Home
http://www.faz.net/-gtm-778qk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Frings beendet Karriere „Ein emotionaler Tag für mich“

Mit seinem Wechsel nach Toronto verschwand Torsten Frings 2011 von der Bundesliga-Bühne. Nun beendet der frühere Nationalspieler seine Karriere. Einen Plan für die Zukunft hat er schon.

© dapd Vergrößern 2012 gewann Frings mit dem FC Toronto die kanadische Meisterschaft

Für die erste öffentliche Erklärung zu seinem Karriereende brauchte Torsten Frings nicht mal eine Minute. Knapp fünf Monate nach seinem Kumpel Michael Ballack erklärte auch der langjährige Werder-Profi seinen Rücktritt. „Es ist ein emotionaler Tag für mich“, sagte der ehemalige Fußball-Nationalspieler am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Toronto, machte dabei aber einen gefassten Eindruck.

Mit ruhiger Stimme beantwortete der 36-Jährige die Fragen der Journalisten. Nach einer Hüftoperation habe der Heilungsprozess länger gedauert als erwartet, erläuterte der Kapitän des FC Toronto aus der nordamerikanischen Fußball-Profiliga MLS seinen Entschluss. Nun würde er zu viel Zeit brauchen, um wieder hundertprozentig fit zu werden.

Mehr zum Thema

Besonders traurig klangen seine Worte dabei jedoch nicht. „Ich bin glücklich mit dieser Entscheidung“, sagte Frings. Sie sei ihm zwar nicht leicht gefallen. „Doch ich denke, dass es das Beste für das Team und den Klub ist, wenn ich den Weg frei mache“, sagte der Mittelfeldspieler, der zuletzt immer häufiger mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hatte.

Damit kann Toronto einen Ersatz für Frings unter Vertrag nehmen, dessen Gehalt die Obergrenze von 350.000 US-Dollar überschreiten darf. Nach seiner Karriere werde er versuchen, eine Trainerlizenz zu machen und als Coach zu arbeiten, kündigte Frings an.

Ruhe vor dem Sturm - 2006: Kung-Fu und Frings-Aus Das WM-Halbfinale 2006 verpasste Frings nach einer Sperre wegen der Rangelei nach dem Argentinien-Spiel © dpa Bilderstrecke 

In seiner aktiven Zeit hatte er neben 402 Bundesliga-Einsätzen auch 79 Länderspiele, darunter das WM-Finale 2002 und das EM-Endspiel 2008, bestritten. Insgesamt gelangen ihm zehn Treffer im deutschen Trikot. Bei der Heim-WM 2006 wurde der Mittelfeldspieler zur tragischen Figur: Unmittelbar nach dem Viertelfinal-Krimi gegen Argentinien war er in ein Handgemenge verwickelt, wurde deshalb fürs Halbfinale gegen Italien gesperrt und musste zuschauen, wie seine Kollegen den Finaleinzug verpassten.

Vor Frings hatten bereits sieben Protagonisten des Sommermärchens aufgehört. Aus der DFB-Auswahl war Frings - ähnlich wie sein kongenialer Partner Ballack - im Unfrieden geschieden. Das 0:1 gegen Norwegen am 11. Februar 2009 war sein letztes Länderspiel. Danach wurde er von Bundestrainer Joachim Löw nicht mehr nominiert und erhielt nach fast einjähriger Wartezeit Ende Januar 2010 endgültig den Laufpass. Frings spiele in seinen Zukunftsplänen keine Rolle mehr und werde nicht mit zur WM 2010 nach Südafrika fahren, hatte Löw erklärt.

„Mir bleibt nichts anderes übrig“

Frings reagierte verärgert. „Damit musste ich ja rechnen, wenn man alle Vorzeichen gesehen hat. Mir bleibt nichts anderes übrig als das zu akzeptieren, auch wenn ich völlig anderer Meinung bin als Joachim Löw“, so der Ausgebootete damals. Die längste Zeit seiner Bundesliga-Karriere verbrachte der Mittelfeld-Arbeiter in Bremen, wo er 1999 und 2009 den DFB-Pokal gewinnen konnte.

Nach einem zweijährigen Intermezzo bei Borussia Dortmund wechselte er 2004 zum deutschen Rekordmeister FC Bayern München, mit dem er 2005 das Double holte. Anschließend zog es ihn wieder zurück an die Weser. Der Schritt 2011 nach Toronto sollte das letzte Abenteuer seiner illustren Laufbahn sein. In 46 Spielen für den kanadischen Klub kam er nach Angaben des Vereins auf zwei Tore.

„Wir gehen im Guten auseinander“

„Ich habe die Zeit in Toronto sehr genossen und wünsche meinem Team alles erdenklich Gute für die kommende Saison“, sagte Frings. Torontos Vereinspräsident Kevin Payne bedauerte die Entscheidung. „Es ist schade, dass Torsten unser Team nicht weiter führen kann, doch die Heilung seiner Verletzung benötigt eine längere Zeit als gedacht“, sagte Payne. „Wir gehen im Guten auseinander und wünschen Torsten für die Zukunft alles Gute.“

Torsten Frings im Kurzporträt

Geboren am: 22. November 1976 in Würselen
Größe: 1,82 Meter
Gewicht: 80 Kilogramm

Bilanz Nationalelf: 79 Länderspiele, 10 Tore

Bundesligabilanz: 402 Spiele, 49 Tore

Spielerstationen:

1990-1996 Alemannia Aachen
1997-2002 Werder Bremen
2002-2004 Borussia Dortmund
2004-2005 Bayern München
2005-2011 Werder Bremen
2011-2012 FC Toronto

Größte Erfolge:

Vize-Weltmeister (2002)
Vize-Europameister (2008)
WM-Dritter (2006)
Deutscher Meister (2005)
DFB-Pokalsieger (1999, 2005, 2009)
Kanadischer Meister (2012)

Quelle: FAZ.NET/dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Toni Kroos Der passende Torschütze

Die Nationalmannschaft beendet das WM-Jahr mit einem Sieg in Spanien. Der Torschütze Kroos passt als Schlusspointe. Und die taktischen Experimente von Bundestrainer Löw weisen in die Zukunft. Mehr Von Christian Kamp

19.11.2014, 08:48 Uhr | Sport
Neulinge Bellarabi und Hector Aufstieg im Blitztempo

Karim Bellarabi und Jonas Hector sind zwei Beispiele dafür, dass die Tür zur Nationalmannschaft für Talente nicht verrammelt ist. Sie müssen nur ihre Chance nutzen. Mehr Von Christian Kamp

12.11.2014, 22:58 Uhr | Sport
Testspiel in Spanien Der Weltmeister spielt wieder wie früher

Auf die Entwicklung des Weltmeisters hatte keine andere Nation mehr Einfluss als die Spanier. Beim Prestigeduell am Dienstag (20.45 Uhr) gibt Bundestrainer Löw aber eine Spielweise vor, die an die Anfänge des deutschen Aufstiegs erinnert. Mehr Von Michael Horeni, Vigo

18.11.2014, 08:38 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 26.02.2013, 18:28 Uhr

Umfrage

Wer ist Ihr Weltfußballer 2014?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Hilfe oder Schminke?

Von Michael Reinsch

Chinas Staatssport demonstriert Entschlossenheit im Kampf gegen Doping. Die Wada bekommt nicht nur eine üppige Spende. Haben die Chinesen etwa einen Hintergedanken bei ihrem Engagement? Mehr 1