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„Friedensgipfel“ Uli Hoeneß wird Klinsmanns „Chefberater“

25.10.2005 ·  Der „Arbeitskreis Nationalmannschaft“ wird wieder installiert, um Jürgen Klinsmann in seiner Arbeit im Vorfeld der Fußball-WM 2006 zu unterstützen. Chefberater des Bundestrainers wird ausgerechnet dessen schärfster Kritiker: Uli Hoeneß.

Von Uwe Marx
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Am Ende war alles gut. Wie gut, darüber gab es nach dem Treffen der wichtigsten Manager der Bundesliga und der Spitze der deutschen Fußball-Nationalmannschaft unterschiedliche Aussagen. Es ging um Nuancen bei diesem zum Krisengipfel hochgepeitschten Meinungsaustausch.

„Gut und lebhaft“, so beschrieb Bundestrainer Jürgen Klinsmann das Treffen in der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Dienstag. „Gut, ehrlich und kontrovers“ fand Werner Hackmann, der Vorsitzende der Deutschen Fußball Liga (DFL), das Gespräch. Und Andreas Müller vom FC Schalke 04 sagte auf die Frage, wie sie denn nun gewesen sei, die Aussprache zwischen den beiden zuletzt zerstrittenen Parteien: „Gut, wirklich gut.“

Die Bundesliga wollte es genau wissen

Gut war das Treffen vor allem für Klinsmann. Flankiert von Teammanager Oliver Bierhoff, Trainer Joachim Löw, Torwarttrainer Andreas Köpke und dem ihm gegenüber stets loyalen DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder, hatte er sich nach den jüngsten Verstimmungen einer Armada der Bundesligamanager gestellt: Uli Hoeneß von den Bayern, Bruder Dieter von Hertha BSC, Klaus Allofs von Werder Bremen, Thomas Strunz aus Wolfsburg, Herbert Briem vom VfB Stuttgart, Michael Zorc von Borussia Dortmund, Peter Pander aus Mönchengladbach, dazu der Kölner Präsident Wolfgang Overath und Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge.

Die Bundesliga wollte es genau wissen: Wie es mit der Torwart-Rotation weitergeht? Ob sich Klinsmann häufiger gegen seinen Erstwohnsitz Kalifornien und für mehr Präsenz im Land der Fußball-WM 2006 durchringen kann? Welche Strukturen er über 2006 hinaus aufbauen will? Und, vor allem, wie es in den vergangenen Wochen zum Kommunikations-GAU um die Nationalmannschaft kommen konnte?

Vordergründig wegen Fitness-Tests und mangelnder Anwesenheit waren die Pfeile munter hin und her geflogen. Als Chefkritiker hatten sich Uli Hoeneß und Rudi Assauer, der sich in Frankfurt vertreten ließ, hervorgetan. Nun also wollten sich alle alles sagen.

Alles bleibt beim Alten

Am Ende des zweieinhalbstündigen Beisammenseins darf sich Klinsmann als Gewinner fühlen - auch wenn es den eigentlich gar nicht geben sollte, weil beide Seiten nach den jüngsten gegenseitigen Vorhaltungen ihr Gesicht wahren wollten. Nun also kam heraus, daß der „Arbeitskreis Nationalmannschaft“ wiederbelebt wird, mit Uli Hoeneß als Sprecher. Die überschaubare Runde, überwiegend Bundesligamanager, wird künftig bei Länderspielen durch ein oder zwei Mitglieder vertreten sein.

Am 12. November, beim Spiel in Paris gegen Frankreich, wird Klaus Allofs zusehen, mitreden, vermitteln. Außerdem hat man sich gegenseitig „in die Hand versprochen“ (Hackmann), daß künftig Kritik nur noch intern und nicht mehr über die Medien geäußert wird - was im sensiblen Wirtschaftsbetrieb Fußball eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Ansonsten aber verdeutlichte Klinsmann mit netten Worten: Alles bleibt beim alten. An der Rotation zwischen Bayern-Torwart Oliver Kahn und Jens Lehmann vom FC Arsenal etwa wird nicht gerüttelt. Klinsmann nahm Kritik „aus der gesamten Liga“, wie der in dieser Frage parteiische Rummenigge betonte, zwar „dankbar“ auf. Ändern wird er aber nichts.

Mayer-Vorfelder ist hilfsbereit

In der Wohnortfrage stellte er nebulös in Aussicht, so oft in Deutschland zu sein, wie es notwendig ist, „mal mehr, mal weniger“. Der Bitte, nun doch endlich ein Gerüst, „einen inneren Kern“ (Rummenigge) der Mannschaft zu etablieren und zu stärken, wich Klinsmann aus. Dies sei schon geschehen, sagte er. Außerdem habe er einen Generationswechsel zu bewältigen. Ihm seien also die Hände gebunden. Die Botschaft des lächelnden Bundestrainers in fast allen Fragen: Es ist, wie es ist, und es ist gut so.

Mayer-Vorfelder betonte hilfsbereit, Klinsmann sei „kommunikativ wie kein anderer Bundestrainer zuvor“. Trotzdem hat dieser zuletzt wenig neue Freunde gewonnen. Mancher in der Liga fühlte sich vor allem durch Klinsmanns Einschätzung verunglimpft, aus den Nationalspielern könne man körperlich noch „zwanzig bis dreißig Prozent mehr“ herausholen.

Klinsmann hat sich dem Unmut gestellt

Das kommt natürlich einer massiven Kritik an der täglichen Arbeit in der Bundesliga gleich, und deshalb keilten speziell Hoeneß und Assauer zurück. Klinsmann gab immerhin zu, an dieser öffentlichen Debatte nicht unbeteiligt gewesen zu sein. Auch seine schnelle Abreise nach Amerika kurz nach dem Länderspiel gegen China sieht er heute kritisch. „Ich hätte dableiben und mir das Spiel Schalke gegen Bayern ansehen sollen. Dann wäre manches wohl anders gelaufen“, sagte er.

Seine große Leistung von Frankfurt bestand wohl vor allem darin, sich dem geballten Unmut geduldig zu stellen. Rummenigge befand jovial, dafür müsse man „Klinsmann loben“. Es sei schließlich eine unbequeme, weil „aufregende und emotionale“ Diskussion gewesen.

Nun müsse es darum gehen, mehr miteinander zu reden, die Ergebnisse für sich zu behalten und ansonsten jene Begeisterung wiederherzustellen, die nach einigen sportlichen Rückschlägen zuletzt gelitten hat. Rummenigge hofft fortan auf ein „fruchtbares Miteinander“. Und er sagte: „Wir haben uns als Freunde verabschiedet.“ Dann muß ja alles gut werden.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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