29.10.2009 · Deutschlands Fußballfrauen verlieren das erste Mal seit 2006 ein Heimspiel. Die Welt- und Europameisterinnen müssen beim 0:1 gegen die Olympiasiegerinnen aus den Vereinigten Staaten anerkennen, dass es noch gleichwertige Konkurrenz im Weltfußball gibt. So bleiben wenigstens noch Ziele für die Heim-WM 2011.
Von Daniel Meuren, AugsburgWenigstens vor dem Anpfiff des mit (0:1) verlorenen Länderspiels gegen die Auswahl der Vereinigten Staaten landete der deutsche Frauenfußball einen großen Erfolg. Das neue Augsburger Stadion mit seinen 28.367 Plätzen war schon zehn Tage vor dem Spieltermin ausverkauft - ein im Frauenfußball noch nie erreichter Vorverkaufserfolg und ein Mutmacher für den gestern erfolgten Vorverkaufsstart für die erste Frauenfußball-Weltmeisterschaft auf deutschem Boden in zwei Jahren. Damit füllten die Frauen als erstes Fußballteam noch vor den bereits seit fast einem Jahr in der neuen Heimstätte spielenden und im Mittelmaß der Zweiten Bundesliga dümpelnden Männern des FC Augsburg die Ränge bis auf den letzten Platz.
„Der einfache Grund dafür liegt darin, dass Frauenbeine schöner sind als Männerbeine“, sagte der Augsburger Manager Andreas Rettig bei einem kleinen Empfang vor dem Spiel, und es war nicht ganz klar, ob Ironie, Neid oder doch noch reiner Chauvinismus die Gedanken des Managers bei Äußerung leitend waren, die im Kreis der Frauenfußballfunktionärinnen nicht gerade herzlich aufgenommen wurde.
Anfang mit Sturm und Konzept
Tatsächlich rechtfertigte vor allem die Anfangsphase des Duells der beiden die Weltrangliste anführenden Teams den Ansturm auf die Vorverkaufsstellen. Welt- und Europameister Deutschland überrannte die vom Tatendrang der Gastgeberinnen überraschten Olympiasiegerinnen und Weltranglistenersten aus den Vereinigten Staaten, die mit dem Nachteil zu kämpfen hatten, seit Ende der ersten Spielzeit der neugegründeten Profiliga WPS ohne Wettkampfrhythmus zu sein. Unter Anleitung ihrer schwedischen Nationaltrainerin Pia Sundhage hatten sie lediglich in Trainingscamps und gelegentlichen Testspielen an Fitness und Abstimmung feilen können.
„Das war sicher unsere dominanteste Halbzeit, die wir je gegen ein amerikanisches Team gezeigt haben“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid, die bei allen vorangegangenen 26 Vergleichen als Spielerin, Co-Trainerin oder nun Bundestrainerin dabei war. Tore erzielten ihre Spielerinnen freilich nicht. Nach vier Minuten zirkelte Inka Grings einen Freistoß aus 18 Metern ebenso knapp am Tor vorbei wie zehn Minuten später Birgit Prinz eine Direktabnahme nach Vorarbeit von Kerstin Garefrekes. Die bei der Europameisterschaft im September als Torschützenkönigin und an den bislang sechs Spieltagen der Bundesliga mit elf Treffern so abschlussstarke Inka Grings verpasste kurz darauf gleich zweimal beste Einschussmöglichkeiten, jeweils nach mustergültigen Vorlagen von Lira Bajramaj. „Das muss ich mir ankreiden, da eine Torjägerin nun mal an Toren gemessen wird“, sagte die Stürmerin.
Beeindruckend war bis dahin, mit welcher Konsequenz die deutsche Mannschaft das Konzept von Bundestrainerin Silvia Neid befolgte, die Amerikanerinnen immer wieder über die Außenbahnen mit Pässen in die Schnittstellen der Viererabwehrkette in Verlegenheit zu bringen.
Verlorener Nimbus
Den einzigen Treffer des Abends erzielte dennoch das Team aus Übersee mit seiner ersten Torgelegenheit, die von der deutschen Innenverteidigerin Saskia Bartusiak mit einem Querschläger vorbereitet worden war. Abby Wambach, die wohl gefährlichste Stürmerin der Welt, köpfte den Ball über die herauseilende Torhüterin Nadine Angerer hinweg ins Netz (34.). Im zweiten Spielabschnitt erspielte sich das deutsche Team gegen die nun körperbetonter agierenden und defensiv besser organisierten Amerikanerinnen keine zwingende Chance mehr. Die erste Heimniederlage seit einem 0:1 gegen China im März 2006 war nicht zu verhindern. Stattdessen hatte die DFB-Auswahl Glück, dass Schiedsrichterin Inka Müller den Gästen zehn Minuten vor dem Ende nach einem Foul von Saskia Bartusiak an Abby Wambach einen klaren Elfmeter verweigerte.
So bitter die Niederlage für das am Mittwoch bessere Team war, so tröstlich ist die Auswirkung auf die Glaubwürdigkeit des Frauenfußballs als ernstzunehmendem Wettbewerb: Die vor allem nach der hochüberlegen gewonnenen EM von vielen als unschlagbar eingeschätzten Deutschen sind eben doch noch bezwingbar. Es müssen ja noch Ziele bleiben für die Heimweltmeisterschaft 2011. „Ich habe überhaupt nichts gegen Niederlagen in Testspielen“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid. „Daraus können wir lernen.“
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 21 | 32 | 46 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 21 | 35 | 44 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 21 | 22 | 43 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 21 | -1 | 33 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 21 | 0 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 21 | -2 | 25 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1. FC Köln | 20 | -11 | 24 | ![]() |
| 12. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 21 | -6 | 23 | ![]() |
| 13. | ![]() |
Hamburger SV | 20 | -9 | 23 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 20 | -12 | 21 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 21 | -11 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 21 | -11 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 20 | -14 | 17 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |