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Frauenfußball : Ein Finale wider den Trend

  • -Aktualisiert am

Viel Grund zum Jubeln gab es für den FFC Frankfurt in dieser Saison nicht - am Donnerstag aber könnte doch noch der große Triumph gelingen Bild: Wonge Bergmann

Im Finale der Champions League trifft der FFC Frankfurt am Donnerstag (18.00 Uhr) auf Lyon. In diesem Duell in München geht es um mehr als einen Pokal: Ist die deutsche Führungsrolle im Frauenfußball in Gefahr?

          Über mangelnde Prominenz unter seinen Zuschauern kann sich der 1. FFC Frankfurt nicht beklagen. Regelmäßig sitzen die großen Namen des deutschen Frauenfußballs auf der Tribüne. Steffi Jones, Direktorin des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Nationaltrainerin Silvia Neid, FFC-Legende Birgit Prinz; auch der dem Frauenfußball schon immer wohlgesinnte ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger ist ein gern gesehener Gast im Frankfurter Stadion am Brentanobad. Jeder von ihnen wird vom Stadionsprecher unter großem Applaus präsentiert. Mit einer Ausnahme: Fällt der Name der Nationaltrainerin, gibt es ein Pfeifkonzert.

          Der unrühmliche Abschied von Birgit Prinz, das frühe Aus bei der Weltmeisterschaft im Sommer 2011 - beides wird Silvia Neid zur Last gelegt. Etwas ist seitdem kaputtgegangen in der heilen Welt des deutschen Frauenfußballs, und nicht nur darum steht am Donnerstag (18.00 Uhr / Live in der ARD und bei Eurosport) viel auf dem Spiel.

          Im Finale der Champions League kann der 1. FFC Frankfurt mit einem Sieg gegen Olympique Lyon seine Saison mit einem Titel retten und sich noch für den wichtigsten Vereinswettbewerb qualifizieren. In der Bundesliga hat der FFC dieses Ziel so gut wie verfehlt. Vor allem aber kann die fast nur aus Nationalspielerinnen bestehende Mannschaft ein Signal an die europäischen Rivalen senden: Denn vom Selbstverständnis her thront der deutsche Frauenfußball noch immer ein ganzes Stück über der Konkurrenz.

          Ein nachträglicher Ersatz für den verpassten WM-Titel wäre der Europapokal zwar nicht. Siegfried Dietrich, der Manager des 1. FFC Frankfurt, spricht dennoch vom „Spiel des Jahres“ und davon, dass man im Münchner Olympiastadion zeigen könne, dass der deutsche Frauenfußball „weltweit ganz weit vorne positioniert ist“. Marketingprofi Dietrich lässt keine Gelegenheit aus, auf das „unglaublich große Potential“ des Frauenfußballs hinzuweisen und seine Entwicklung zu loben - Widerworte kommen traditionell vom größten nationalen Rivalen aus Potsdam.

          Die erhoffte Eigendynamik ist ausgeblieben

          „Im Moment habe ich das Gefühl, dass wir arg kämpfen müssen, um unseren Anspruch zu erfüllen“, mahnt Turbine-Trainer Bernd Schröder. „Viele denken, dass wir den Zuschauern immer einreden müssen, wie toll der Frauenfußball doch sei. Das sollten wir nicht tun. Wenn wir nicht sachlich damit umgehen, ist das eine Mogelpackung. Die Zuschauer begreifen das“, sagt Schröder. Die erhoffte Eigendynamik ist nach der WM ausgeblieben, in den von 833 auf 998 Besucher nur marginal gestiegenen Zuschauerschnitt der Bundesliga lässt sie sich jedenfalls nicht interpretieren. Nach einer Studie des Instituts „Sport + Markt“ ist das bundesweite Interesse am Frauenfußball sogar gesunken, von 28 (April 2011) auf 24 Prozent (März 2012).

          Alles ist angerichtet: Im Münchner Olympiastadion findet das Finale der Frauen statt
          Alles ist angerichtet: Im Münchner Olympiastadion findet das Finale der Frauen statt : Bild: dpa

          Umso wichtiger sind die wenigen Partien, die eine große Bühne und Liveübertragungen im Fernsehen garantieren: Länderspiele, das Endspiel der Champions League, das DFB-Pokalfinale - wirkliche Pokal-Atmosphäre kam in Köln am vergangenen Samstag nicht auf. Seit der DFB vor zwei Jahren den Endspielort von Berlin an den Rhein verlegt hat, sind die Zuschauerzahlen deutlich gesunken. Den überraschenden 2:0-Sieg des FC Bayern München gegen Frankfurt verfolgten nur 15.678 Zuschauer. 2011 waren noch 20.312, ein Jahr zuvor sogar mehr als 26 000 Zuschauer im Stadion.

          „Noch reicht unser Spielerpotential“

          “Allgemein ist mein Eindruck, dass der Trend rückläufig ist“, sagte Dieter Weber. Der Spielerberater vertritt unter anderem die gerade von Duisburg nach Frankfurt gewechselte Nationalspielerin Simone Laudehr und positioniert sich als Mahner: „Man sollte aufpassen, dass man die Entwicklung nicht verschläft“, sagte er mit Blick auf die Vereine, aber auch auf die Nationalmannschaft. Schon nach der WM hatte sich Weber als einer der schärfsten Kritiker Silvia Neids profiliert. „Ich vergleiche das gern mit der Situation in den neunziger Jahren, da war es bei den Männern ähnlich. Noch reicht unser Spielerpotential. Aber wenn man sich nicht weiterentwickelt, dann ziehen andere Nationen vorbei“, sagte Weber.

          Auf Vereinsebene sind dafür noch keine Anzeichen zu erkennen. Potsdam scheiterte erst im Halbfinale der Champions League, Frankfurt hat auf dem Weg ins Finale den norwegischen (Stabæk), schwedischen (Malmö) und englischen Meister (Arsenal) ausgeschaltet. „Nach wie vor sind die deutschen Klubs führend in Europa“, sagt Bernd Schröder, „nur Olympique Lyon muss man da ausklammern.“

          Im Halbfinale setzte Lyon ein Ausrufezeichen

          Ein Großteil des französischen Nationalteams trägt das Trikot des Serienmeisters, dazu noch Topkräfte wie die Schweizerin Lara Dickenmann oder die schwedische Ausnahmestürmerin Lotta Schelin. Im Halbfinale setzte Lyon mit dem 5:1 gegen Potsdam ein Ausrufezeichen, im Finale steht der Titelverteidiger zum dritten Mal in Serie. Auch darum hat der 1. FFC Frankfurt, ungewöhnlich für den Krösus der Bundesliga, die Favoritenrolle eilig von sich gewiesen.

          Quelle: F.A.Z.

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