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Frauenfußball Revier verteidigt

03.05.2010 ·  Turbine Potsdam feiert sich nach dem zehnten Titel im Frauenfußball als neuer Rekordmeister. Während auf den Plätzen Duisburg und Frankfurt folgen, müssen die Frauenabteilungen der Männerklubs weiter mit Plätzen im Verfolgerfeld vorlieb nehmen.

Von Daniel Meuren
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In der Nacht zum Montag feierte Bernd Schröder im Kreis seiner Spielerinnen. Das hörte man der Stimme des Trainers des alten und neuen deutschen Frauenfußball-Meisters Turbine Potsdam noch an. „Das haben wir uns verdient, weil wir eine ganz starke Saison gespielt haben“, sagte der 67 Jahre alte Schröder. Der letzte Schritt zum Titel fiel Turbine am vorletzten Spieltag der Saison beim 1:0-Sieg gegen den SC 07 Bad Neuenahr schwerer als erwartet. Nationalspielerin Bianca Schmidt erzielte erst nach 68 Minuten das erlösende Tor vor fast 3.000 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion.

Die Potsdamerinnen haben sich damit wieder einmal im Dreikampf mit dem FCR Duisburg und dem FFC Frankfurt durchgesetzt und erstmals ihren Bundesligatitel verteidigt. Vergleichbares ist dem seit 1971 von Schröder sportlich geführten Klub zuvor nur zu DDR-Zeiten gelungen. Wenn man die sechs Titel aus jenen Jahren mitzählt, hat Turbine nun mit zehn Meisterschaften sogar Bergisch-Gladbach als deutschen Rekordmeister abgelöst. „Ich zähle so, wir sind jetzt Rekordmeister“, sagt Schröder, dessen Team auch noch am 20. Mai in Getafe die Champions League gewinnen kann.

Während die reinen Frauenfußballklubs ihr Revier verteidigt haben, mussten die Frauenabteilungen der großen Männer-Bundesligaklubs mit den Plätzen im Verfolgerfeld der Zwölferliga vorlieb nehmen. Bayern München, das 1976 als bislang einziger Großklub aus dem Männerfußball den nationalen Titel errungen hat, reiht sich wie der VfL Wolfsburg und der HSV abermals hinter den reinen Frauenfußballvereinen ein, der SC Freiburg steigt gar in die zweite Bundesliga ab. „Diese Klubs werden noch auf Jahre hinter uns bleiben, weil wir Substanz haben, die sich nicht so einfach mit finanziellem Aufwand aufholen lässt“, sagt Schröder.

Eigene Zuschauerklientel

Vermutlich ist das auch gut so für den Frauenfußball: Denn während in Potsdam, Frankfurt und Duisburg die Zuschauerzahlen langsam, aber stetig steigen und der Sport immerhin eine nennenswerte Resonanz erreicht, kommen bei Bayern, dem HSV oder in Wolfsburg meist weniger als 400 Fans zu den Spielen der Frauen-Bundesliga. Auch die Dritten Programme zeigen trotz des kostenlos vom DFB angebotenen Fernsehmaterials fast ausschließlich bei den drei führenden Teams Interesse. „Ich baue dennoch für die Zukunft auf die Beteiligung der klassischen Männermarken mit ihren professionellen Strukturen“, sagt DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg. „Sie sollten aber eine eigene Zuschauerklientel für Frauenfußball aufbauen.“

An dieser Aufgabe versucht sich Karin Danner bei Bayern München schon seit Jahrzehnten. Gelungen ist es bislang nicht. „Für uns ist es unmöglich, eine große Fangemeinde aufzubauen“, sagt die Koordinatorin Frauenfußball. Entsprechend gering schätzt sie die Chance ein, auf Dauer in die Phalanx der großen Drei einzudringen. „Das ist auch eine Frage des Geldes“, sagt Danner – Worte, die man von den Bayern sonst nicht kennt. „Der Vorstand will nicht mehr investieren, für die Meisterschaft reicht das dann eben nicht.“ Zur kommenden Saison müssen die Münchnerinnen nun sogar ihre prominenteste Spielerin ziehen lassen. Weltmeisterin Melanie Behringer wechselt nach Frankfurt, weil die Bayern den Gehaltspoker nicht mitmachen wollten.

FFC bastelt am Comeback

Am Main bastelt unterdessen Behringers neuer Vermarktungs-Berater und FFC-Manager Siegfried Dietrich an der Rückkehr des Serienmeisters an die Bundesligaspitze. Wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht, muss der Klub auch im nächsten Jahr zuschauen, wenn Potsdam und Duisburg in der Champions League um europäische Ehren kämpfen. „Im nächsten Jahr greifen wir aber runderneuert an“, sagt Dietrich. „Wir haben in der Rückrunde mit den Siegen gegen Duisburg und Potsdam schon angedeutet, dass wir wieder auf einem guten Weg sind.“ Der FFC-Manager gewinnt der erstarkten Konkurrenz, die wie der FFC von der edlen Zuwendung des DFB in Höhe von jährlich 180.000 Euro pro Verein profitiert, aber auch positive Seiten ab. „Dadurch, dass der Wettbewerb ausgeglichener wird und auch ein Spiel gegen den Tabellenzehnten kein Selbstläufer mehr ist, ist das Interesse der Medien gewachsen“, sagt Dietrich. „Das wird sich im kommenden Jahr vor der Weltmeisterschaft in Deutschland noch einmal steigern.“

Jenes Turnier soll nicht nur für einzelne Klubs, sondern für die gesamte Sportart der Motor für die Zukunft werden. Der DFB erhofft sich einen Boom bei den Mädchen, der die Mitgliederzahl des größten Sportverbands Deutschlands mittelfristig über die Acht-Millionen-Grenze bringen soll. In München sind sie freilich trotz des allgemein vom DFB verbreiteten Optimismus noch etwas skeptisch bezüglich der Auswirkungen des Turniers auf den tristen Bundesligaalltag. „Die WM ist sicher eine Chance“, sagt Karin Danner. „Aber die Zeit nach der WM müssen wir auch nutzen, sonst haben wir für immer verloren.“

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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