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Frauenfußball-Bundesliga : Nähe und Distanz

Erfolgsmodell im Frauen-Fußball: VfL Wolfsburg Bild: dpa

Die Frauenfußball-Bundesliga müht sich mit einer Werbeoffensive in sozialen Medien um Zuschauer. Die reinen Frauenfußballvereine haben es hingegen zunehmend schwerer, mit den Top-Klubs mitzuhalten.

          Zumindest bei DFB-Präsidenten Reinhard Grindel ist der Bekanntheitsgrad einer eher unbekannten Nationalspielerin offenbar noch größer als der von ausländischen Stars. Und so lobte Grindel am vergangenen Montag bei der Saisoneröffnungsveranstaltung der Liga im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund Carolin Simon für ein zuvor im Video eingespieltes Traumtor ohne Schwierigkeiten beim richtigem Namen. Die beiden besten Spielerinnen Europas, die niederländische Europameisterin Lieke Martens und die Dänin Pernille Harder erhielten die Vornamen Elke und Lisa.

          Der deutsche Frauenfußball muss sich eben erst noch daran gewöhnen, den Blick etwas zu weiten über die besten Frauen des Landes hinaus, nachdem die im Viertelfinale kläglich an Dänemark gescheiterte DFB-Auswahl in diesem Jahr erstmals seit 1993 nicht die EM gewonnen hatte – und zudem auch im Vereinsfußball erstmals seit zehn Jahren kein deutsches Team im Europapokal-Endspiel vertreten war. Die stets wiederkehrende Selbstbestätigung aller Beteiligten, dass die am Samstag mit dem Spiel des Meisters VfL Wolfsburg gegen 1899 Hoffenheim in die Spielzeit startende Bundesliga die beste Frauenfußball-Liga Europas sei, hört sich da fade an.

          Herausforderer aus Spanien und England

          Das Engagement von Männer-Profiklubs im Frauenfußball wächst mittlerweile auch in Spanien und England. Spannung verspricht deshalb schon die erste Runde der Champions League, für die am Freitag Atlético Madrid als Wolfsburg-Herausforderer sowie Chelsea als Bayern-Gegner ausgelost wurden. Die Bundesliga steht in der ersten Spielzeit nach der größten Turnierenttäuschung seit der sportlich misslungenen Heim-WM 2011 vor einer Bewährungsprobe. Bundestrainerin Steffi Jones will freilich nichts davon wissen, dass der Misserfolg ihres Teams negative Folgen für die Liga haben könnte. „Nach den Erfolgen der Vergangenheit gab es nie den erhofften Boom, nun wird es andersherum auch keinen Schaden geben“, sagt sie. „Die Bundesliga baut stattdessen aus sich heraus auf und wächst auch in diesem Jahr.“

          Das ist sehr optimistisch gesprochen von der Bundestrainerin. Denn eigentlich stehen die Zeichen seit Jahren auf Stagnation,wenn man einmal vom verstärkten Engagement von Sport 1 und der Telekom bei Liveübertragungen von Bundesligaspielen absieht. Die Zuschauerzahlen schwankten zuletzt stets um die 1000, mal war der Schnitt leicht darüber, mal darunter. Durch eine große angelegte Offensive des Liga-Namenssponsors soll sich das nun ändern. „Wir wollen jedem zeigen, wie authentisch und nahbar der Frauenfußall ist“, sagt Peter Kort von der Allianz. Nachdem sein Unternehmen in den vergangenen Jahren eher klassisch bei einem Marketingtag Inhalte generierte für die Darstellung der Liga, sollen die Teams nun im Rahmen einer „Klub-Tour“ im Alltag begleitet und über soziale Medien den Fans und Allianz-Kunden in der jeweiligen Region nähergebracht werden. „Wir hoffen auch auf Videos aus den Mannschaftsbussen, Blicke hinter die Kulissen“, sagt Kort, dessen Unternehmen sicherlich vom Erfolg der Offensive das weitere Engagement über das Auslaufen des Sponsorvertrags hinaus abhängig machen wird.

          Die Aktion stößt zumindest selbst bei Spielerinnen der etwas älteren Generation auf Verständnis. „Das macht Frauenfußball aus, dass man uns ansprechen kann“, sagt die Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin Melanie Behringer vom FC Bayern München.

          Die Akteurinnen sind also erreichbar, derweil drohen der FC Bayern oder VfL Wolfsburg für die reinen Frauenfußballvereine, die fünf letzten ihrer Art neben zwölf von Männer-Profivereinen unterstützen Erstligaklubs, in unerreichbare Ferne zu gelangen. Beim einstigen Branchenprimus FFC Frankfurt stagnieren Budget wie Zuschauerzahl. Während Manager und Investor Siegfried Dietrich in früheren Jahren jeweils eine Etaterhöhung zu vermelden hatte, musste er nun wie vor zwölf Monaten 1,6 Millionen Euro bekanntgeben. „Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem die Frauenfußballabteilungen der Männer-Profivereine nicht mehr subventioniert werden, sondern Erträge erwirtschaften müssen“, sagt Dietrich. „Dann sieht die Wettbewerbssituation für die reinen Frauenfußballvereine wieder besser aus.“

          Anders ausgedrückt: So lange muss der FFC Frankfurt irgendwie im Dunstkreis der Spitzenklubs durchhalten. Vom Höhenrausch früherer Jahre bleibt derweil nur der Ort der Verkündung von Dietrichs Worten. Noch stellt Sponsor Commerzbank dem Klub den imponierenden Konferenzraum in der 49. Etage des höchsten Hochhauses Deutschlands für die Saisoneröffnung zur Verfügung. Von dort oben sieht alles auf dem Erdboden „en miniature“ aus, und so fällt kurzzeitig nicht auf, wie klein der Frauenfußball im Ligaalltag ist, verglichen mit den von Millionen an Fernsehzuschauern verfolgten EM-Spielen.

          Quelle: F.A.Z.

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