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Früherer Weltstar Ronaldinho Botschaften aus der Traumfabrik

 ·  Seine Karriere schien schon beendet, doch jetzt nimmt Ronaldinho einen Anlauf für ein Comeback. Der brasilianische Fußballprofi will als Bollywood-Star zurück ins Nationalteam.

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© dapd Vergrößern Bei Atlético Mineiro hat Ronaldinho wieder in die Erfolgsspur gefunden

Das Terrain war bewusst gewählt: Wenige Tage vor dem Trainingsstart in Belo Horizonte nutzte Ronaldinho in Indien die Gunst der Stunde, sich mit einer eindeutigen Botschaft in Erinnerung zu rufen: „Der Film kommt 2014 auf die Leinwand, und ich werde der Hauptdarsteller sein“, twitterte er begeistert. Ronaldinho stellte wenige Tage vor dem Jahreswechsel in der westindischen Stadt Pune sein neues Filmprojekt vor. Unter dem Arbeitstitel „R10 - der Film: Ronaldinho gegen Außerirdische“ wird in Bollywood an einem Mix aus Animations- und Fantasyfilm gearbeitet.

Aber auch sportlich hatte Ronaldinho ein Anliegen. Ihn zieht es zurück auf die große Bühne des Weltfußballs, zurück in das kanariengelbe Trikot der Seleção: „Alle Voraussetzungen sind da, um in kürzester Zeit meine Träume zu realisieren“, sagte der mittlerweile 32 Jahre alte Weltmeister von 2002 und konkretisierte sein Ziel für 2013: „Mein Wunsch ist, in Form zu sein, um an der nächsten WM teilzunehmen.“

Der Zeitpunkt für die Botschaften aus Bollywood scheint genau richtig zu sein. Mit Trainer Luiz Felipe Scolari und Sportdirektor Carlos Alberto Parreira, den neuen Generälen auf der Kommandobrücke des fünfmaligen Weltmeisters, sind die Comeback-Chancen für Ronaldinho wieder gestiegen. „Das ganze Land ist in Vorfreude auf die WM in Brasilien. Ich fände es toll, Teil dieser WM zu sein“, sagte der zweimalige „Weltfußballer“. Mit Spannung warten die brasilianischen Fußball-Fans nun auf den Kader für das erste Länderspiel der Ära Scolari/Parreira am 6. Februar in London gegen England.

“Wenn sie mich brauchen, bin ich zur Stelle. Ich hatte ja schon das Glück, mit beiden zusammenzuarbeiten“, sagte der Mann mit der Lockenmähne und den Charakterzähnen. Vor zehn Jahren gehörte er unter „Felipão“ zu den Leistungsträgern beim Titelgewinn in Japan und Südkorea. Drei Jahre später gewann Ronaldinho mit Carlos Alberto Parreira in Deutschland den Confed Cup, musste aber 2006 an gleicher Stätte mit dem Viertelfinal-Aus als WM-Favorit eine seiner größten Niederlagen hinnehmen.

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© AP Vergrößern Ronaldinhos Karriere hatte viele Höhen und Tiefen. Einer seiner größten Erfolge: Der Gewinn des Weltmeister-Titels mit der brasilianischen Nationalmannschaft 2002. Aber auch auf Vereinsebene...

Auch sein Klubtrainer glaubt, dass der Dribbelkünstler wieder Protagonist in der Seleção sein kann. „Die Rufe nach ihm werden lauter. Er ist ja zum besten Spieler der abgelaufenen Meisterschaft gewählt worden. Er bringt Erfahrung mit, ist ein Siegertyp“, urteilt Cuca, der Atlético Mineiro auch dank Ronaldinho wieder zu einem Spitzenteam formte. Nach 13 Jahren hat sich der wegen seines Maskottchens „Galo“ (Hahn) genannte Traditionsklub wieder für die kontinentale Copa Libertadores qualifiziert. Und auch wenn es für die zweite Meisterschaft nach 1971 nicht ganz reichte, die „Schwarz-Weißen“ feierten am Saisonende den zweiten Platz hinter Meister Fluminense FC aus Rio de Janeiro wie einen Titelgewinn.

Die Nachrufe zum Karriereende waren schon fertig

Und für Ronaldinho hagelte es persönliche Auszeichnungen. Er wurde Vierter bei der von der uruguayischen Zeitung „El Pais“ traditionell organisierten Wahl zum „Rey de América“, dem König des südamerikanischen Fußballs. In Brasilien gab es den „Goldenen Ball“ der Sportzeitschrift „Placar“ und die Prämierung zum „Star der Fans“ bei der Fußball-Gala des nationalen Verbandes (CBF).

Vergessen sind die steil sinkende Formkurve zu Beginn des Jahres und die Trennung im Streit von Flamengo CR. Da seine Gehälter nicht im vollen Umfang gezahlt worden seien, löste „R 10“ am 31. Mai sein eigentlich auf vier Jahre angelegtes Vertragsverhältnis mit dem Traditionsverein aus Rio per Justizbeschluss vorzeitig auf. Seitdem beharken sich beide Parteien wegen ausstehender Forderungen in Höhe von umgerechnet rund 14,8 Millionen Euro vor Gericht. Der Traum Ronaldinhos, der zuvor nur noch Bankdrücker beim AC Mailand gewesen war, von einer Rückkehr zu alter Klasse und in die Nationalelf, schien vorzeitig beendet. Viele Journalisten hatten bereits Nachrufe auf das Ende seiner Karriere verfasst.

Wie in seinen besten Tagen

Doch mit der überraschenden Vertragsunterschrift bei Atlético Mineiro im Juni kam die unerwartete Wende. In 32 Spielen für seinen neuen Arbeitgeber erzielte der als Partylöwe bekannte Single neun Tore, gab Vorlagen zu 14 Treffern und war damit so effizient wie in seinen besten Tagen beim FC Barcelona zwischen 2005 und 2006, als er zweimal spanischer Meister und zudem Champions-League-Sieger wurde. Am 6. Oktober dann sein Meisterstück im neuen Trikot: Beim 6:0 über Figueirense erzielte Ronaldinho drei Tore und legte für zwei Treffer auf.

Galo-Coach Cuca bleibt allerdings Zweckpessimist: „Ronaldo ist ein Spieler, der uns kurzfristig sehr nützlich war. Aber langfristig müssen die Dinge in vernünftige Bahnen gelenkt werden. Sowohl was den Klub angeht als auch der private und professionelle Part des Spielers.“ In einem Interview mit dem Radiosender „Itatiaia“ forderte der Coach: „Er muss ein Beispiel für die jungen Spieler sein. Wenn er das schafft, werden die Jungs einschlagen. Wenn es schlecht bei ihm läuft, wird sich das auch auf die Leistung der anderen niederschlagen. Dieser Verantwortung muss er sich jetzt stellen.“

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