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Fredi Bobic im Gespräch „Es heißt einfach: Hau ab!“

05.11.2009 ·  Seit einem halben Jahr managt Fredi Bobic den bulgarischen Provinzklub Chernomorets Burgas. Sein alter Kumpel Krassimir Balakow ist Trainer beim Überraschungstabellenführer. Bobic im Gespräch über zerrissene Verträge und ungeduldige Investoren.

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Der frühere deutsche Fußball-Nationalstürmer Fredi Bobic ist seit einem halben Jahr Manager des bulgarischen Tabellenführers Chernomorets Burgas. Trainiert wird das Überraschungsteam vom früheren Star des VfB Stuttgart Krassimir Balakow. Von den 16 Vereinen der nationalen Liga haben schon 13 seit Saisonbeginn im August ihren Trainer entlassen. Im F.A.Z.-Interview spricht Bobic über zerrissene Verträge, eine neue Arena mit Shopping-Mall und Vergleiche mit Hoffenheim.

Ihr Team hat am elften Spieltag der bulgarischen Liga das erste Saisonspiel verloren, entlassen Sie nun Trainer Balakow?

Mit Sicherheit nicht. Der Klub war in seiner Geschichte noch nie Tabellenführer der ersten bulgarischen Liga, da werden Sie verstehen, dass bei uns noch Ruhe herrscht.

Sie entschuldigen die Frage: Es hat schließlich seit Saisonbeginn bei den den 16 Erstligavereinen 13 Trainerwechsel gegeben.

Das ist richtig, es geht geradezu inflationär zu. Am ungeduldigsten ist man beim Meister Lewski Sofia. Da wurden schon vor dem ersten Spieltag Sportdirektor und Trainer ausgetauscht und in der Zwischenzeit auch schon der neue Trainer entlassen. Es ist teilweise skurril, was hier passiert.

Das klingt nach Hire-and-fire-Mentalität.

Ich habe mein letztes Jahr als Profi in Kroatien gespielt, auf dem Balkan ist es überall ähnlich. Da werden einfach Verträge zerrissen, und man sagt: „Hau ab!“ Und derjenige geht dann auch einfach, wo in Deutschland vielleicht geklagt würde. Es geht einfach viel heißblütiger und rigoroser zu. Auch in den Sportzeitungen. Da stehen Sachen drin, da kann man über die „Bild“-Zeitung nur lachen. Übrigens beschränken sich die Rauswürfe nicht nur auf Trainer. ZSKA Sofia hat zuletzt neun Spieler rausgeschmissen, weil sie ein paarmal nachts zu lange unterwegs gewesen waren.

Woher rührt diese Ungeduld?

Es sind viele Investoren in der Liga, die keine Ahnung von Fußball haben. Sie wittern das große Geschäft, wollen die schnellen Transfers, den schnellen Erfolg. Aber kaum jemand will strategisch arbeiten, etwa in die Infrastruktur investieren.

Muss man Angst um Sie haben?

Nein, bei uns in Burgas ist alles anders. Wir haben zwar auch einen Investor als Präsidenten, Mitko Sabew, einen Geschäftsmann aus der Ölbranche. Aber er sucht den langfristigen Erfolg. Trainer Balakow und ich als Manager besitzen Fünfjahresverträge. Zurzeit entsteht in Zusammenarbeit mit der Stadt ein Trainingszentrum für 20 Millionen Euro. In fünf, sechs Jahren soll eine neue Arena mit Shopping-Mall gebaut werden, obwohl wir schon eines der drei in Bulgarien von der Uefa lizenzierten Stadien haben. Meine Aufgabe ist es, die ganze Administration, die Nachwuchsarbeit und den Profibereich auf ein hohes Niveau zu bringen.

Über welchen Etat verfügen Sie?

Wir werden erst im nächsten Jahr einen genauen Etat erstellen. Im Moment ist es wegen der Sonderinvestitionen ein wenig unübersichtlich. Aber wir haben bis jetzt kaum etwas für Spielereinkäufe ausgegeben. Herr Sabew will vor allem für die Region etwas tun, den Jugendlichen etwas bieten. Wir haben zum Beispiel einen Tag der offenen Tür veranstaltet, den ersten, den es je in Bulgarien gab, über 3000 Kinder waren da.

Nachhaltige Investitionen in die Region, in den Nachwuchs, in die Infrastruktur: Das klingt alles sehr nach dem Modell Hoffenheim.

Ja, weil wir auch unbekannt sind, werden wir oft mit Hoffenheim verglichen, aber das ist mir egal.

Die Fragen stellte Peter Heß.

Quelle: F.A.Z.
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