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Frauenfußball-EM Farbenfrohe Girlie-Group

07.09.2009 ·  Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft steckt im Umbruch: Im Halbfinale gegen Norwegen am Montag sind Birgit Prinz und Co. noch Stützen des Teams. Bei der Heim-WM 2011 kann die Elf aber schon ganz anders aussehen.

Von Christian Kamp, Lahti
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Schwarz gab es reichlich. Für ein bisschen freches Rot sorgte Kim Kulig. Und Bianca Schmidt steuerte noch die nötige Portion Gelb bei, das in diesem Fall schon mal als Gold durchgehen durfte. Die Schuhwahl der deutschen Fußball-Frauen für das Viertelfinale am Freitag gegen Italien (2:1) mochte in der Kombination Zufall gewesen sein. Es passte aber insofern gut, als die Hamburgerin Kulig und die Potsdamerin Schmidt bei dieser Europameisterschaft tatsächlich für frische Farbe im Team von Bundestrainerin Silvia Neid sorgen. Das Selbstvertrauen jedenfalls, das sie auch mit ihrem Schuhwerk zum Ausdruck bringen, können sie sich trotz ihrer gerade einmal 19 Jahre locker erlauben. Denn eines ist in den bislang vier Spielen in Finnland deutlich geworden: Komplett ist das Bild dieser deutschen Mannschaft, die so zielstrebig in Richtung Titel unterwegs ist, erst dank der neuen, jungen Generation, zu der man ruhig auch noch die 21 Jahre alten Babett Peter, Fatmire Bajramaj (beide Potsdam) und Célia Okoyino da Mbabi (Bad Neuenahr) zählen darf.

Eine richtige „Girlie-Group“ hat Torhüterin Nadine Angerer, 30, in den eigenen Reihen ausgemacht – mit der Begleiterscheinung, dass es manchmal „den ganzen Tag um Mode und Schminken“ gehe. Weil die Frankfurterin weiß, wie schnell so etwas falsch verstanden werden könnte, betont sie: „Das sind keine Zicken, sondern richtig gute Teamplayer.“ Und vor allem natürlich eine echte Bereicherung auf dem Spielfeld.

Dass die Jugend dort schon ein gehöriges Wort mitredet, ist nicht selbstverständlich in einem Kader, in dem 16 Weltmeisterinnen von 2007 stehen. Bundestrainerin Neid hat zwar den Konkurrenzkampf mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland bewusst forciert. In Finnland jedoch, betonte sie, zähle nur die aktuelle Leistung: „Die beste Mannschaft läuft auf.“

Youtube-Video mit Kunststücken

Einige aus der Riege der Jungen gehören schneller dazu als gedacht, allen voran Kim Kulig. Schon vor dem Halbfinale an diesem Montag gegen Norwegen (18 Uhr) steht die blondgelockte Mittelfeldspielerin als Aufsteigerin des Turniers fest. An der Seite von Linda Bresonik füllte sie ihre Rolle im Zentrum bislang so gut aus, dass man sich manchmal fragen musste, wer von beiden eigentlich die Erfahrenere ist: die zweimalige Weltmeisterin Bresonik, oder Kulig, die erst vor einem Jahr zum HSV in die Bundesliga wechselte und im Februar gegen China ihr Debüt im Nationalteam gab – gemeinsam mit Bianca Schmidt. Für Bundestrainerin Neid war es zuletzt gar keine Frage mehr, ob Kulig spielen würde oder die von einer Verletzung genesene Weltmeisterin Simone Laudehr. „Es läuft top für mich“, sagt Kulig.

Man sollte sich nicht täuschen lassen: Kim Kulig ist trotz ihrer kraftvollen Erscheinung eine technisch hervorragende Spielerin, wie bis vor kurzem auch auf einem Youtube-Video mit allerlei Kunststücken im eigenen Wohnzimmer zu besichtigen war. Luis Figo ist ihr Vorbild, „fast brasilianisch“ spielt sie in den Augen von Tina Theune-Meyer. Die frühere Bundestrainerin will in ihr sogar „eine Mischung aus Renate Lingor und Birgit Prinz in jungen Jahren“ entdeckt haben.

Im Team hat sich die gebürtige Schwäbin mit ihrer direkten und zugleich unkomplizierten Art schnell zurechtgefunden. „Ein richtig guter Typ“ sei sie, sagt Nadine Angerer – und für ihr Alter schon erstaunlich reif. Was auch damit zu tun haben dürfte, dass sie in der Großfamilie mit gleich fünf Geschwistern aufgewachsen ist. Offen plaudert sie über Frisurenprobleme, ihre VfB-Stuttgart-Bettwäsche oder das fürs nächste Jahr angepeilte Abitur – und wirkt dabei doch jederzeit fokussiert auf die sportlichen Ziele. Für ihre Hamburger Wohnung hat sie schon ein besonderes Souvenir im Gepäck: den Pokal für die beste Spielerin im Auftaktmatch gegen Norwegen.

Die Zeit läuft für die Jungen

Während Kulig aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken ist, kann sich Bianca Schmidt ihrer Sache nicht ganz so sicher sein. Bundestrainerin Neid schätzt die Rechtsverteidigerin, die 2002 bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Crosslauf Platz zwei belegte, zwar als „schnell, robust und zweikampfstark“. Zugleich aber attestierte sie ihr „technische und taktische Probleme“.

Gegen Italien musste sie zur Pause raus. Ob deswegen nun die 31 Jahre alte Kerstin Stegemann, Weltmeisterin 2003 und 2007, zurückkehrt, ist aber noch nicht gesagt. Bislang hat Neid in allen wichtigen Spielen derselben Startelf – mit Schmidt, mit Kulig und mit Peter – das Vertrauen geschenkt. „Bei uns jungen Leuten“, glaubt Kulig beobachtet zu haben, „wird schon mal ein Auge zugedrückt.“ Und selbst wenn eine von ihnen mal auf die Bank müsste: Sie könnten sicher sein, dass die Zeit für sie läuft.

Derzeit ist es ein produktives Miteinander von Jung und Alt. Doch während Torhüterin Angerer, Abwehrchefin Ariane Hingst, die wegen eines operationsbedürftigen Außenmeniskus-Schadens für den Rest des Turniers ausfällt, und vor allem Torjägerin Inka Grings ein starkes Turnier spielen, könnte es für einige der arrivierten Kräfte, so der Eindruck aus Finnland, eng werden mit der WM 2011. Kerstin Stegemann spielte bislang überhaupt keine Rolle, Kerstin Garefrekes, 30, nur die einer Mitläuferin, und Spielführerin Birgit Prinz, 31, ist immer noch ohne Tor und Selbstvertrauen. Gut möglich also, dass es in zwei Jahren sogar noch ein bisschen bunter zugehen wird im deutschen Team.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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