30.10.2007 · Nach zwei Fußball-Weltmeisterschaften der Männer 1974 und 2006 wird Deutschland im Jahr 2011 zum ersten Mal Gastgeber einer Frauenfußball-WM. Der Beifall war freundlich, die Freude groß, aber nicht überschwänglich. Es hatte sich schon längst abgezeichnet.
Von Roland Zorn, ZürichDer Beifall war freundlich, die Freude groß, aber nicht überschwänglich. Am Dienstag wurde in Zürich Wirklichkeit, was sich schon längst abgezeichnet hat: Deutschland, das Land der Fußball-Weltmeister, ist nun auch das Land der Weltmeisterschaften. Ein Jahr nach der in jeder Hinsicht glanzvollen, großen WM der Männer vergab der Internationale Fußball-Verband (Fifa) nun auch das kommende Weltmeisterschaftsturnier der Frauen an Deutschland.
Um 15.12 Uhr verkündete ein sichtlich unaufgeregter Fifa-Präsident Joseph Blatter das erste wichtige Ergebnis des Tages, mit dem sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) auf Grund seiner abgerundeten, schlüssigen Bewerbung gegen Kanada, den einzigen Gegenkandidaten, durchsetzte. Wer für wen genau unter den 21 Mitgliedern im Fifa-Exekutivkomitee gestimmt hatte, wurde indes nicht einmal in der Fifa-Exekutive bekannt. Die Mehrheitsverhältnisse jedoch sollen von vornherein eindeutig pro Deutschland gewesen sein.
Die Bundeskanzlerin grüßte per Videobotschaft
Kein Vergleich also zum 6. Juli 2000, als der DFB für das WM-Turnier 2006 ebenfalls in Zürich den Zuschlag bekam - und das mit gerade einem Votum mehr als Südafrika. Solche Sorgen musste sich Brasilien diesmal nicht machen. Das größte südamerikanische Land trat an diesem Wahltag ohne viele Wahlmöglichkeiten allein auf weiter Flur an und gewann bei der zweiten großen Entscheidung am Fifa-Amtssitz en passant die Ehre, die WM 2014 ausrichten zu dürfen.
Die bange Frage, wie es ausgehe, stellten sich vermutlich nicht einmal die Kanadier als Verlierer des Dienstags, die sich ein paar Stunden vorher letztmals und nicht besonders phantasievoll präsentiert hatten. Ganz anders die Deutschen, die mit prominenter Unterstützung nach Zürich gereist waren. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel war - weil auf Staatsbesuch in Indien - nicht dabei, grüßte aber zum Ende der deutschen Präsentation vor dem Fifa-Exekutivkomitee per Videobotschaft aus Berlin mit dem Olympiastadion im Rücken und rief Fifa-Präsident Joseph Blatter und seine Wahlmänner dazu auf, „uns Ihr Vertrauen zu schenken, wir werden Sie nicht enttäuschen“.
Der verdiente Rückenwind für den Frauenfußball
Die Kanzlerin hatte in Familienministerin Ursula von der Leyen eine kompetente Kollegin auf den Zürcher Sonnenberg geschickt, die nicht die Spur eines Zweifels daran ließ, dass das ganze Land und seine Regierung hinter der neuen deutschen WM-Kampagne stehen werde. „Das ist eine große Chance und ein hoher Vertrauensbeweis für ein fußballbegeistertes Land“, rief die Ministerin ihren Zuhörern im Auditorium des Fifa-Gebäudes zu. Sie sagte aber auch: „Es ist der verdiente Rückenwind für den Frauenfußball. Diese WM wird der Entwicklung des Frauenfußball eine enorme Dynamik geben.“
„Wiedersehen bei Freunden - welcome back“ lautete das deutsche Bewerbungsmotto in Anlehnung an die Devise „Die Welt zu Gast bei Freunden“, die im Vorjahr die WM überwölbt hatte. Allzu viele Anleihen bei den Titelkämpfen der Männer aber wollen die Organisatoren der Frauen-WM nicht aufnehmen. Das machte am Dienstag schon DFB-Präsident Theo Zwanziger deutlich, der als guter Gewinner zuerst den Verlierer Kanada tröstete. Zwanziger, der größte deutsche Promoter des Frauenfußballs, wies gleich nach der Kür seines Verbandes darauf hin, „dass wir ganz sicher nicht die WM 2006 nachahmen werden“. Das große Ereignis in fünf Jahren werde von „Fairplay, Anerkennung und Respekt leben“.
Bajramaj als Integrations-Beispiel
Wer erst vor vier Wochen den WM-Titel verteidigt hat wie die deutschen Fußballfrauen, schreibt ja längst seine eigene Erfolgsgeschichte. An der hat in den vergangenen Jahren maßgeblich die Frankfurterin Birgit Prinz als weltbeste Angreiferin mitgewirkt. Sie sah an Ort und Stelle ihren Herzenswunsch nach einer WM im eigenen Land wie ihre 19 Jahre alte Mannschaftskameradin Fatmire Bajramaj erfüllt.
Die Mittelfeldspielerin vom FCR Duisburg, die im Alter von vier Jahren mit ihren Eltern aus dem Kosovo nach Deutschland geflüchtet war, stand auch in Zürich als Beispiel dafür da, wie integrationsstiftend der Sport in Deutschland sein kann. Die 30 Jahre alte Prinz will dieses letzte Abenteuer ihrer großen Karriere noch einmal angehen, „vorausgesetzt, ich laufe nicht als Schatten meiner selbst herum“. Geht alles gut, wird die Spielerin vom deutschen Meister 1. FFC Frankfurt zum Endspiel in die Frankfurter Arena einlaufen; das Eröffnungsspiel der WM, so ist es vorgesehen, wird im Berliner Olympiastadion stattfinden.
WM mit 16 oder 24 Mannschaften?
Die Deutschen stellten in diesem Jahr nicht nur die weltbeste Frauenmannschaft, sie gaben wohl auch die mit Abstand beste Bewerbung bei der Fifa ab. Viele Gründe dafür, auch diese Weltmeisterschaft an das traditionsreiche Fußballland zu vergeben, spiegelten sich schon im 1212 Seiten dicken Bewerbungsdossier des DFB. Nach der Männer-WM in zwölf neuen oder erneuerten Stadien hat der DFB nun die Auswahl unter zwölf mittelgroßen Arenen in meist mittelgroßen Städten, verteilt über das ganze Land. Wie viele Stadien am Ende übrig bleiben, entscheidet sich erst, wenn feststeht, ob die Weltmeisterschaft 2011 wie bisher mit 16 oder mit 24 Teams ausgetragen wird.
„Derzeit geht die Tendenz zu 16 Mannschaften“, sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, der gemeinsam mit DFB-Präsident Zwanziger die deutsche Delegation in Zürich anführte. Bei 16 Teilnehmern werden, prophezeite Niersbach, am Ende wohl nur sechs Stadien als Spielorte gebraucht. Dass alles eine Nummer kleiner als 2006 für das in Frankfurt residierende und vielleicht von einer Frau angeführte Organisationskomitee (OK) der WM wird, machen auch die Etatplanungen deutlich. Kostete ein Monat Sommermärchen 2006 noch 550 Millionen Euro, werden diesmal fürs erste 21 Millionen Euro budgetiert.
Nur dreieinhalb Jahre Zeit
Niersbach, der auch beim WM-Vergabekrimi vor sieben Jahren dabei war, verglich die beiden entscheidenden Tage so: „Als Blatter den Umschlag öffnete, kamen zwar Erinnerungen hoch, eigentlich jedoch war ja schon alles klar.“ Diesmal müssen sich Niersbach, Vizepräsident des deutschen WM-OK 2006, und seine Mitarbeiter mehr noch als vor der Männer-WM sputen. Blieben damals sechs Jahre bis zum Anpfiff der Weltmeisterschaft, sind es nun nur rund dreieinhalb.
Franz Beckenbauer, der deutsche Fußball-Souverän im Fifa-Exekutivkomitee, hatte in den Monaten zuvor eifrig und weltweit für die deutsche Kandidatur geworben. Als das Werk vollbracht war, sagte er: „Meine Freunde haben Wort gehalten. Ich kann für alles garantieren, nur nicht für das Wetter.“ Noch einmal ständiges Kaiserwetter wie bei der WM 2006, daran mochte selbst dessen vermeintlicher Urheber an diesem regnerischen Dienstag in Zürich einfach noch nicht glauben.
Die möglichen Spielstätten einer Frauenfußball-WM in Deutschland:
Augsburg, 25.579 Plätze.
Berlin, 74.244 Plätze.
Bielefeld, 28.000 Plätze.
Bochum, 23.000 Plätze.
Dresden, 27.190 Plätze.
Essen, 25.000 Plätze.
Frankfurt/Main, 49.240 Plätze.
Leverkusen, 30.200 Plätze.
Magdeburg, 27.000 Plätze.
Mönchengladbach, 46.297 Plätze.
Sinsheim, 25.641 Plätze.
Wolfsburg, 25.361 Plätze.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 21 | 32 | 46 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 21 | 35 | 44 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 21 | 22 | 43 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 21 | -1 | 33 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 21 | 0 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
Hamburger SV | 21 | -8 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 21 | -2 | 25 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Köln | 21 | -12 | 24 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 21 | -6 | 23 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 21 | -12 | 22 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 21 | -11 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 21 | -11 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 21 | -14 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |