Fußballs hat man wenig übrig. „Ich kann bestätigen, dass es Landesverbände gibt, die nicht wissen, was Futsal ist und es nicht fördern“, sagt Jahn. „Wenn man zum Beispiel beim Landesverband Schleswig anruft und nach Futsal fragt, bekommt man die Gegenfrage gestellt, was das denn sei“, berichtet der Münsteraner von Coelln.

Ein Ausweg aus dem „Teufelskreis“ (von Coelln) ohne Zuschauer, Sponsoren, Medien und Ligabetrieb kann wohl nur mit Hilfe des DFB gefunden werden. So richtig glaubt in den Vereinen jedoch niemand daran. „In den letzten fünf Jahren ist trotz größter Versprechungen nichts passiert“, stellt Horst Schumacher, Trainer der in Mühlheim drittplazierten Frankfurter Eintracht, etwas resigiert fest.

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