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Frauenfußball Der Alltag in der Königinnenklasse

11.03.2010 ·  Während die Frauenfußball-Nationalmannschaft von Rekord zu Rekord eilt, lahmt der internationale Klubfußball - trotz des neuen Namens Champions League. Ein Abend in der Königinnenklasse zeigt trotz würdigen Rahmens und klangvoller Namen die Schwachstellen auf.

Von Daniel Meuren, Duisburg
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Der FCR Duisburg hatte alles nett angerichtet: Dem klangvollen Namen des Gegners und des Wettbewerbs gemäß ist der derzeit beste europäische Frauenfußballklub in die schicke MSV-Arena umgezogen. Der FC Arsenal sollte in der Champions League standesgemäß empfangen werden und nicht im dürftigen Umfeld des Niederrhein-Stadions der Nachbarstadt Oberhausen spielen müssen, wo der FCR noch das Achtelfinale gegen die Schweden aus Linköping bestritten hatte.

Den 2:1-Sieg gegen den englischen Meister FC Arsenal wollten freilich nur 5145 Zuschauer sehen, was in der mehr als 30.000 Zuschauer fassenden Arena des Zweitligavereins einen recht trostlosen Anblick erzeugte. Das Viertelfinalhinspiel im seit dieser Spielzeit mit dem Namen Champions League gekürten Nachfolgewettbewerb des von Duisburg im vergangenen Jahr gewonnenen Uefa-Pokals spiegelte deshalb die harte Wirklichkeit des Frauenfußballs im Alltag der vermeintlichen Königinnenklasse wider.

Während die deutsche Nationalmannschaft sich von einem Zuschauerrekord zum nächsten steigert und im Fernsehen Einschaltquoten erreicht, die sich mit Europapokalabenden bei den Männern messen können, fehlt sowohl den nationalen wie dem internationalen Klubwettbewerb der besten europäischen Frauenteams bislang fast jede Aufmerksamkeit. „Ich bin sicher enttäuscht von der Resonanz heute“, sagte Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. „Es war den ganzen Tag über gutes Wetter, der Gegner hat einen Namen und das Spiel versprach europäischen Spitzenfußball. Da habe ich schon damit gerechnet, dass 10.000 bis 15.000 Zuschauer kommen“, sagte die ehemalige Nationalspielerin und begründete ihre Hoffnung mit dem Verweis auf das Vorjahresendspiel in Duisburg, als die europäische Rekordkulisse von 28.000 Zuschauern das Rückspiel gegen Zvezda Perm verfolgte. „Meine Mannschaft und dieses Spiel hätten sicher ähnlich viele Zuschauer verdient gehabt.“

Zumal das Spiel, in dem Duisburg immerhin mit sechs Spielerinnen aus der Mannschaft des Welt- und Europameisters gegen die Ansammlung der besten Spielerinnen Großbritanniens angetreten ist, auch nicht im Fernsehen übertragen wurde. Der WDR hatte zur Enttäuschung von Duisburgs Manager Guido Lutz kein Interesse an einer Live-Übertragung in seinem Dritten Programm.

Torjägerin trifft ins eigene Tor

Das Spiel selbst passte sich den tristen äußeren Bedingungen an und bot bei extrem kalten Temperaturen nur phasenweise das, was ein Duell zwischen dem Titelverteidiger und dem Titelträger von 2007 im Vorfeld versprach. Duisburg beherrschte zwar über fast 90 Minuten das Geschehen, verließ sich aber im Abschluss zu sehr auf die unbestrittenenen Qualitäten der seit Monaten in Top-Form agierenden Torjägerin Inka Grings.

Die erfolgreichste Torschützin der vergangenen Europameisterschaft und der laufenden Bundesligasasion traf jedoch am Mittwochabend nur einmal per Elfmeter zur 1:0-Führung ins gegnerische Tor (23. Minute), da sie bei der besten Arsenal-Spielerin Faye White gut aufgehoben war. Stattdessen stillte die Duisburger Mittelstürmerin ihren Torhunger nach dem 2:0 durch Martina Hegerink (49.) zu allem Überfluss bei einer missglückten Abwehraktion mit einem Kopfball-Eigentor. „So ist unsere Torjägerin halt: Wenn sie aufs Tor köpft, dann ist der Ball drin“, nahm es Torhüterin Ursula Holl mit Humor. „In London wird sie am Sonntag wieder auf der anderen Seite treffen und uns ins Halbfinale schießen.“

Bei diesem Rückspiel in der London wird übrigens noch klarer werden, wie es um den Alltag im europäischen Frauenfußball bestellt ist. „Wir erwarten maximal 1000 bis 2000 Zuschauer“, sagte Arsenal-Trainerin Laura Harvey und scherzte mit den Duisburgern: „Bringt doch bitte ein paar Freunde mit.“ In England hinkt der Frauenfußball auf dem langen Weg der Anerkennung den deutschen Fußballspielerinnen noch ein deutliches Stück hinterher.

Integriert bei den „Gunners“

Europäischer Spitzenfußball ist dort anders als in Deutschland, wo reine Frauenfußballklubs wie Duisburg, der nach einem 5:0-Sieg gegen den norwegischen Meister Roa schon fast sicher im Halbfinale stehende deutsche Meister Turbine Potsdam oder der FFC Frankfurt die Szene beherrschen, nur denkbar, weil sich Männerklubs ihre „Ladies“ leisten.

Der Arsenal Ladies Football Club ist dabei am besten dran, weil der Klub aus dem Londoner Stadtteil Highbury seine Frauen am großzügigsten unterstützt. Viele Spielerinnen wie Nationalmannschaftskapitän Faye White sind im Verein fest angestellt im Nachwuchsbereich oder arbeiten auf der Geschäftsstelle. „Diese Rahmenbedingungen sind optimal, damit wir unseren Sport fast professionell ausüben können“, sagt Faye White. „Wir genießen zudem hohes Ansehen im Klub und sind voll integriert.“

Auch dank des bis zum letzten Sommer über 20 Jahre ehrenamtlich als Trainer arbeitenden englischen „Mister Ladies Football“. Vic Akers führte nämlich nicht nur Arsenals Frauen zu elf Meistertiteln auf der Insel und zum Uefa-Pokalsieg 2007, er gehört zudem zum Organisationsstab von Männer-Trainer Arséne Wenger und kümmert sich als Zeugwart um die „Gunners“. „Dank Vic Akers haben wir ein richtig gutes Standing bei unseren Männern“, sagt Trainerin Laura Harvey, die seit einem Monat als Cheftrainerin fungiert.

Traum von doppelter Endspielteilnahme

Ihren großen Traum für diese Spielzeit verfolgen die Arsenal-Frauen freilich nicht nur wegen Akers' guten Beziehungen zum Männerteam. Laura Harvey dachte jedenfalls selbst nach der Niederlage in Duisburg schon an ein Datum im Mai. Dann steht das Finale in Madrid an, erstmals auf neutralem Boden und erstmals aufgrund einer Initiative von Uefa-Präsident Michel Platini in einer Doppelveranstaltung zwei Tage vor dem ebenfalls in die spanische Kapitale vergebenen Männer-Endspiels. „Und da wollen wir natürlich mit unserem Männerteam hinfahren“, sagt Harvey. „Deshalb werden wir am Sonntag auch wie unsere Männer nach der 1:2-Hinspielniederlage in Porto zurückschlagen - warum nicht auch mit einem 5:0-Heimsieg.“

Eine doppelte Endspielqualifikation für Arsenal würde im übrigen die Uefa vor einer großen Blamage bewahren. Nur in diesem eher unwahrscheinlichen Fall würde dank frühzeitig anreisender Arsenal-Fans im alles andere als frauenfußballafinnen Spanien das Endspiel nicht vor gänzlich leeren Rängen stattfinden.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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