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Frauenfußball Nur Mensch, nicht Star

 ·  Birgit Prinz streift am Mittwoch (18.30 Uhr) im Länderspiel gegen Nordkorea als erste deutsche Fußballspielerin zum 200. Mal ein Nationaltrikot über. Trotz dieses stolzen Jubiläums bleibt die überzeugte Mannschaftsspielerin ganz bei sich selbst.

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Die Zahlen sprechen für sich: Birgit Prinz ist von 2003 bis 2005 dreimal zur Weltfußballerin des Jahres gekürt worden, sie hat zu zwei WM-Titeln der Nationalmannschaft maßgeblich beigetragen, sie hat fünf EM-Titel und drei Uefa-Pokalwettbewerbe gewonnen, je neun deutsche Meisterschaften und Pokalsiege gefeiert und bei ihrem kurzen Gastspiel bei Carolina Courage auch einmal die amerikanische Meisterschaft errungen. Sie war die jüngste Fußballspielerin, die je in einem WM-Finale stand, und sie ist mit bislang 14 Toren die WM-Rekordtorjägerin. Von 2001 bis 2008 wurde sie achtmal nacheinander zur deutschen Fußballspielerin des Jahres gewählt. In der Saison 2007/08 gelang ihr das Kunststück, mit WM, Uefa-Pokalsieg, deutscher Meisterschaft und DFB-Pokalsieg alle in jenen zwölf Monaten möglichen Titel zu gewinnen - natürlich auch dank zahlreicher Tore der Frontfrau. Als Rekord-Nationalspielerin, die 1994 im Alter von nur 16 Jahren ihr Debüt gab, hat sie bisher in 199 Länderspielen 125 Tore erzielt.

Am Mittwoch (18.30 Uhr/ live im ZDF) wird sie in Duisburg im Länderspiel gegen Nordkorea als erste deutsche Spielerin die Marke von 200 Länderspielen erreichen. „Birgit Prinz ist das Maß aller Dinge im deutschen Frauenfußball“, sagt ihre Mitspielerin Sandra Smisek vom 1. FFC Frankfurt, die seit Jugendtagen beim FSV Frankfurt aus nächster Nähe den Werdegang von Birgit Prinz verfolgt hat. Die 1977 in Frankfurt geborene und später im Speckgürtel der Mainmetropole aufgewachsene Torjägerin ist quasi das Synonym für deutschen Frauenfußball, weil sie auf dem Spielfeld so vielen Partien ihren Stempel aufzudrücken vermag. Auf dem Platz ist sie die extrovertierte Sturmführerin, die in der Nationalelf trotz Formschwankungen noch immer unersetzlich ist mit Blick auf die WM 2011 im eigenen Land.

Dann gibt es aber auch diese andere Seite der Birgit Prinz: Dann erscheint die Spielführerin der Nationalmannschaft der Öffentlichkeit als mürrischer Querkopf, weil sie sich nicht in die Rolle der omnipräsenten Vorzeigefrau des deutschen Fußballs zwingen lassen will. „So war sie schon in Jugendtagen beim FSV, als der Klub sie verbiegen wollte zu einer angepassten Spielerin, die immer lieb ist zu den DFB-Trainern“, erinnert sich Vater Stefan Prinz. „Aber Birgit hat das nicht zugelassen.“ Auch deshalb beugt sie sich vor dem ganz besonderen Jubiläum nicht den Gepflogenheiten. Reden will sie darüber so wenig wie möglich. „Das ist nur eine Zahl und keine besondere Leistung“, ließ sie durch ihren Manager Siegfried Dietrich ausrichten - und dass sie wahrgenommen werden will „als Mensch, als Fußballspielerin, nicht als Star“.

„Birgit liebt den Fußball, nicht das Drumherum“

Lediglich einen Pflichttermin am Montag bei der Nationalmannschaft gewährte Birgit Prinz den Medien. „Für mich sind Statistiken nicht von Bedeutung. Darin sehe ich keinen Mehrwert für mich, das ist keine Quelle der Inspiration oder Motivation“, sagte sie dort. Ansonsten blieb sie verschlossen, so wie meistens. Dann ist sie der Star wider Willen. „Birgit liebt eben den Fußball, aber nicht das Drumherum“, sagt Sandra Smisek. Sie will Fußball spielen und nicht über ihre eigene Person reden. Sie will ihre Privatsphäre nicht opfern für das mediale Interesse. „Ich habe lange gebraucht, um zu akzeptieren, dass Birgit so ist, wie sie ist“, sagt ihr Vater, der seine Tochter in Jugendjahren zunächst in der Jungenmannschaft beim FC Hochstadt und später in der Mädchenmannschaft des FSV Frankfurt als Trainer betreute und nach Auswechslungen aus disziplinarischen Gründen manch harte Auseinandersetzung zu bestehen hatte. „Ich hätte nie etwas dagegen gehabt, dass mal Fernsehkameras bei uns zu Hause drehen. Birgit hat es aber nie gewollt, und heute muss ich sagen, dass sie dadurch ihr Privatleben geschützt hat.“

Der Kampf um die Privatsphäre hat aber auch andere Motive: Birgit Prinz will einfach nicht auf die Fußballspielerin reduziert werden, die sie seit anderthalb Jahrzehnten ist, die ihren Körper unnachahmlich einsetzt und so häufig trifft. Auch deshalb hat sie sich zunächst mit einer Ausbildung zur Physiotherapeutin und später mit dem in diesem Sommer wohl erfolgreich endenden Psychologiestudium ein zweites Standbein geschaffen, obgleich sie als eine der wenigen Fußballspielerinnen dank einträglicher Sponsorenverträge auf ein stolzes Einkommen bauen kann. „Sie hätte aber in einigen Situationen sicher leicht das Doppelte oder Dreifache verdienen können“, sagt Siegfried Dietrich, der nicht nur Manager ihres Klubs FFC Frankfurt, sondern auch persönlicher Berater ist. „Aber das zeichnet sie eben aus, dass sie auch noch neben dem Fußball Ziele hat.“ Ihr Vater sagt: „Ich denke, dass sich Birgit später einmal über Schlagzeilen bezüglich ihrer Arbeit als Psychologin sicher mehr freuen wird als über Schlagzeilen wegen Toren oder Titeln.“

Die Mannschaftsspielerin

In diesen Worten kommt deutlich zum Ausdruck, wie Birgit Prinz über das öffentliche Interesse denkt. Dieses grundsätzliche Unbehagen äußerte sie schon im Alter von 17 Jahren. „Wie kommen Sie denn ausgerechnet auf mich?“, hat sie damals auf die Anfrage nach einem Interview zurückgefragt. Mit ähnlichem Unverständnis reagiert das Jahrhunderttalent bis heute auf Anfragen von Journalisten. Eine der wenigen Situationen, in denen Birgit Prinz plötzlich ins Schwadronieren kam, ergab sich bei der Weltmeisterschaft 2007, als sie einmal gemeinsam mit Sandra Smisek zum Gespräch gebeten wurde. Und siehe da: Sie blühte auf wie selten zuvor. Endlich einmal ging es nicht allein um sie, sondern eben auch um eine sportliche Weggefährtin, mit der sie im Alter von 15 Jahren die ersten Doppelpässe beim FSV Frankfurt spielte und mit der sie in der Bundesliga debütierte.

Gut gelaunt offenbarte die überzeugte Mannschaftssportlerin Anekdoten aus jenen unbeschwerten Zeiten, als sie eben noch nicht „die große Prinz“, sondern nur ein Rohdiamant war. Damals hätten sich Sandra Smisek und sie immer schön brav ein „Jetzt kreuzen!“ zugerufen, um die Laufwege abzustimmen. Wegen ihrer Zusammengehörigkeit auf dem Spielfeld und ihrer unterschiedlichen körperlichen Konstitution hörten die beiden damals auf die Spitznamen Keks und Krümel. Wir haben es sonst nicht auf die Reihe bekommen“, sagte Birgit Prinz in jener Gesprächsrunde über die fußballerische Kommunikation von einst - und das kurz vor dem Endspiel, in dem sie Deutschland nach einem ohne Zurufe funktionierenden Zusammenspiel mit Sandra Smisek gegen Brasilien zum Sieg führte. Es war nicht der Erfolg der Weltfußballerin, es war der Erfolg der Mannschaftsspielerin.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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