22.08.2007 · Vor 25 Jahren bestritt die deutsche Nationalelf der Fußballfrauen unter Trainer Gero Bisanz ihr erstes Länderspiel, kritisch beäugt und belächelt. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte.
Von Gregor DerichsDer Anfang musste mit sanfter Gewalt erzwungen werden. „Es war mehr ein Diktat als ein Wunsch“, sagt Gero Bisanz. Dass er zum ersten Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen gemacht wurde, behagte ihm gar nicht. „Ich hatte es schwer, es dauerte, bis die Akzeptanz da war“, sagt der Einundsiebzigjährige heute. Damals, 1982, leitete er für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) die Ausbildung der Fußball-Lehrer und war Dozent an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Damenfußball, wie es damals noch hieß, galt als ziemlich unsportlich, um es gelinde auszudrücken. Und Bisanz fürchtete, sein Ruf als Trainerausbilder könne leiden, wenn er ein Frauenteam leiten würde.
„Wenn Frauen Fußball spielten, hieß es früher, das sind ein paar emanzipatorische Bemühungen. Das geht vorbei wie Kinderkrankheiten“, sagt Hannelore Ratzeburg. Die Hamburgerin darf als „Mutter“ des deutschen Frauenfußballs bezeichnet werden. Sie hat im DFB seit den siebziger Jahren um die Anerkennung für Fußball spielende Mädchen und Frauen gekämpft. Sie hatte es lange ebenso schwer wie Bisanz und viele andere, die sich für den Frauen-Fußball stark machten.
Zwanziger lässt Wembley sausen
An diesem Mittwoch werden Gero Bisanz und Hannelore Ratzeburg als Ehrengäste auf der Tribüne im Stadion Oberwerth erwartet. In Koblenz findet ein Frauen-Länderspiel gegen die Schweiz statt. Auch Theo Zwanziger kommt und verzichtet für dieses Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2009 auf den Männer-Klassiker in Wembley. Der DFB-Präsident macht den Frauen die Aufwartung, nicht nur weil er halber Koblenzer und ein ausgewiesener Freund des Frauen-Fußballs ist. Das Aufeinandertreffen mit der Schweiz, auch bei den Frauen der Traditionsgegner für besondere Spiele, ist ein Jubiläum. Die Frauen-Nationalelf besteht seit 25 Jahren, 1982 bestritt sie - ebenfalls in Koblenz, ebenfalls gegen die Schweiz - ihr erstes von bisher 291 Länderspielen.
Es war ein weiter Weg bis zur Etablierung des Frauenfußballs in Deutschland. Ein Weg durch unbekanntes Terrain, dann steil bergauf, sehr anstrengend, aber auch sehr erfolgreich. „Frauenfußball war eine sehr heikle Kiste. Die Männer gingen ja nicht hin, um Fußball zu sehen“, sagt Bisanz. Silvia Neid, die vor zwei Jahren die Position der Bundestrainerin übernahm, war beim ersten Spiel gegen die Schweiz dabei. Die mit 18 Jahren jüngste Spielerin erzielte damals zwei Tore. „Die Leute kamen ins Stadion und sagten: Mal gucken, was uns nach dem Spiel erwartet. Jeder hat auf den Trikot-Tausch gewartet“, sagt sie. Frauenfußball war exotisch. Über spezielle Regeln wurde noch nachgedacht. Kleinere Spielfelder, sogar kleinere Bälle waren im Gespräch, weil in der Leichtathektik oder auch im Handball die Geschlechter verschiedene Sportgeräte nutzen. Die Spielzeit betrug noch 80 Minuten.
Bisanz - Glücksfall des Frauenfußballs
„Ich saß mit sehr gemischten Gefühlen im Zug von Hamburg nach Koblenz“, sagt Hannelore Ratzeburg, „aber die Presse war gut vertreten, der DFB-Vorstand gekommen, das Stadion war ordentlich gefüllt, und das Publikum hat fleißig gejubelt.“ Zum Glück gewannen die deutschen Mädchen und Frauen - die meisten kamen von der damals dominanten SSG Bergisch Gladbach - 5:1. „Selbst Max Merkel, der sonst hämisch war, reagierte in seiner Zeitungskolumne wohlwollend. Er schrieb, dass unser Rechtaußen Birgit Bormann so spielte wie Littbarski“, sagt Bisanz. Danach spielte seine Mannschaft fünf Jahre eher holprig, er selbst wollte die Brocken einige Male hinwerfen.
Den Anstoß für eine weibliche DFB-Mannschaft kam aus der Europäischen Fußball-Union (Uefa). „In einer Kommission wurde überlegt, ob ein Wettbewerb für die Landesmeister oder für Repräsentativ-Mannschaften gegründet werden sollte. Nationalmannschaften traute man sich nicht zu sagen“, sagte Ratzeburg, die im DFB Vorsitzende des Frauenausschusses und Vorstandsmitglied ist. „Wir entschieden uns für Auswahlmannschaften, weil die Verbände eher Geld zu Verfügung stellen würden als die Vereine.“
Erfolgsserie hält bis heute an
Kurz danach schrieb die Uefa einen Frauenwettbewerb aus, den Vorläufer der Europameisterschaft. „Die Frauen wollen eine Nationalmannschaft. Das sollten Sie übernehmen“, sagte der damalige DFB-Präsident Hermann Neuberger zu Bisanz. „Er hat mich wohl deswegen genommen, weil ich von der Sporthochschule Erfahrung beim Umgang mit Studentinnen hatte“, sagt Bisanz. „Mit seiner Art wurde er zum Glücksfall des deutschen Frauenfußballs. Er hat die Spielerinnen immer sehr ernst genommen“, sagt Ratzeburg über den ersten DFB-Frauentrainer. „Er war der beste Trainer, den ich hatte“, erzählt Silvia Neid. Sie bestritt 111 Länderspiele mit 48 Toren, hörte nach Olympia 1996 auf, als auch Bisanz durch seine langjährige Assistentin Tina Theune-Meyer abgelöst wurde.
Nach zwei Lehrgängen im September und Oktober 1982 mit der Sichtung von 60 Spielern und zwei Trainingseinheiten vor dem Spiel hatte Bisanz die Mannschaft gegründet, deren Erfolgsserie 1989 mit dem ersten EM-Titel begann, dem sich bis 2005 fünf weitere anschlossen. Zweimal holte das Team Bronze bei Olympia, nach dem zweiten Platz bei der Weltmeisterschaft 1995 folgte 2003 mit dem WM-Titel der größte Triumph. Für die nächste WM, die im September in China ausgetragen wird, bereitet Silvia Neid ihre Spielerinnen seit Juni vor. Die Partie gegen die Schweiz ist auch der vorletzte Test vor dem Projekt Titelverteidigung.
Ja.
Frederik Zysk (mfred1)
- 22.08.2007, 16:21 Uhr
Etablierung des Frauenfussballs?
Simone Anderhub (anderhub)
- 23.08.2007, 01:26 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |