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Frauenfußball Der eine Elfmeter, den Marta nie vergessen wird

20.04.2009 ·  Nadine Angerer ebnete mit ihrer Parade im WM-Halbfinale 2007 den Weg zum Titel

Von Daniel Meuren, Frankfurt
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Es war die 64. Minute des WM-Endspiels gegen Brasilien. In diesen Sekunden des 30. September 2007 in Schanghai wurde Nadine Angerer von der normalen Nationaltorhüterin zur Weltklassekeeperin, von der guten und soliden Schlussfrau gleich zur Titanin. Sie wehrte beim Stand von 1:0 für Deutschland einen Elfmeter der weltbesten Fußballspielerin Marta ab.

Im Anschluss an diesen dramatischen Höhepunkt des WM-Finales erklärte sie ihre Heldentat mit den recht kuriosen Satzwendungen: „Ich habe ihren Elfmeter im Viertelfinale gegen Australien gesehen. Da hat sie in die linke Ecke vom Torwart aus geschossen. Ich habe mir deshalb gedacht, dass sie denkt, dass ich das wohl gesehen habe und deshalb denke, dass sie wieder in diese Ecke schießt. Deshalb dachte ich, dass Marta in die andere Ecke schießt und bin halt nach rechts gesprungen.“ Nur wegen dieser offenkundig tiefgehend durchdachten Entscheidung hielt Deutschland in den verbleibenden 26 Spielminuten einem famosen Sturmlauf der Brasilianerinnen stand und gewann schließlich zum zweiten Mal den WM-Titel.

Begegnung mit der Vergangenheit

Folgerichtig wurde die 30 Jahre alte gebürtige Unterfränkin, die im Verlauf aller sechs WM-Spiele kein einziges Gegentor zuließ, nach dem Abpfiff umgehend zur deutschen WM-Heldin erkoren. Seither zählt die Torfrau neben Spielführerin Birgit Prinz zu den ganz wenigen Gesichtern des deutschen Frauenfußballs, die auch über die kleine Fanszene hinaus einen ansehnlichen Bekanntheitsgrad erlangt haben. Auch deshalb bemühte sich ihr persönlicher Manager Siegfried Dietrich im Winter um den Wechsel von Nadine Angerer zu seinem FFC nach Frankfurt. „Ich habe Nadine aufgezeigt, welche Möglichkeiten der persönlichen Vermarktung wir haben, wenn sie vor der Heim-WM 2011 hier in Deutschland spielt“, sagt Dietrich.

Die WM 2011 ist noch fern, am Mittwoch wird sich Nadine Angerer zunächst noch einmal an ihre berühmteste Parade erinnern können, wenn sie beim Testländerspiel gegen Brasilien in der Frankfurter WM-Arena (18.15 Uhr/live im ZDF) im Kabinengang und später auf dem Rasen wieder Marta begegnet, der sie den Karriereschub zu einem Teil verdankt. „Sicherlich war dieser gehaltene Elfmeter für mich richtig schön, und ich denke gern mal daran zurück“, sagt die im Taunus lebende WM-Heldin vor der Neuauflage des Spiels gegen Brasilien in ihrer neuen sportlichen Heimatstadt.

Dank Glanzparade aus dem Schatten

Die Glanzparade war tatsächlich die wohl entscheidende Szene in der Karriere der Nadine Angerer. Zuvor stand sie ein Jahrzehnt lang als Ersatztorhüterin im Schatten von Silke Rottenberg. Mittlerweile hat Angerer stolze 76 Länderspiele auf ihrem Konto, auch wegen dieser Bilanz will sie sich vor dem Spiel gegen Brasilien nur ungern auf diese eine berühmte Parade reduzieren lassen. „Das war 2007. Mein Blick geht jetzt nach vorne zur EM im August und nicht zurück in die Vergangenheit.“ Das Länderspiel am Mittwoch, das bei derzeit schon mehr als 40 000 verkauften Karten einen neuen europäischen Zuschauerrekord für Frauenfußballspiele bescheren wird, ist dennoch unweigerlich eine Begegnung mit ihrem bislang größten Moment, es ist aber nicht das erste Wiedersehen mit Marta.

Bei der 1:4-Niederlage gegen Brasilien im Halbfinale der Olympischen Spiele im vergangenen August erzielte Marta einen der vier schmerzhaften, die Goldmedaillenträume zerstörenden Treffer. Zudem sahen sich die beiden in jüngerer Vergangenheit ohnehin recht häufig, da Angerer vor ihrem Wechsel nach Frankfurt wie auch Marta vor deren Abschied in die amerikanische Profiliga im vergangenen Jahr in Schweden spielte. Seither ist das zuvor nicht vorhandene Verhältnis außerhalb des Platzes besser geworden. „Nachdem ich Schwedisch gelernt hatte, konnten wir uns erstmals unterhalten“, sagt Nadine Angerer. Die Brasilianerin sprach vor ihrem Wechsel nach Los Angeles schließlich nur Portugiesisch und Schwedisch.

Der Elfmeter von Schanghai, der die Torhüterin so berühmt gemacht und Marta wohl um den so sehr herbeigesehnten ersten WM-Titel gebracht hat, spielte in den Gesprächen jedoch keine Rolle. „Das verbietet der Respekt vor ihr als Weltklassespielerin“, sagt Nadine Angerer. Und was passiert, wenn es am Mittwoch zu einer Neuauflage des Duells mit Marta aus elf Metern käme? „Wenn es 2:0 für uns steht und die 94. Minute läuft, dann kann sie den Ball ruhig reinschießen.“ Diesmal schon. dme.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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