30.04.2010 · Monika Staab arbeitet für den Weltfußballverband Fifa als Entwicklungshelferin. Im FAZ.NET-Interview spricht die Trainerin über Frauenfußball im Islam, das Kopftuchverbot und den langen Weg zur Anerkennung.
Monika Staab gehört zu den Pionierinnen des deutschen Frauenfußballs. Die heute 51 Jahre alte Fußballlehrerin spielte bereits 1970 bei der SG Rosenhöhe in Offenbach organisiert Fußball, als dies Frauen im Hoheitsgebiet des Deutschen Fußball-Bundes eigentlich noch verboten war. 1977 stand sie als Spielerin des Frankfurter Vereins Oberst Schiel im Endspiel um die deutsche Meisterschaft. Als Trainerin und Vereinsvorsitzende war Monika Staab in den neunziger Jahren maßgeblich für den Aufschwung des 1. FFC Frankfurt zur erfolgreichsten europäischen Vereinsmannschaft verantwortlich.
Nach einem kurzen Engagement als Nationaltrainerin Bahreins begann sie 2007 eine Tätigkeit als Beraterin für Entwicklungsprojekte im Dienst des Internationalen Fußballverbandes Fifa. Für die Fifa hat sie bislang 49 meist muslimische Länder bereist, um dort den Frauenfußball voranzubringen. Monika Staab kennt aus ihrer täglichen Arbeit die besonderen Schwierigkeiten des Frauensports speziell in den arabischen Ländern und auch in Iran. Eine Mädchenmannschaft aus der Islamischen Republik wurde kürzlich von der Teilnahme an den olympischen Jugendspielen im August ausgeschlossen, weil die Fifa auf ihrem Verbot des Tragens des Hijab bestand. Der Umgang mit dem Fall beschäftigt auch die Konferenz Sport accord, zu der die wichtigsten Sportdachverbände in dieser Woche in Dubai zusammengekommen sind.
Sie sind in Dutzenden muslimischen Ländern mit dem Frauenfußball in Berührung gekommen. Wie beurteilen Sie den Ausschluss der iranischen Mädchenmannschaft von den olympischen Jugendspielen im August, weil die Fifa als Turnierveranstalter auf dem Verbot des Hijab (Kopftuch) bestand?
Tatsache ist: Die Regularien verbieten den Hijab. Grundsätzlich kann man das verstehen, weil es sehr viele Religionen gibt und sehr viele Ausprägungen, was die Kleidung betrifft. In Indien gibt es beispielsweise den Turban, der mit seinen Klammern für Verletzungen beim Fußball sorgen könnte. Verbietet man nun den Turban mit dieser Begründung, aber erlaubt den Hijab, mit dem man auch hängenbleiben und so für Verletzungen sorgen kann, dann entsteht auch wieder Chaos. Und übrigens: Wenn Frauen mit Verweis auf die Fifa-Regel auf den Hijab verzichten dürfen, dann ist das für viele eine Erleichterung.
Im Bereich des asiatischen Fußballverbands AFC ist der Hijab entgegen der Fifa-Regel 4 geduldet, selbst bei WM-Qualifikationsspielen. Hätte man diese Toleranz nicht auch auf die Jugendspiele ausweiten sollen?
Die AFC will damit die Situation entspannen. Bislang ist sie damit gut gefahren, weil eben nichtmuslimische Länder wie China, Nord- und Südkorea, Japan und Australien den Frauenfußball in der AFC dominieren und sich die Plätze für Fifa-Turniere sichern. Spannend wird es erst, wenn sich ein muslimisches Land für die WM qualifiziert. Wenn dies einem arabischen Land gelingen sollte, dann werden sie auf den Hijab verzichten. Da bin ich sicher. Iran stellt da - wie jetzt bei den Jugendspielen - die Ausnahme dar.
Warum?
In den arabischen Ländern sind es die Eltern oder die Tradition, die den Hijab vorschreiben. Sie würden sich aber der Fifa-Regel beugen, um spielen zu dürfen. Viele Spielerinnen tragen ohnehin keinen Hijab, weil sie es von ihren Eltern her nicht müssen. In Iran ist es hingegen die Regierung, die über die Kleidung der Frauen und somit auch der Spielerinnen verfügt. Die Spielerinnen werden nicht gefragt. Das ist ein großer Unterschied. In Iran ist auch besonders, dass dort nicht nur das Tragen des Hijab vorgeschrieben ist, sondern dazu auch noch die Anwesenheit von Männern am Platz vollkommen verboten ist. Männer dürfen nicht Trainer sein und nicht mal Zuschauer.
Haben Sie Hoffnung, dass die harte Linie der Fifa Wirkung haben könnte?
Die Fifa steckt bei der Sache in der Zwickmühle, weil wir alle wissen, dass Iran wegen des Fußballs nicht seine Gesetze ändern wird. Ich hoffe aber, dass Iran sich mal bald nach der Aufstockung der Frauen-WM auf 24 oder bald 32 Teams für eine Frauenfußball-WM qualifiziert. Dann hoffe ich, dass sich das Land lockert. Auf solche Qualifikationen und auch mögliche Turniererfolge will ja schließlich kein Verband verzichten.
Findet die Haltung der Fifa denn in der arabischen Welt Anerkennung von anderen Ländern?
Ich denke schon, weil die anderen Länder die Haltung Irans nicht teilen. Ein gutes Beispiel: Der iranische Verband wollte mal vor kurzem ein Futsal-Turnier ausrichten, aber alle eingeladenen Nationen weigerten sich, ohne männliche Trainer und Betreuer anzureisen. Das Turnier fiel deshalb aus, weil die anderen Länder das nicht hinnehmen wollten.
Sie kennen von Ihren Besuchen auch iranische Spielerinnen. Würden sie denn ohne Hijab überhaupt spielen wollen?
Einige der Spielerinnen würden schon heute viel lieber ohne Hijab spielen. Viele haben sogar in den Vereinigten Staaten studiert und fühlen sich mit Hijab richtig unwohl. Die Besonderheit in Iran im Vergleich zu den arabischen Staaten ist, dass die Perserinnen vor der Revolution ja schon mal Freiheit erlebt haben. Die Araberinnen sind immer noch ihrer alten Tradition verhaftet.
Wie viele Frauen spielen denn in Iran Fußball?
In Iran gibt es rund 30.000 Fußballspielerinnen, also schon recht viele - auch, weil es ganz herausragende Sportanlagen gibt, zu denen Frauen auch Zutritt haben, und weil der Frauenfußball grundsätzlich sehr gut gefördert wird. In Ländern wie den Emiraten kennen die Frauen solche Möglichkeiten noch nicht, diese Länder öffnen sich erst ganz langsam, aber kontinuierlich. Da wird nicht etwas unterdrückt wie in Iran, wo vieles schon erlaubt war. Dort sind Männer noch der Meinung, dass Frauen wie ein Kristall sind, das beim Fußball auseinanderbricht. Deshalb wird dort Korbball, Basketball oder Volleyball schon lange geduldet, nicht aber Fußball.
Hat der Frauenfußball da überhaupt eine Chance?
Es gibt Fortschritte in den muslimischen Ländern. Ein gutes Beispiel ist Qatar: Dort ist das Tragen des Hijab noch Pflicht in der Gesellschaft. Da das Land sich aber für die Austragung der Männerfußball-WM 2022 bewirbt, ist es aufgrund der Bewerbungskriterien der Fifa verpflichtet, auch den Frauenfußball zu fördern. Das ist ein Fortschritt, weil dem Frauenfußball die ein oder andere Tür geöffnet wird. Und es ist auch ein Fortschritt, dass die Fifa 15 Prozent des jährlichen Fördergeldes in Höhe von 250.000 Dollar nur dann an die entwicklungshilfebedürftigen Verbände auszahlt, wenn dieses Geld für den Frauenfußball ausgegeben wird.
Wird das Geld sinnvoll verwendet?
Ich habe in drei Jahren 49 Länder bereist, darunter sehr viele islamische. Die muslimische Welt ist sehr vielfältig. Iran ist auf der einen Seite extrem. Auf der anderen Seite gibt es Vorzeigeländer wie Jordanien, wo der Frauenfußball schon viel Akzeptanz genießt und schon viele sportliche Fortschritte gemacht hat. In Kuweit haben wir es dank der Unterstützung wichtiger Frauen aus dem Königshaus geschafft, dass die Mädchen in der Schule Fußball spielen dürfen, weil es auf offener Straße nicht toleriert wird. Es dauert halt alles seine Zeit. Aber bei uns ist in 40 Jahren seit Aufhebung des Frauenfußballverbots 1970 und vor allem in den nur sieben Jahren seit dem ersten WM-Titel 2003 auch viel in Sachen Anerkennung passiert, was zuvor unvorstellbar war. Also lassen Sie uns mal Geduld haben.
Mit tun die Mädchen leid, die mit derartigem Schwachsinn ...
Stefan Schaller (hnosteve)
- 30.04.2010, 18:11 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |